03.10.2021

Abschied von der VORMANN JANTZEN

Der Seenotrettungskreuzer VORMANN JANTZEN der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) läuft heute, am 3. Oktober 2021, ein letztes Mal aus Warnemünde aus. Das Schiff war seit November 1990 sieben Jahre lang in Warnemünde stationiert gewesen, dann von Darßer Ort aus und später als Springer ohne feste Station im Einsatz. Die VORMANN JANTZEN wird nach 31 Jahren in der DGzRS-Flotte außer Dienst gestellt.

Seenotrettungskreuzer ARKONA mit der VORMANN JANTZEN und einem Rettungsboot der Feuerwehr im Hintergrund

Tschüss, VORMANN JANTZEN (M.): Der Seenotrettungskreuzer ARKONA (r.) und das Rostocker Feuerlöschboot verabschieden die DGzRS-Einheit nach 31 Einsatzjahren.
Foto: Dirk Wiggers

Mit der Wiedervereinigung 1990, 125 Jahre nach ihrer Gründung, übernahm die DGzRS wieder den Seenotrettungsdienst in Mecklenburg-Vorpommern. Größter Gewinn waren die hochmotivierten Besatzungen mit ihrer Erfahrung, Revierkenntnis und der Einstellung zu ihrer Aufgabe, die sich kein bisschen von der ihrer Kollegen im Westen unterschied. Nach wie vor gab es unter ihnen Familien, die seit vielen Generationen Seenotretter stellten.

Mit der Stationierung der VORMANN JANTZEN erhielt die Station Warnemünde ein hochmodernes Rettungsfahrzeug. Bewusst erhielt der Neubau den Namen des legendären Warnemünder Lotsenkommandeurs: Stephan Jantzen hatte von 1867 bis 1903 mit seiner Freiwilligen-Mannschaft rund 80 Menschen das Leben gerettet. 

Obwohl die DDR den Seenotrettungsdienst staatlich organisiert hatte, waren auch zwischen Poel und Ueckermünde weiterhin überwiegend Freiwillige im Einsatz. 

Bei aller Ähnlichkeit stellten sich den wiedervereinigten Seenotrettern sogleich außerordentliche Herausforderungen: Die veraltete Technik aus DDR-Zeiten war der neuen Zeit mit dem zunehmenden Seeverkehr nicht gewachsen. Für Vormann Wolfgang Rätzer war deshalb die Taufe seines Seenotrettungskreuzers VORMANN JANTZEN zur Wendezeit eine Zeitenwende. „Mit so einem schnellen Schiff war ich noch nie zuvor unterwegs gewesen. Nach einer der ersten Fahrten bin ich einmal im Traum über die Wellen geflogen“, erinnert er sich. Sein neues Schiff war zweieinhalb Mal so schnell wie der DDR-Vorgänger und verfügte über Tochterboot, Feuerlöschanlage und Bordhospital.

1997 wurde die VORMANN JANTZEN durch die THEO FISCHER in Warnemünde abgelöst und nach Darßer Ort verlegt. Die Station Darßer Ort war nun erstmals rund um die Uhr mit hauptamtlicher Crew besetzt. Ab 2003 wurde die VORMANN JANTZEN immer dort eingesetzt, wo andere Rettungseinheiten vertreten werden mussten, zum Beispiel während einer Werftzeit. In dieser Funktion verbrachte sie im vergangenen Jahr noch einmal mehrere Wochen in Warnemünde. 

Die VORMANN JANTZEN ist der letzte Seenotrettungskreuzer der 23,3-Meter-Klasse, von der zwischen 1980 und 1991 sieben Schiffe gebaut wurden. Bei nur zwei Metern Tiefgang verdrängt das Schiff 66 Tonnen und erreicht bei knapp 2.000 PS eine Geschwindigkeit von 20 Knoten (ca. 37 km/h). Der Seenotrettungskreuzer wurde am 27. November 1990 in Warnemünde von Anja Rätzer, Tochter des 1. Vormanns Wolfgang Rätzer, getauft. Am selben Tag und Ort wurde das Tochterboot von Matthias Brehm, dem Sohn eines Warnemünder Seenotretters, auf den Namen BUTSCHER getauft. Im mecklenburgischen Platt bezeichnet dies einen pfiffigen Jungen.

In drei Jahrzehnten fuhr die Besatzung der VORMANN JANTZEN ungezählte Einsätze und rettete zahlreichen Menschen das Leben. 

Durchschnittlich 30 Jahre sind die Rettungseinheiten der DGzRS im harten Einsatz auf Nord- und Ostsee. Die VORMANN JANTZEN liegt jetzt bis zu ihrem Verkauf in einer Werft auf. Außer Dienst gestellte Seenotrettungskreuzer sind anschließend oft bei anderen SAR-Diensten im Ausland im Einsatz.

AKTUELLE NEUIGKEITEN

Eine Frau und ein Mann in weißen Hemden und roten Rettungswesten befinden sich im Deckshaus eines Seenotrettungsbootes. Die Frau hält das Ruder, während der Mann sich an einer Metallstange festhält. Vor ihnen sind Bedienelemente, Anzeigen und Schalter. Durch die Fenster ist die See und der blaue Himmel zu sehen.. Zur Seite: Seenotretter 2025 für 3.400 Menschen auf Nord- und Ostsee im Einsatz

Mehr als 1.700 Einsätze leisteten die Seenotretter 2025 für Seeleute, Fischer, Passagiere und Wassersportler. TV-Moderatorin Laura Wontorra ist neue DGzRS-Botschafterin.

Qual steigt von einem brennendem Boot auf. Ein rot-weißer Seenotrettungskreuzer löscht es.. Zur Seite: Ab 30. Dezember neu in der ARD-Mediathek: Zweite Staffel der Dokuserie über die Seenotretter

Die überaus erfolgreiche ARD-Reportagereihe „Die Seenotretter“ geht in die zweite Staffel. Ab 30. Dezember 2025 sind die neuen Folgen über die Arbeit der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) in der ARD-Mediathek abzurufen. Die Ausstrahlung im Fernsehen beginnt am 4. Januar 2026 zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr.

Zur Seite: Seenotretter auf Nord- und Ostsee flaggen halbmast für ums Leben gekommenen norwegischen Kollegen

Die Dienstflagge der Seenotretter weht halbmast gesetzt. Damit bringt die DGzRS ihr Mitgefühl mit den Angehörigen eines norwegischen Kollegen zum Ausdruck, der am Freitag, 26. September 2025, sein Leben im Einsatz verloren hatte.

Seenotretterin in Uniform schaut durch Fernglas auf hoher See

Das Seenotretter-Logbuch

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