Nach 23 Tagen und rund 600 Kilometern erreicht Frank Göken das Ziel seines Benefizmarsches: die deutsch-dänische Grenze.
Foto: Privat
Was bleibt einem nach mehr als drei Wochen auf Deichen, Salzwiesen und Trampelpfaden? „Es gibt nicht das eine besondere Erlebnis, an das ich mich vor allem erinnere“, sagt Frank Göken. Im Moment wirkt noch die gesamte Tour nach. Diese führt den Pharmareferenten im Juli von der niederländischen Grenze östlich des Siels Nieuwe Statenzijl bis zum nördlichsten Festlandspunkt Deutschlands am Rickelsbüller Koog. Der 55-Jährige berichtet von bereichernden Begegnungen mit ihm sehr zugewandten Menschen, ihrem Zuspruch und ihrer Herzlichkeit, langen Stunden des Alleinseins – und Tausenden von Schafen. Er schwärmt von bewegenden Momenten mit der Natur, die ihn als Biologen besonders berührt haben.
Die Idee zu seinem Benefizlauf entsteht vor etwa zwei Jahren bei einem seiner kurzen Spaziergänge am Meer. Gelegentlich nutzt Frank Göken seine Pausen zwischen zwei Kundenterminen für einen Abstecher zum Deich. „In solchen Momenten der Ruhe kann ich meine innere Batterie wieder aufladen. Eine halbe Stunde dort fühlt sich für mich wie ein Wochenendurlaub an“, betont er. Vielleicht liegt dieser positive Effekt auch daran, dass der gebürtige Ostfriese direkt hinterm Deich in Norden aufgewachsen ist und dort bis heute ein Stück Heimat spürt. Mittlerweile wohnt er in Edewecht im Ammerland.
An einem dieser Tage kommt ihm der Gedanke, seiner unerschöpflichen „Kraftquelle“ mit einer Spendenaktion für Mensch und Natur in dem Landstrich etwas zurückzugeben. Um möglichst viele Unterstützerinnen und Unterstützer zu mobilisieren, plant er eine mehrwöchige Wanderung entlang der deutschen Nordseeküste. Für ihn eine sportliche Herausforderung, deshalb absolviert er 2025 zunächst einen Probelauf über den 223 Kilometer langen Heidschnuckenweg von Hamburg nach Celle. „Dabei habe ich Blut geleckt“, gesteht Frank Göken.
Konkret wird es, als er im Frühjahr eine Website aufsetzt und über diese zu Spenden unter anderem für die Seenotretter aufruft. „Die DGzRS hat mich mein Leben lang begleitet“, begründet er seine Wahl. Als Kind und Jugendlicher ist Frank Göken oft gemeinsam mit seinen Eltern auf der Nordsee unterwegs. Daher weiß er um die Gefahren, die dort draußen lauern. Schon als Kind füttert er mit Münzen die Sammelschiffchen. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
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Bewegende Ankunft
Am 2. Juli startet er seinen Marsch frühmorgens an der deutsch-niederländischen Grenze. 38,9 Kilometer später liegt die erste Etappe hinter ihm. In den nächsten drei Wochen kommen viele weitere Kilometer hinzu, ehe Frank Göken am 24. Juli mit seinem 15 Kilogramm schweren Rucksack sein Ziel erreicht: die deutsch-dänische Grenze am nordwestlichen Zipfel der Gemeinde Rodenäs. „Die Ankunft war sehr bewegend, aber gleichzeitig unspektakulärer als erwartet“, erinnert er sich.
Fast zwei Monate danach steht Frank Göken rund fünf Autostunden von dem Zielpunkt entfernt am Liegeplatz der PETER HABIG. Dort plaudert er nach der Spendenübergabe mit den freiwilligen Seenotrettern der Station Wilhelmshaven. „Ich habe wieder einiges gelernt“, sagt er. Die Begegnung mit den Rettungsleuten an diesem sonnigen 18. September ist nicht seine erste in diesem Sommer: Auf seiner Tour lernt der Wanderer in Cuxhaven die Besatzung des Seenotrettungskreuzers HANS HACKMACK kennen, der die ANNELIESE KRAMER während ihrer Werftzeit vertritt. Im Gespräch erfährt er viel darüber, wofür die DGzRS die Spenden verwendet. Nicht zuletzt deswegen ist er überzeugt, dass die über eine Internetplattform gesammelten 230 Euro bei den Seenotrettern sehr gut angelegt sind.