Zwei Segler auf der Nordsee aus Lebensgefahr gerettet

Die Seenotretter der Station Hooksiel der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) haben in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, 7. April 2022, zwei Menschen aus Lebensgefahr gerettet. Die Segler waren mit ihrem Boot im berüchtigten Seegebiet „Nordergründe“ der Nordsee gestrandet.

Der Seenotrettungskreuzer BERNHARD GRUBEN in Fahrt, im Hintergrund ist ein Containerschiff zu sehen

Mit dem Seenotrettungskreuzer BERNHARD GRUBEN sind die Seenotretter im Einsatz für zwei Segler in Lebensgefahr gewesen.

Archivfoto: Sebastian Ellerbrock

Der Skipper des Segelbootes meldete sich kurz nach 21 Uhr bei der SEENOTLEITUNG BREMEN der DGzRS, der deutschen Rettungsleitstelle See. Er sei mit seiner Segelyacht nach Grundberührung gestrandet. An Bord waren außer ihm noch seine Frau und ein kleiner Hund. Die zunächst unklare Position befand sich im berüchtigten Seegebiet „Nordergründe“ mit seinen ausgedehnten Sandbänken, auf denen bei Sturm riesige Brandungszonen entstehen.

Die SEENOTLEITUNG alarmierte sofort den in Hooksiel stationierten Seenotrettungskreuzer BERNHARD GRUBEN sowie die Freiwilligenstation Horumersiel mit dem Seenotrettungsboot WOLFGANG PAUL LORENZ. Beide Einheiten hatten eine etwa zwanzig Seemeilen (ca. 36 Kilometer) weite Anfahrt ins Suchgebiet. Zwischenzeitlich hatte die Verkehrszentrale Bremerhaven der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes eine Peilung vorgenommen, die zumindest eine ungefähre Position des Segelbootes lieferte.

Gegen 22.15 Uhr konnten die Seenotretter auf der BERNHARD GRUBEN erstmals Funkkontakt zu den Seglern aufnehmen. Etwa eine Viertelstunde später trafen die Einheiten im Suchgebiet ein. Aufgrund des schweren Seegangs bei Starkwind aus Südwest mit sieben Beaufort (bis 61 Stundenkilometer) und starkem Regen war der etwa zehn Meter lange Havarist in der Dunkelheit nicht auszumachen. Die Besatzung des Tochterbootes JOHANN FIDI der BERNHARD GRUBEN entdeckte das gestrandete Segelboot schließlich auf den Nordergründen: Sie hatte dessen noch funktionierendes Topp-Licht gesichtet. Von den anderen Einheiten war dies nicht zu sehen.

Ebenfalls an der Suche beteiligte sich das Bundespolizeischiff BP 23 „Bad Düben“. Es setzte ebenfalls sein Beiboot aus, das versuchte, sich von einer anderen Seite dem aufgelaufenen Havaristen zu nähern. Zwischenzeitlich riss der Funkkontakt zur Besatzung des Beibootes der „Bad Düben“ ab; die JOHANN FIDI erlitt schwerste Grundberührung in der Brandung. Die BERNHARD GRUBEN, die WOLFGANG PAUL LORENZ und die „Bad Düben“ – jeweils mit größerem Tiefgang als die ausgesetzten Einheiten – blieben unterdessen auf Standby.

Rettung aus lebensgefährlicher Brandungszone

Mit dem Tochterboot gelang es den Seenotrettern nach einiger Zeit, an den Havaristen heranzukommen. Unter schwersten Bedingungen schafften sie es, das junge Ehepaar sowie den kleinen Hund abzubergen* und die lebensgefährliche Brandungszone wieder zu verlassen. Das Segelboot musste aufgegeben werden. Als die JOHANN FIDI vom Seenotrettungskreuzer wieder aufgenommen worden war, konnten alle anderen Einheiten aus dem Einsatz entlassen werden.

Während der langen Rückreise nach Hooksiel wurde das junge Paar an Bord medizinisch erstversorgt. Außerdem gab es wärmenden Tee für die Schiffbrüchigen und Wasser für den kleinen Hund. Aufgrund der körperlichen Verfassung der jungen Frau wurden Notarzt und Rettungswagen nach Hooksiel bestellt. Gegen 1 Uhr erreichte die BERNHARD GRUBEN den Hafen in Hooksiel. Die Schiffbrüchigen wurden an einen Rettungswagen übergeben. Sie haben das Krankenhaus jedoch inzwischen wieder verlassen können.

Das aufgegebene Segelboot vertrieb in der Nacht und strandete südwestlich von Neuwerk. Der derzeit in Cuxhaven stationierte Seenotrettungskreuzer THEO FISCHER ist zurzeit auf Standby. Bei Niedrigwasser sind Seenotretter zum gestrandeten Boot gelaufen und haben es gesichert, um ein Vertreiben in den Seeschifffahrtsweg zu verhindern. Eine Wetterverbesserung ist zwischenzeitlich nicht eingetreten.

Die Wasserschutzpolizei Wilhelmshaven hat die Ermittlungen zur Unfallursache aufgenommen.

*abbergen: seemannschaftlich für „in Sicherheit bringen“

Aktuelle Seenotfälle
Nachtaufnahme auf See: Zwei Schiffe liegen längsseits nebeneinander. Im Mittelpunkt steht das Arbeitsdeck eines Fischereifahrzeugs mit weißer und roter Aufbauten, hellen Decksstrahlern und mehreren aufgehängten Fischernetzen. Rechts sind metallische Arbeits- und Sortieranlagen zu sehen, die auf ein Fang- oder Verarbeitungsdeck hindeuten. Entlang der Bordwand hängen große orangefarbene Fender, die die beiden Schiffe voneinander abpolstern. Auf dem linken Schiff, einem Seenotrettungskreuzer, steht eine Person in Schutzkleidung, Helm und Rettungsweste auf dem schmalen Gang zwischen den Fahrzeugen. Das Deck ist grün gestrichen, nahe der Kamera liegt ein aufgerolltes Tau. Der Hintergrund besteht fast vollständig aus dunklem Nachthimmel und schwarzer Wasserfläche, wodurch die stark beleuchteten Arbeitsbereiche besonders hervortreten.. Zur Seite: Seenotretter für zwei Fischer im Nachteinsatz

Die Besatzung der THEODOR STORM schleppt vor der Dithmarscher Küste einen manövrierunfähigen Kutter sicher in den Hafen von Büsum.

Blick auf Zwei nebeneinander fahrende Schiffe. Links im Bild befindet sich ein ehemaliger Krabbenkutter mit hohem Mast, rechts ein   Seenotrettungskreuzer, der diesen in den Büsumer Hafen schleppt. Im Hintergrund ist die Schleusenanlage mit grün leuchtenden Signalen, ein Deich und mehrere Masten zu sehen. Das Wasser ist ruhig, der Himmel klar und hell.. Zur Seite: Seenotretter bringen Ausflugskutter mit 50 Menschen an Bord sicher in den Hafen

Der Seenotrettungskreuzer THEODOR STORM kommt am Mittwoch, 29. Juli 2026, vor der schleswig-holsteinischen Westküste einem Ausflugskutter mit gerissenem Fangnetz und 50 Menschen an Bord zu Hilfe.

Nacht. Am Rand ist der Aufbau eines Seenotrettungsbootes zu erkennen. Es zieht ein Segelboot an einer langen Leine hinter sich her über die Ostsee. Am anderen Bildrand ist ein grün-weiß gestreifter Leuchtturm zu sehen. Im Hintergrund fährt eine weitere Rettungseinheit.. Zur Seite: Wassereinbruch bei Nacht: Seenotretter bringen Segler sicher an Land

Die Seenotretter der Station Maasholm waren am späten Donnerstagabend, 23. Juli 2026, im Einsatz für eine Segelyacht auf der Ostsee. Östlich von Schleimünde meldete die zweiköpfige Besatzung nach Einbruch der Dunkelheit starken Wassereinbruch.

Seenotretterin in Uniform schaut durch Fernglas auf hoher See
Das Seenotretter-Logbuch

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