03.10.2020

Vor 30 Jahren: Seenotretter aus Ost und West wiedervereint

1990 übernahm die DGzRS wieder die Arbeit auf den Stationen in Mecklenburg-Vorpommern. Größter Gewinn: die motivierten Seenotretter mit ihrer Erfahrung und Revierkenntnis. Drei von ihnen erzählen, wie sie den staatlich organisierten Seenotrettungsdienst der DDR und die Wiedervereinigung erlebt haben.

Flagge vom Seenotretterdienst DDR

Die Dienstflagge des Seenotrettungsdienstes der DDR

Flut in der Ostsee

Auch Adolf Palliwoda freut sich damals, sieht die Sache aber nüchtern: „Für mich ist es ein Gebrauchsgegenstand, da bin ich nicht so emotional. Die Umstellung fiel uns leicht, die Grundbegriffe sind ja gleich. Aber die G. KUCHENBECKER war natürlich viel moderner und besser ausgerüstet. Und es gab dann auch ein Tochterboot.“ Das wird dringend gebraucht, denn die Einsatzzahlen steigen sprunghaft an. Wassersportler und Segler erkunden in großen Mengen die Reviere – und das oft ohne genaue Kenntnisse. Ein sinnbildlicher Fall ist Peter Meyer gut im Gedächtnis geblieben: „Wir hatten eine Segelyacht beobachtet, die nördlich vom Darßer Ort mit vier Menschen und Hund auf einer Sandbank lag. Die Leute wirkten aber sehr entspannt und baten auch nicht um Hilfe. Nach einiger Zeit sind wir trotzdem hin, um uns anzubieten.“ Der Skipper lehnt dankend ab und sagt, er wolle bis zur nächsten Flut warten. „Da habe ich ihn gefragt, ob er genug Vorräte an Bord hat. Denn vor dem Herbst kommt sicher kein Hochwasser in der Ostsee“, erzählt Meyer und lacht. 

1997 wird die G. KUCHENBECKER von der VORMANN JANTZEN abgelöst. Das markiert einen deutlichen Einschnitt für die Besatzung – denn der noch junge Kreuzer bekommt eine Mannschaft komplett aus Festangestellten. Bis 2005 bleibt Meyer auf der VORMANN JANTZEN im Dienst. Für viele Freiwillige geht es ebenfalls weiter – als ergänzende Besatzung der VORMANN JANTZEN sowie auf dem Bodden: Mit der Stationierung des Seenotrettungsbootes HÖRNUM (9-Meter-Klasse) im Hafen von Wieck nimmt die Station Prerow/Wieck im Jahr 2000 ihren Dienst auf. 

Adolf Palliwoda ist kurz zuvor bereits ausgestiegen – aus Altersgründen. Keine leichte Sache, denn Seenotretter zu sein, hat ihn sein Leben lang erfüllt: „Ich habe viele Leute kennengelernt und es war einfach schön, wenn man helfen konnte.

 

Perfekt fürs Revier

Quasi über Nacht strömen die Freizeitskipper nach Usedom. „Wir dachten, dass nun bestimmt viel auf der Ostsee los ist. Doch hatten die meisten wohl Schiss. Stattdessen tummelten sich alle im Achterwasser.“ Dort häufen sich die Einsätze – drei bis vier am Tag sind keine Seltenheit. An manchen Stellen laufen regelmäßig Segelboote auf Grund. „Einmal wollte jemand mit einem Autoatlas navigieren“, erinnert sich Hackenschmid.

1993 erhalten die Zinnowitzer Seenotretter das neue Seenotrettungsboot HECHT. Jürgen Hackenschmids Augen leuchten nach wie vor, wenn er von seinen ersten Begegnungen mit dem 7-Meter-Boot spricht: „Vor der HECHT ziehe ich meinen Hut. Das war eine Eigenentwicklung. Und diejenigen, die das konstruiert haben, haben einen überragenden Job gemacht.“ Mit gerade einmal einem halben Meter Tiefgang ist die HECHT bestens für die flachen Gewässer im Revier geeignet. Sie hat kein klassisches Ruder, sondern einen Jetantrieb. „Mit dem Wasserstrahl kann man sich ‚auf dem Teller‘ drehen“, sagt Hackenschmid begeistert.

Per Trailer – zunächst gezogen von einem Unimog, heute von einem Traktor – kommt die HECHT entweder im Achterwasser oder auf der offenen Ostsee zum Einsatz. Ein System, dass sich in den vergangenen 27 Jahren bewährt hat. Die HECHT kommt zwar rein statistisch in die Jahre, ist aber nach wie vor tadellos in Schuss. Für Jürgen Hackenschmid, der mit einem lahmenden Schwimmwagen als Seenotretter begonnen hat, symbolisiert sie seine ganz persönliche Wende: „Spätestens damit haben wir uns endlich wie richtige Seenotretter gefühlt.“

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