Arne Schuld hat als Seenotretter seine Lebensaufgabe gefunden: Seit 2021 ist er Maschinist bei der DGzRS. Davor war der 36-Jährige viele Jahre auf den Weltmeeren unterwegs, zuletzt als leitender Schiffsingenieur. Vor gut vier Jahren wechselte er vom Containerriesen auf einen Seenotrettungskreuzer.
Es ist fast schon eine Familientradition: Sein Opa und sein Vater engagieren sich bei der Freiwilligen Feuerwehr und auch Arne Schuld ist seit Kindertagen dabei. Alle drei sind im schleswig-holsteinischen Pansdorf nahe der Ostseeküste ehrenamtlich aktiv – das Seebad Timmendorfer Strand ist gerade mal fünf Kilometer entfernt. Wenn es brennt, nach einem Unfall oder bei vollgelaufenen Kellern, lässt das Trio alles stehen und liegen, um Menschen zu helfen. Daran knüpft Arne Schuld seit November 2021 bei der DGzRS auch beruflich an – auf See.
„Seenotretter zu sein passt perfekt zu mir“, betont er. Der 36-Jährige ist gern für Menschen in Not da, liebt die See und mag es, auf einem Schiff zu sein. „Das Meer ist für mich mehr als ein Arbeitsplatz, ohne Wasser kann ich nicht“, sagt Arne Schuld und lächelt. Woher diese große Affinität kommt. Es fällt ihm schwer, die Ursache in Worte zu fassen – die Leidenschaft war einfach irgendwann da und hat ihn zum Seemann werden lassen. Vorgezeichnet war dieser Weg nicht: Er ist der Erste in seiner Familie, der zur See fährt.
Aufgewachsen ist Arne Schuld im 3.400-Seelen-Dorf Pansdorf, es ist bis heute sein Zuhause. Er ist heimatverbunden, schätzt das Miteinander und den Zusammenhalt. „Die Familie ist das Wichtigste“, unterstreicht er. Alle achten aufeinander, stützen sich in schwierigen Zeiten – genauso wie bei den Seenotrettern. Nach der Schule schließt er eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker ab, arbeitet danach zweieinhalb Jahre bei den Marinefliegern in Nordholz. Zwar liegt sein Aufgabenfeld an Land, dennoch reift in dieser Zeit sein Wunsch, zur See zu fahren.
Es folgen eine Fortbildung zum Schiffstechniker und Jobs bei Reedereien. An der Seefahrtsschule in Flensburg erwirbt Arne Schuld sein technisches Patent für die weltweite Fahrt. Er heuert auf Containerschiffen an, ist im Atlantik, Indik und Pazifik unterwegs, sieht viel von der Welt und lernt andere Länder abseits touristischer Routen kennen. Die Ruhe an Bord gefällt ihm ebenso wie in kleinen Teams zu arbeiten und die Elemente unmittelbar zu spüren. Das Leben auf See hat für ihn seinen besonderen Reiz. Und er mag die Verantwortung: „Das Schiff ist eine Einheit. Wenn ich im Maschinenraum nicht ordentlich arbeite, fährt das Schiff nicht.“ Der Seemann steckt viel Herzblut in seine Arbeit, wartet, repariert die Motoren und andere technische Anlagen mit großer Sorgfalt. Einmal hängt er sogar bei minus 10°C zum Schweißen an der Außenwand eines Schiffes. Viele weitere prägende Erlebnisse sammeln sich in dieser Zeit.
Doch irgendwann wird Arne Schuld der monatelangen Fahrten auf See überdrüssig. Das Leben in der Heimat entfernt sich mit jeder Seemeile immer mehr von ihm, Freundschaften verlieren sich durch die lange Zeit auf den Ozeanen. Zuletzt ist er meist rund um Afrika unterwegs, Piraterie ist eine ständige Gefahr. Als er sich gerade vor der Elfenbeinküste im Golf von Guinea befindet, fällt ihm zufällig eine Stellenanzeige der DGzRS in die Hände. Die Seenotretter sind ihm als Schiffsoffizier selbstverständlich ein Begriff. Einmal erlebt er auf der Elbe sogar einen ihrer Einsätze hautnah: Die Besatzung der HERMANN HELMS übernimmt den plötzlich erkrankten Kapitän seines Schiffes.
„Seenotretter zu sein passt perfekt zu mir!“
Arne Schuld bewirbt sich kurz entschlossen, mit Erfolg: Wenige Monate später beginnt für ihn die Qualifizierung zum fest angestellten Seenotretter. Auf dem Seenotrettungskreuzer HARRO KOEBKE in Sassnitz bekommt er die ersten Einblicke, lernt das Bordleben und die Maschinen kennen. Vorher waren diese so groß wie Doppelhäuser, jetzt passen sie auf wenige Quadratmeter, sind kompakt, aber komplex. Der 36-Jährige fuchst sich rein, die Arbeit liegt ihm: „Ich muss was mit meinen Händen machen, Schrauben zwischen den Fingern spüren. Und wer fährt schon auf so einem Spezialschiff?“ Gleichzeitig treibt ihn – wie bei der Freiwilligen Feuerwehr – noch etwas anderes an: Er tut etwas Gutes, rettet Menschen. Der Dank und Respekt der Geretteten ist zusätzlicher Lohn für ihn.
Mittlerweile ist er Seenotretter auf der Greifswalder Oie, auf der einsamsten Station der DGzRS. Gerade einmal eine Handvoll Menschen lebt auf der Ostseeinsel – an manchen Tagen des Jahres sind die Seenotretter ganz allein auf dem Eiland. Das Festland ist rund sechseinhalb Seemeilen entfernt. „Es ist ein bisschen wie auf einem Schiff“, sagt Arne Schuld. Die Abgeschiedenheit und die Natur gefallen ihm: Wenn es die Zeit zwischen Arbeit und Einsätzen erlaubt, sammelt der Maschinist im Winter Bernstein, im Sommer beobachtet er am Strand die Tiere. Und das Wichtigste: „Wir sind ein tolles Team, ich habe sehr gute Kollegen. Hier gehe ich nicht mehr weg, die Seenotretter sind meine zweite Familie.“
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