Mit dem Seenotrettungsboot GILLIS GULLBRANSSON ziehen die freiwilligen Seenotretter die Segelyacht von Monika und Rainer Stechemesser vom Schlick.
Foto: Privat
Wie in jedem Frühling wollen Monika und Rainer Stechemesser am 16. Mai ihre rund neun Meter lange Segelyacht „Rike“, einen 31er-Kimmkieler, aus dem Winterlager in Neuhaus an der Oste zur nahegelegenen City-Marina in Cuxhaven überführen. Bei Hochwasser bricht das Ehepaar gemeinsam mit seinem Sohn und seiner Schwiegertochter auf. Doch der Törn dauert länger als erwartet. „Aufgrund einer Unaufmerksamkeit und einer fehlenden Pricke endete unsere Fahrt bereits kurz nach unserem Start auf Schiet“, berichtet Monika Stechemesser.
Zunächst probiert Volker Karp, Inhaber ihres Winterlagers, die „Rike“ mit seinem Boot wieder ins Tiefere zu ziehen – es gelingt ihm jedoch nicht. Der sinkende Wasserstand macht weitere Versuche unmöglich. Zu allem Überfluss fallen auch noch der Motor und die Elektronik der Segelyacht aus. Die Familie muss mindestens bis zum nächtlichen Hochwasser warten. Für Monika Stechemessers Sohn als Diabetiker wird die Situation zunehmend problematisch, da das mitgenommene Essen für die unbeabsichtigte Wartezeit nicht ausreicht. Deshalb meldet sich die Familie bei der Rettungsleitstelle See der DGzRS – ein für alle beruhigender Kontakt.
In der Nacht kann auch die Freiwillige Feuerwehr Neuhaus die „Rike“ bei Stauwasser nicht freibekommen. Sicherheitshalber bringen sie Sohn und Schwiegertochter an Land. Erst den Freiwilligen der DGzRS-Station Brunsbüttel gelingt es am nächsten Nachmittag, den Kimmkieler mit dem Seenotrettungsboot GILLIS GULLBRANSSON aus dem Schlick zu befreien. Unterstützt werden sie dabei vom Werftbesitzer Martin Skadow. Anschließend schleppen die Seenotretter die Segelyacht in den nahegelegenen Hafen. Für sie ist es ein Routineeinsatz, für die Crew der „Rike“ dagegen weit mehr: „Wir waren beeindruckt vom Einsatz und der Hilfsbereitschaft der Seenotretter, der Feuerwehrleute und der Werftbesitzer“, sagt Monika Stechemesser. Neben dem professionellen Ablauf lobt sie ausdrücklich das große Einfühlungsvermögen aller Retter.
An dieser Stelle könnte die Geschichte enden, sie hat allerdings noch eine besondere Pointe. Die unfreiwillige Übernachtung auf ihrer Segelyacht bringt bei dem Ehepaar aus dem nordwestlich von Hagen gelegenen Wetter alles durcheinander: Es kann nicht wie geplant am 17. Mai seine Ferienwohnung in Cuxhaven für die zu erwartenden Stammgäste herrichten. „Kurzentschlossen riefen wir von Bord unsere 89-jährige Nachbarin an, die zum Glück sofort für uns einsprang“, erzählt Monika Stechemesser. Als sie mit ihrem Mann schließlich in Cuxhaven ankommt, wollen die Urlauber sofort alles über den Notfall wissen. Die beiden sparen nichts aus – auch nicht ihre Gefühle während der Notsituation. Der emotionale Bericht muss die Gäste nachhaltig berührt haben. Denn nachdem Monika Stechemesser ihnen ein vergessenes Polo-Shirt gewaschen nach Hause geschickt hat, erhält sie eine unerwartete Antwort: Die Urlauber haben als Dank für den besonderen Service 50 Euro an die Seenotretter überwiesen – sehr zur Freude ihrer Vermieterin.
Sie wollen die Seenotretter auch unterstützen?
Dann spenden Sie online oder per Überweisung auf unser Spendenkonto: Sparkasse Bremen, BIC: SBREDE22, IBAN: DE36 2905 0101 0001 0720 16.