Angeln ist ein Hobby, das für viele Menschen drei Dinge verbindet: Entspannung, Nervenkitzel und die Freude an der Natur. Damit die Freude nicht verloren geht, ist Vorsicht auf See das oberste Gebot.

Vorsicht beim Angeln auf See

Die deutschen Küsten sind ein beliebtes Angelrevier. An Nord- und Ostsee erwartet die Angler eine abwechslungsreiche Landschaft. Und auch eine Vielzahl an Fischarten: Hornfisch, Hering, Lachs, Meerforelle oder Makrele. Zusätzlich bietet sich auch eine ganze Palette von Angelarten an:

  • Spinnfischen
  • Brandungsfischen
  • Trolling
  • Hochseeangeln
  • Wrackangeln

In vielen Fällen sorgen Angelscouts und die Besatzungen von Angelkuttern für einen gefahrlosen Angelausflug. Ganz anders sieht es aber aus, wenn sich Angler mit dem eigenen Boot auf See begeben. Hier ist gute Vorbereitung das A und O, damit der Angeltörn nicht zur Katastrophe wird. Eines sollten Sie auf keinen Fall vergessen: Das Angeln in Küstennähe und auf hoher See ist etwas anderes als das Fischen am heimischen Kanal oder Teich. Durch den mitunter heftigen Seegang ist höchste Vorsicht geboten, wenn Sie den Köder auf den Haken bringen oder die Fische abhaken. Sonst landet der Widerhaken im eigenen Finger oder es geht jemand über Bord. Und: Das Wetter ist auf See wesentlich wechselhafter als an Land.

Foto: ypscollection.de

Warum Angler in Seenot geraten

Als erfahrener Angler und gelernter Fischwirt kennt Christian Koprek die Gefahren, die auf dem Meer drohen können. Dabei sind es einige wenige Dinge, die man beachten muss, um wieder sicher an Land zu kommen. Der Seenotretter von der Station List auf Sylt erzählt von seinen Erfahrungen. 

Christian Koprek hat auf dem Seenotrettungskreuzer PIDDER LÜNG schon so manche kuriose Situation mit Wassersportlern erlebt

„Einmal sollte ich jemandem auf einer Karte im Shell-Straßenatlas zeigen, wie er nach Helgoland kommt“, sagt er. Immer wieder sind gerade auch Angler auf die Hilfe der Seenotretter angewiesen. Die Gründe für Alarmierungen ähneln sich: Mal werden Entfernungen unterschätzt und der Sprit geht aus, mal werden die eigenen Fähigkeiten überschätzt, auch bei schlechten Sichtverhältnissen wieder an Land zu kommen. „Es kommt immer wieder vor, dass Angler nicht einmal einen Kompass an Bord haben“, sagt der Seenotretter, der selbst seit über 30 Jahren auf Fischfang geht.

Foto: Manuel Miserok

Vom Hobby zum Beruf

An der Seite seines Opas erlernte Christian Koprek den Sport. Als Jugendlicher brachte er bis zu 50 Stunden in der Woche mit der Rute in der Hand zu. Was zunächst an Binnengewässern begann, erfuhr später schnell seine Fortsetzung auf hoher See. Ob vor Helgoland – damals war Angeln dort noch erlaubt –, auf der Ostsee oder in Dänemark: Immer wieder verbrachte der passionierte Angler mehrere Tage auf See. Das Hobby wurde zum Beruf. Als ausgebildeter Fischwirt ging Koprek dann mit dem Kutter auf Krabbenfang. Und wenn er heute Dienst an Bord der PIDDER LÜNG hat, holt er immer wieder seine Angel hervor, um die Bordverpflegung durch frischen Fisch zu ergänzen.

Und was reizt ihn besonders an dem Hochseesport? „Das sind die ganz unterschiedlichen Herausforderungen. Makrelen-Angeln ist Stress, denn will man die Schwarmfische herausfischen, muss man schnell sein.“ Oft auch braucht er gute Ortskenntnisse und das genaue Abschätzen der Gezeiten ist notwendig. Denn andere Fischarten lassen sich besonders gut über Wracks fangen. Allerdings nur, wenn das Wasser zwischen Ebbe und Flut steht.

Und für Angler hat der Seenotretter zwei besondere Tipps auf Lager. „Etwa 30 Kilometer westlich von Sylt liegen die Wracks von zwei Landungsbooten aus dem Zweiten Weltkrieg. In dem etwa 100 Meter langen Trümmerfeld kann man gut auf Bücklinge gehen.“ Vor Norderney empfiehlt Koprek die Untergangsstelle eines Autotransporters, der dort schon lange liegt. Er war mit VW-Käfern beladen.

Seenotrettungsboot fährt an Ruderer vorbei
Foto: Thomas Hartwig

Vorbereitung vor dem Törn

Damit solche Angeltouren sicher vonstatten gehen, sind eine gute Vorbereitung und Ausrüstung Pflicht. „Bevor ich in See steche, schaue ich mir immer genau das Wetter und die Gezeiten an. Auf See müssen Wassersportler auch stets damit rechnen, dass die Sicht durch Nebel oder Regen sehr eingeschränkt sein kann.“ Und da können schon kleine Dinge helfen, die Orientierung zu behalten. Der Seenotretter setzt deshalb auf einen Kompass oder entsprechende Apps für das Smartphone. Koprek selbst hat bei seinen Angelausflügen immer Kälteschutz, Rettungsweste, GPS, Kompass und ein Funkgerät dabei. Ein weiterer Expertentipp: 

Tragen Sie helle, leuchtende Kleidung auf dem Wasser. So können Sie bei einer Suchaktion besser gesichtet werden. 

Die vielfach von Anglern gern getragene Tarnkleidung ist da eher nicht geeignet.

→ Hier finden Sie mehr Infos darüber, was vor einem Törn unbedingt notwendig ist 

Handys sind keine zuverlässigen Alarmierungsgeräte

Verwundert zeigt sich der erfahrene Angler und Fischer über die Unbedarftheit einiger Wassersportler. Immer wieder kommt es zu Einsätzen, weil sie mit völlig ungeeigneten Booten aufs Meer hinausfahren. Und das ohne die Möglichkeit, Hilfe zu rufen. Koprek warnt: „Auf hoher See ist nach wenigen Kilometern Schluss mit dem Handyempfang.“

Sicherheits-App als Unterstützung

Die Sicherheits-App SafeTrx kann Anglern gute Hilfe leisten oder sogar Leben retten. Koprek gehört zu den Seenotrettern, die das kostenlose Tracking-Programm vor der offiziellen Inbetriebnahme getestet haben. „SafeTrx ist eine gute Wahl, um im Notfall schneller gefunden zu werden“, sagt er. Wassersportler können - so lange sie sich im mobilen Abdeckungsbereich befinden - mit SafeTrx zumindest Hilfe holen.

Christian Koprek

Christian Koprek ist seit über 20 Jahren fest angestellter Seenotretter. Zunächst war er in Büsum, auf Norderney und auf Amrum stationiert. Heute hilft er von List auf Sylt aus Menschen, die in Seenot geraten. Als ausgebildeter Fischwirt ging er zuvor jahrelang auf Krabbenfang. Von Cuxhaven und Pellworm aus befuhr er Nordsee und Elbe. Wenn er heute nicht in der nördlichsten Seenotretter-Station Deutschlands Dienst tut, lebt Koprek in der Nähe von Husum.

Fotos: Max Framke

Aus den Erfahrungen anderer lernen: der Unfall beim Angeln

Man muss nicht alles selber machen – vor allem keine Fehler, die schon andere gemacht haben. Und: Allen – auch den versiertesten Profis – passieren Missgeschicke. Dafür muss sich niemand schämen. Besser ist es, andere davon profitieren zu lassen. Deshalb schildern wir hier Erlebnisse von Anglern, aus denen alle lernen können. Nord- und Ostsee bieten Anglern herrliche und vielfältige Möglichkeiten zur Ausübung ihres Hobbys. Aber: Beide Meere bergen auch Gefahren.

Beispiel-Einsatz: Seenotretter finden verirrte Angler im Nebel

Die freiwilligen Seenotretter der Station Kühlungsborn der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) haben drei verirrte Angler auf der westlichen Außenreede vor Warnemünde aus dem Nebel gerettet. Über die Notrufnummer 112 hatten sich die drei Männer gegen 13.30 Uhr bei der Rettungsleitstelle gemeldet. Am Morgen waren sie von Kühlungsborn aus mit einem circa vier Meter langen Schlauchboot Richtung Rerik zum Angeln aufgebrochen. Bei nur 50 bis 100 Metern Sicht auf der Ostsee hatten die drei vollkommen die Orientierung verloren und schließlich den Außenborder des Schlauchbootes abgestellt, da sie nicht mehr wussten, in welche Richtung sie sich bewegten. An Bord befand sich keinerlei Navigationsausrüstung, weder Kompass noch Radarreflektor.

Gecheckt: Sicherheit beim Angeln

Zwei Dinge sind notwendig, um auf dem Wasser so weit wie möglich auf „Nummer sicher“ zu gehen: 

  1. die richtige Sicherheitsausrüstung
  2. die richtigen Verhaltensweisen

→ Hier finden Sie eine ausführliche Checkliste für Motorboote mit Innenbordmotoren oder Außenbordmotoren:

 

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