Trotz großer Trauer an die Seenotretter gedacht

Als Markus Nöske Anfang des Jahres völlig überraschend stirbt, gerät für Sabine Karow alles aus den Fugen. Nichts ist mehr, wie es war. Dennoch gelingt es ihr, inmitten ihres unfassbaren Schmerzes einen Spendenaufruf zugunsten der Seenotretter zu starten.

Gruppenfoto auf einem Steg im Hafen. Mehrere Seenotretterinnen und Seenotretter in roten Hosen und weißen Poloshirts stehen gemeinsam mit Gästen neben einem Seenotrettungsboot. In der Mitte hält eine Person ein gerahmtes Foto. Im Hintergrund sind die Hafeneinfahrt mit Steinmolen, Segelbooten und das Meer unter klarem blauem Himmel zu sehen. Die Aufnahme entstand bei sonnigem Wetter.

Zur Spendenübergabe in Kühlungsborn sind neben Sabine Karow (2. v. r.) und den Seenotrettern ebenfalls Freunde des Verstorbenen gekommen.

Wer schon einmal einen geliebten Menschen verloren hat, kann sich in Sabine Karow hineinfühlen. Wie es jedoch wirklich in ihr aussieht, kann niemand ermessen. Mit leicht stockender Stimme erzählt die 56-Jährige vom 21. Januar, dem Tag, an dem sich für sie alles schlagartig verändert hat: Markus Nöske telefoniert mit einem Kollegen, als er plötzlich verstummt – für immer. Ein Herzinfarkt reißt ihn aus dem Leben, lässt seine Freundin allein zurück. 

„Es war ein Schock“, sagt Sabine Karow. In der ersten Zeit funktioniert sie einfach, erledigt Dinge, die zu erledigen sind. Dies trägt die gebürtige Schwerinerin durch die ersten dunklen Tage, Wochen – ebenso die Nähe ihrer Freunde. Doch die Erinnerungen an die Liebe ihres Lebens sind überall greifbar, Tränen oft nur einen Gedanken entfernt. Freunde, Familie, Kollegen, sie alle vermissen Markus Nöske auf ihre Art. Für sie war er ein besonderer Mensch mit unerschütterlichem Optimismus und großer Tierliebe: „Er war zu allen immer sehr herzlich, zugewandt, steckte andere mit seiner Fröhlichkeit an und setzte sich für Schwächere ein“, beschreibt sie ihren verstorbenen Partner. 

Dieser warmherzige Charakter und seine überschäumende Lebensfreude berührt Sabine Karow vor mehr als zehn Jahren sofort. Bei einer Kanufahrt mit Freunden lernen sich die beiden kennen. Bald sind sie ein unzertrennliches Paar. Sie bleiben trotzdem ihrem jeweils eigenen Leben treu: Markus Nöske wohnt in Hamburg, arbeitet als Ingenieur bei der Lufthansa. Sabine Karow kümmert sich als Erzieherin in ihrem Heimatort Schwerin um Kinder. Sie führen eine Fernbeziehung, lassen dem anderen viel Freiraum. Vielleicht ist es diese Mischung aus Nähe und Abstand, die ihre Liebe jung hält. Selbst nach einigen Jahren wirken die beiden auf andere wie frisch verliebt. 

Neben ihrer innigen Vertrautheit pflegen die beiden auch eine andere gemeinsame Leidenschaft: die Liebe zur See. Markus Nöske wächst in Hamburg auf. Als Jugendlicher kommt er durch seinen Mathelehrer zum Segeln – und nicht mehr davon los. Später wird der Pädagoge zu seinem väterlichen Freund, mit dem er lange Segelreisen wie nach Kuba unternimmt. Sabine Karow ist als Kind in den Sommerferien bei ihren Großeltern auf Rügen, lernt dort das Schwimmen. Als sich die beiden schließlich Jahrzehnte später finden, verbringen sie gemeinsam viel Zeit an der Ostsee oder am Mittelmeer. „Wir haben die See geliebt. Die Wellen konnten nicht hoch genug sein“, erinnert sie sich. Strand, Sonne, See – und einander. Mehr braucht das Paar nicht, um glücklich zu sein.

Eine Person in roter Sicherheitskleidung mit Rettungsweste sitzt in einem Segelboot auf bewegter See. Die Person trägt eine dunkle Strickmütze und hält sich am Bootsrand fest. Im Hintergrund sind Wasser, eine Küstenlinie sowie ein bewölkter Himmel mit einzelnen blauen Auflockerungen zu sehen. Das Foto entstand bei windigen Bedingungen auf dem Wasser.
Markus Nöske war leidenschaftlicher Segler. | Foto: Privat

Hilfe, die seinen Namen trägt

Zu diesem Leben gehören auch die Seenotretter ein bisschen dazu: „Die Sammelschiffchen in Kneipen und Restaurants zu füllen, war für uns Pflicht“, sagt sie. Vor allem Markus Nöske ist sich als passionierter Segler mit eigener Jolle sehr bewusst, wie wichtig die Besatzungen der DGzRS für seine Sicherheit auf See sind. Diese Verbundenheit endet nicht mit seinem Tod. Für die Trauerfeier bittet Sabine Karow statt Blumen und Kränzen um eine Spende zugunsten der DGzRS. Mehr als 240 Menschen kommen am 12. Februar zum Abschiednehmen auf dem Parkfriedhof Hamburg-Ohlsdorf. An dem Tag wäre der Verstorbene 55 Jahre alt geworden. Drei Wochen später wird seine Urne in der Ostsee beigesetzt, dort, wo es ihn Zeit seines Lebens immer wieder hinzog.

2.240 Euro kommen durch Sabine Karows Aufruf zusammen. Die Spende übergibt sie persönlich im Informationszentrum der Seenotretter in Warnemünde. Mit dem Geld finanziert die DGzRS zwei Überlebensanzüge, darunter einen für die Freiwilligen der Station Kühlungsborn. Diesen streift sich Rettungsmann Roland Wildhagen am 23. Mai über, um der Erzieherin dessen Funktionsweise zu erläutern. Dabei zeigt er ihr auch das rote Schild, das in einer Lasche am linken Anzugbein steckt. Darauf steht: „gespendet im Namen von Markus Nöske“. Für Sabine Karow ist dies ein sehr bewegender Moment. Sie weiß: Ihr Partner lebt nicht nur in ihrem Herzen weiter, sondern ebenso bei den Seenotrettern. Und sein Name fährt mit hinaus auf die Ostsee, die sie beide so geliebt haben.

Detailaufnahme des Beins einer Person in roter Arbeitshose der Seenotretter. Auf der Beintasche befindet sich ein Namensschild mit dem Hinweis, von wem das Kleidungsstück gespendet worden ist. Seitlich ragt ein reflektierendes Element aus einer Tasche hervor. Im Hintergrund ist gepflasterter Boden im Sonnenlicht zu sehen.
Am Überlebensanzug erinnert ein Schild an Markus Nöske.

Sie möchten auch mit einem Spendenaufruf im Sinne des Verstorbenen die Verbundenheit zu den Seenotrettern auf ganz besondere Weise deutlich machen?

Ihre Ansprechpartnerin und weitere Informationen zum Thema Kondolenzspende sowie Beispieltexte für Spendenaufrufe in Traueranzeigen finden Sie hier.

AKTUELLE DANKMELDUNGEN

Person in dunklem Poloshirt, Jeans und weißen Schuhen steht vor einem Seenotrettungskreuzer, welcher nur in Ausschnitten zu sehen ist. Gut sichtbar ist der Schriftzug Hamburg direkt hinter ihr.. Zur Seite: Ein Leben mit Borkum und den Seenotrettern

Tiefe Verbundenheit zur ostfriesischen Insel schafft über Stiftung „Die Seenotretter“ etwas Bleibendes über den Tod hinaus.

Mehrere Menschen stehen fröhlich hinter einem blauen Banner in einem Hafen und präsentieren ein rot-weißes Sammelschiffchen der DGzRS. Zur Seite: Krabben pulen, Seenotretter unterstützen

Die Krabbenpul-Schule der Ditzumer Fischereibetriebe hat mehr als 1.000 Euro für die Arbeit der DGzRS eingebracht.

Zwei Personen stehen auf der Brücke eines Seenotrettungskreuzers vor den Navigationsgeräten. Eine Person sitzt und zeigt auf einen Bildschirm, während die andere neben ihr steht und aufmerksam auf die Anzeige blickt. Durch die Fenster ist ruhiges Wasser und eine Küstenlandschaft im Hintergrund zu sehen.. Zur Seite: Wetterprognosen helfen Seenotrettern auf See

Wertvolle Spende von Kieler Firma windfinder.com fließt in hochmoderne Ausrüstung der Seenotretter

Eine junge Seenotretterin steuert von einem Außenfahrstand ein Tochterboot. Sie blickt nach hinten und spricht dabei in einen Funkhörer.

Das Seenotretter-Logbuch

Unsere Informationen kommen per Funk.
Ihre mit einem Newsletter.

Wir informieren Sie monatlich über Neuigkeiten aus unserer Arbeit. Dazu zählen Einsatzberichte, Veranstaltungstermine und Geschichten aus dem Bordalltag.