10.01.2023

Seenotretter 2022 für 3.300 Menschen auf Nord- und Ostsee im Einsatz

1.900 Einsätze für Seeleute, Fischer, Passagiere und Wassersportler.
Neuer DGzRS-Botschafter ist Kitesurfprofi Linus Erdmann.

Auf Nord- und Ostsee sind die Besatzungen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) im Jahr 2022 rund 1.900 Mal im Einsatz gewesen. Die Seenotretter haben dabei nahezu 3.300 Menschen geholfen. Damit hatten sie auf ihren Stationen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern zwar insgesamt etwas weniger Arbeit als im Vorjahr. Allerdings musste die DGzRS allein beinahe 400 Menschen aus Seenot retten oder Gefahr befreien, deutlich mehr als 2021. Seit ihrer Gründung vor mehr als 157 Jahren zählt die Statistik der Seenotretter mehr als 86.300 Gerettete – nach wie vor ohne jegliche staatlich-öffentliche Mittel zu beanspruchen.

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Die Seenotretter kamen zahlreichen Fischereifahrzeugen und ihren Besatzungen zu Hilfe, waren viele Male für Seeleute von Handelsschiffen, Offshore-Windparkversorgern oder Passagiere von Fähren und Fahrgastschiffen im Einsatz. Auch Wassersportler und Küstenbesucher konnten sich erneut auf die Hilfe der DGzRS-Besatzungen verlassen. Der Einsatz der Seenotretter bei jedem Wetter und rund um die Uhr ist oft mit großen Herausforderungen verbunden, vor allem in diesen Wochen und Monaten. Die Seenotretter kennen keine Saison. Jetzt, in der raueren Jahreszeit, sind sie besonders gefordert.

Im vergangenen Jahr haben die Besatzungen der 60 Seenotrettungskreuzer und -boote 1.883 Einsätze gefahren (Vorjahr: 2.023 Einsätze). Dabei halfen sie insgesamt 3.289 (3.505) Menschen. Allein 91 (61) von ihnen wurden aus Seenot gerettet, weitere 306 (272) aus Gefahr befreit.

Tag der Seenotretter ein großer Erfolg

Mehr als 25.000 Menschen haben sich am diesjährigen Tag der Seenotretter, dem letzten Sonntag im Juli, über die Arbeit der DGzRS auf Nord- und Ostsee informiert. Nach zweijähriger Pandemie-bedingter Pause mit ausschließlich Onlineprogramm demonstrierten die Seenotretter an ihrem Aktionstag erstmals wieder unmittelbar an der Küste ihre Technik, Leistungsfähigkeit und Einsatzbereitschaft. Nächster Tag der Seenotretter ist am Sonntag, 30. Juli 2023 – zum 25. Mal.

Auch Bordbesuche und Besichtigungen für Menschen, die sich den Seenotrettern verbunden fühlen, sind unter Einhaltung besonderer Infektionsschutzbestimmungen wieder möglich (Anfragen unter seenotretter.de/besichtigung).

Das Jahr 2022 in Zahlen

Zwölf Monate machen einen großen Unterschied
 

2.682

Kontrollfahrten für beste Revierkenntnis

920

Illustration eines Seenotretterbootes, der ein havaroertes Segelboot schleppt

Hilfeleistungen für
Wasserfahrzeuge aller Art

0

Euro Steuergelder, finanziert ausschließlich durch freiwillige Beiträge und Spenden

Linus Erdmann übernimmt Botschafter-Ehrenamt von Barbara Wussow

Besondere Unterstützung erfuhren die Seenotretter im abgelaufenen Jahr durch ihre Botschafterin Barbara Wussow. Die aus der beliebten Fernsehserie „Das Traumschiff“ bekannte Schauspielerin nahm beim Hamburger Hafengeburtstag an einer Übung mit dem Seenotrettungskreuzer HAMBURG/Station Borkum teil und berichtete im Fernsehen über ihr Engagement für die DGzRS. Auf dem neuen „Traumschiff“, der „Artania“, auf der im vergangenen Jahr erstmals gedreht wurde, stellte sie am Rande der Dreharbeiten ein Sammelschiffchen auf.

Die allseitige Freiwilligkeit beeindruckt sie besonders: „Ich bin fasziniert, dass Menschen, die bei der Post, beim Frisör oder wo auch immer arbeiten, alles stehen und liegen lassen, wenn sie alarmiert werden, und ihre Ausrüstung schnappen, um Menschen aus Seenot zu retten – bei jedem Wetter, rund um die Uhr. Aber: Die Menschen an Land sind genauso wichtig. Ohne ihre Spenden geht es nicht.“

Neuer ehrenamtlicher Botschafter der Seenotretter ab 2023 ist der achtfache und amtierende deutsche Kitesurfmeister Linus Erdmann. „Glücklicherweise bin ich in den 16 Jahren, in denen ich diesen Sport betreibe, bisher nicht in Not geraten oder verletzt worden. Kitesurfen ist sehr sicher, wenn man weiß, was man tut. Niemand sollte beispielsweise allein oder bei ablandigem Wind auf See hinausgehen. Doch trotz größter Umsicht und bester Vorbereitung kann Wassersportlern wie uns, aber auch allen Seeleuten schnell etwas Unvorhergesehenes passieren“, sagt der gebürtige Hamburger und Wahl-Fehmaraner.

Es sei sehr beruhigend zu wissen, dass die Seenotretter auf See für alle gleichermaßen da sind und niemanden alleinlassen. „Die auffälligen Rettungseinheiten der DGzRS vermitteln bereits von weitem viel Sicherheit. Aber das sollte uns auch stets Ermahnung sein, dass es da draußen immer Risiken geben wird, die größer und stärker als der Mensch sind.“

Kitesurfprofi Erdmann ist bereits der 24. Prominente, der das Botschafter-Ehrenamt der Seenotretter übernimmt. Die Reihe begann im Jahr 2000 mit Liedermacher Reinhard Mey.

Das neue Trainingsboot CHRISTOPH LANGNER in der Neustädter Bucht.

Foto: David Hecker

Modernisierung der Rettungsflotte schreitet voran

Durchschnittlich 30 Jahre lang sind die Rettungseinheiten der DGzRS im harten Einsatz auf Nord- und Ostsee. Entsprechend müssen die Seenotretter ständig ältere Seenotrettungskreuzer und -boote durch moderne Neubauten ersetzen. „Zweckgebundene Erbschaften helfen uns dabei ebenso wie die beständige Spendenbereitschaft vieler einzelner Menschen im ganzen Land, die zusammen Großes bewirken“, erläutert DGzRS-Geschäftsführer Nicolaus Stadeler.

2022 ist das neue Trainingsboot CHRISTOPH LANGNER der 8,9-Meter-Klasse zur ständigen Aus- und Fortbildung in Dienst gestellt worden. Es ergänzt die kleine Trainingsflotte der Seenotretter in Neustadt i. H.

Zwei Seenotrettungsboote mit den internen Bezeichnungen SRB 84 und SRB 85 für die Rettungsflotte der DGzRS sind im Bau und werden 2023 abgeliefert. Es handelt sich dabei um eine weitere 10,1-Meter-Einheit für die Station Neuharlingersiel und das erste Seenotrettungsboot einer völlig neuen Klasse für Stationen in Mecklenburg-Vorpommern, die besondere Mobilität erfordern. Diese Boote werden, wie ihre bald 30 Jahre alten Vorgänger, mit Zugmaschine und Spezialtrailer über den Strand zu Wasser gebracht. Auf diese Weise sind sie sowohl auf der Ostsee als auch auf den weit verzweigten rückwärtigen Bodden und Haffs jederzeit einsatzklar.

Sicher auf See: Alarmierungsmöglichkeit am Handgelenk ergänzt App SafeTrx der DGzRS

Seit Jahren gibt es die kostenlose Sicherheitsapp „SafeTrx“ (gesprochen: säf träcks, abgekürzt für engl. „sichere Routen“) der Seenotretter, entwickelt von der irischen Softwarefirma 8West. Wer Wassersport betreibt, kann per Mobiltelefon seine Route aufzeichnen. Die Rettungsleitstelle See der DGzRS, das Maritime Rescue Co-ordination Centre (MRCC) Bremen, hat im Notfall Zugriff darauf.

8West hat nun – gemeinsam mit Sony – SafeTrx Active entwickelt, eine am Handgelenk zu tragende SafeTrx-Lösung, mit der die eigene Route aufgezeichnet wird und bei Bedarf die Seenotretter alarmiert werden können. Dies ist besonders für Menschen interessant, die kein Mobiltelefon mit aufs Wasser nehmen möchten, etwa beim Surfen oder Kitesurfen. Alarmierungen im Such- und Rettungsgebiet der DGzRS laufen direkt im MRCC Bremen auf.

Einsatzzahlen im Detail

Im Jahr 2022 haben die Besatzungen der rund 60 Seenotrettungskreuzer und -boote in Nord- und Ostsee bei insgesamt 1.883 Einsätzen (2021: 2.023 Einsätze) 3.289 (3.505) Menschen Hilfe geleistet. Im Einzelnen haben sie (Vorjahreszahlen in Klammern)

  • 91 (61) Menschen aus Seenot gerettet,
  • 306 (272) Menschen aus drohender Gefahr befreit,
  • 361 (324) Mal erkrankte oder verletzte Menschen von Seeschiffen, Inseln oder Halligen zum Festland transportiert,
  • 39 (36) Schiffe und Boote vor dem Totalverlust bewahrt,
  • 920 (1.043) Hilfeleistungen für Wasserfahrzeuge aller Art erbracht sowie 
  • 564 (620) Einsatzanläufe und Sicherungsfahrten absolviert.

In vielen Fällen griffen die Seenotretter frühzeitig ein und begrenzten so Schäden bereits im Vorfeld. Zudem sind sie 2.682 Mal in ihren Revieren zwischen Borkum im Westen und Ueckermünde im Osten auf Kontrollfahrt gegangen.

Seit ihrer Gründung am 29. Mai 1865 hat die DGzRS bis Ende Dezember 2022 insgesamt 86.321 Menschen aus Seenot gerettet oder Gefahrensituationen auf See befreit. Das entspricht in etwa der gesamten Bevölkerung der Städte Gießen (Hessen), Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg), Lünen (Nordrhein-Westfalen) oder Flensburg (Schleswig-Holstein).

Die Einsatzzahlen verteilen sich auf die einzelnen Küsten wie folgt:

Niedersächsische Nordseeküste
Die Besatzungen der an der niedersächsischen Küste stationierten Seenotrettungskreuzer und -boote haben bei 592 (596) Einsätzen 1.134 (978) Menschen geholfen. Davon wurden 30 (18) Menschen aus Seenot gerettet und 63 (50) weitere aus Gefahrensituationen befreit.

Schleswig-Holsteinische Nordseeküste
Die Seenotretter der Stationen an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste waren 188 (213) Mal im Einsatz und halfen 330 (245) Menschen. Davon wurden 6 (5) Menschen aus Seenot gerettet und 22 (15) weitere aus Gefahrensituationen befreit.

Schleswig-Holsteinische Ostseeküste
An der Ostseeküste Schleswig-Holsteins waren die Seenotretter 642 (683) Mal im Einsatz für 967 (1.096) Menschen. Sie retteten 39 (28) Menschen aus Seenot und befreiten weitere 116 (114) aus Gefahrensituationen.

Mecklenburg-Vorpommersche Ostseeküste
In Mecklenburg-Vorpommern waren die Seenotretter zu 461 (531) Einsatzfahrten für 858 (1.186) Menschen unterwegs. Sie retteten 16 (10) Menschen aus Seenot und befreiten weitere 105 (93) aus Gefahrensituationen.

AKTUELLE NEUIGKEITEN

70 Jahre Seenotrettungskreuzer mit Tochterboot

Technischer Meilenstein bis heute: Wegweisend für die DGzRS
Vor 70 Jahren hat für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) mit dem Seenotrettungskreuzer BREMEN eine neue Ära begonnen: Zum ersten Mal war ein Rettungsschiff als Selbstaufrichter konstruiert und hatte ein Tochterboot „huckepack“ dabei. Beides prägt die hochmoderne Flotte der DGzRS bis heute.

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Das Seenotretter-Logbuch

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