08.01.2021

Vor fünfzig Jahren: Besatzung der RUHR-STAHL rettet Küstenmotorschiff aus der Brandung bei Süderoog

Mitten in der Nacht war das niederländische Küstenmotorschiff auf Grund gelaufen und lag schwer in der Brandung. Der Kapitän des Havaristen glaubte, nördlich von Spiekeroog zu liegen. Tatsächlich war er fünfzig Seemeilen entfernt bei Süderoog. Die RUHR-STAHL holte das Schiff aus der Brandung: nicht ohne selbst schwere Grundberührung zu erleiden.

Der Seenotrettungskreuzer RUHR-STAHL, der seinerzeit den Havaristen aus der Brandung holte, war in Amrum stationiert. (Foto: Archivbild)

Originalbericht aus dem Jahrbuch von 1972:

8. Januar 1971

"Auf Ballastreise von Rotterdam zur Elbe war das holländische Küstenmotorschiff "Lauriergracht" am 8. Januar aufgelaufen und mußte eine Notmeldung abgeben. Darin hatte es zunächst geheißen, die Position des Schiffes liege zwischen Wangerooge und Spiekeroog. Um 01.23 Uhr gab die Seenotleitung in Bremen dem Seenot-Rettungskreuzer RUHR-STAHL eine neue, 50 Seemeilen nordöstlich und damit  in seinem Bereich liegende Position des Havaristen in der Nähe von Süderoog durch, die Elbe-Weser-Radio gepeilt hatte.

Die Hilfe wurde dringend benötigt, da das holländische Schiff hart durchsetzte. Die RUHR-STAHL lief sofort aus und hatte um 02.15 Uhr mit dem Havaristen Sprechfunkverbindung auf UKW. Der Kapitän der "Lauriergracht" erklärte den Rettungsmännern, daß sein Schiff in der Brandung liege, 2,10 m tief gehe und auf Steuerbordseite nur noch 1 m Wasser habe. Zur Zeit lief Ebbstrom, um 04.30 Uhr war Niedrigwasser. Der Seenot-Rettungskreuzer ging um 02.45 Uhr in der Nähe des Havaristen vor Anker, um die Flut abzuwarten. Um 05.50 Uhr wurde er vom Kapitän der "Lauriergracht" gerufen, da das Schiff sich bewegte. Die Rettungsmänner holten den Anker auf und loteten sich mit der RUHR-STAHL langsam zum Havaristen, wobei einige harte Grundstöße nicht zu vermeiden waren. Der Havarist meldete, daß er in der Brandung wieder hart durchsetzte. Nachdem um 06.30 Uhr eine Schleppverbindung zur "Lauriergracht" hergestellt war, schleppte der Rettungskreuzer sie nach ungefähr 15 Minuten frei. Da inzwischen dichter Nebel mit einer Sichtweite von ca. 50-100 m aufgekommen war, wurde beschlossen, den Holländer bis zum Hellwerden zu schleppen. Auf dem Radarschirm war bei dem Seegang keine Tonne auszumachen. Nachdem um 07.45 Uhr die Schleppverbindung gelöst war, lotsten die Rettungsmänner ihn noch bis zur Leuchttonne Schmaltief, wo sie mit vielem Dank entlassen wurden. 

Der Peilfunkdienst, den die Deutsche Bundespost bei den Küstenfunkstellen unterhält, hatte auch in diesem Seenotfall, wie schon in zahlreichen anderen, durch seine genaue Standortermittlung die Rettungsaktion wesentlich erleichtert. Ohne seine Mitwirkung ginge bei ungenauen Positionsangaben wertvolle Zeit für die Suche verloren."

Zwanzig Jahre - von 1965 bis 1985 war die RUHR-STAHL auf Amrum stationiert und fuhr mit ihrer Besatzung manchen schweren Einsatz. 1985 wurde sie unserer Schwesterorganisation Asociación Honoraria de Salvamentos Maritimos y Fluviales (ADES) in Uruguay übergeben. Dort war sie viele Jahre weiterhin im Seenoteinsatz.

Heute ist auf AMRUM der 28 Meter lange Seenotrettungskreuzer ERNST MEIER-HEDDE stationiert.

AKTUELLE SEENOTFÄLLE

Blick über eine bewegte See von einem Seenotrettungskreuzer aus. In der Bildmitte fährt ein Krabbenkutter durch die Wellen, begleitet von einem kleineren Tochterboot der Dgzrs. Rechts im Hintergrund ist ein größeres Schiff, ein Seenotrettungskreuzer, mit rot-weißer Brücke zu sehen. Der Himmel wirkt dunkel und bedeckt, während das Meer in kräftigen Blau- und Grautönen erscheint. Im rechten Vordergrund sind Teile der Reling und Aufbauten des Seenotrettungskreuzers sichtbar, von dem aus fotografiert wurde.. Zur Seite: Seenotretter im Einsatz für Kutter mit starkem Wassereinbruch

Im schleswig-holsteinischen Wattenmeer vor der Halbinsel Eiderstedt sind die Seenotretter einem Krabbenkutter mit starkem Wassereinbruch zu Hilfe gekommen. Zwei Seenotrettungskreuzer waren im Einsatz.

Blick vom Bug eines Seenotrettungsbootes bei Nacht auf eine Rettungsaktion auf dem Wasser. Im Scheinwerferlicht ist links eine schräg im Wasser liegende Segelyacht zu sehen, die offenbar auf Grund gelaufen ist. Vor der Yacht befindet sich ein weiteres Seenotrettungsboot mit eingeschaltetem Warnlicht. Die dunkle Umgebung wird nur durch die Beleuchtung der Boote und einen hellen Lichtstrahl in den Nachthimmel erhellt.. Zur Seite: Seenotretter befreien drei Segler aus lebensgefährlicher Lage

Drei Segler sind nördlich der Inseln Baltrum und Langeoog in der Brandungszone einer Sandbank festgekommen. Die Seenotretter brachten sie mit dem Seenotrettungsboot SECRETARIUS in den sicheren Hafen.

Drei Seenotrettungsboot liegen als Päckchen in einem Hafen, dahinter, leicht verdeckt, das havarierte Ausflugsschiff. Zur Seite: Brand auf Fahrgastschiff: Seenotretter unterstützen Einsatz auf der Greifswalder Oie

Im Nothafen der kleinen Ostseeinsel Greifswalder Oie ist am frühen Samstagnachmittag, 26. September 2026, auf einem Ausflugsschiff ein Brand ausgebrochen. Ein Besatzungsmitglied bekämpfte das Feuer erfolgreich. Die auf der Insel stationierten Seenotretter stellten den Verschlusszustand des Maschinenraums her, um ein Wiederaufflammen zu verhindern.

Seenotretterin in Uniform schaut durch Fernglas auf hoher See
Das Seenotretter-Logbuch

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