Christian Stipeldey

Christian Stipeldey

Sonja Smaczny hat es weit bis ans Meer. Aber die Liebe zu den Seenotrettern trägt sie im Herzen, auch fern der Küste. Für die Ladenbauerin aus dem nordrhein-westfälischen Herford sind die Seenotretter seit Kindertagen ein Begriff. „Dass sie eine wichtige Aufgabe haben, war mir bewusst, lange bevor ich zum ersten Mal den Namen Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger gehört habe.“ Heute begeistern sie neben der modernen Technik vor allem die Werte der Seenotretter: freiwillig, unabhängig, spendenfinanziert.

Die Geradlinigkeit im Handeln und die Eigenverantwortlichkeit der Seenotretter sprechen Sonja Smaczny an. „Die Seenotretter wurden vor mehr als 150 Jahren gegründet, weil es Menschen brauchte, die mutig die Initiative zu etwas ergriffen haben, das es bisher nicht gab. Ich finde mich da gut wieder, weil ich gerne selbst anpacke.“

Do it yourself (DIY) – das ist Sonja Smacznys Ding. Sie liebt es, Möbel umzuarbeiten statt zu entsorgen, wenn sich der Geschmack geändert hat oder man umzieht. „Aus einer alten Kinderwerkbank ist mein Pflanztisch geworden, aus einer Palette ein Kräutergarten. Erhalt und Pflege, anpacken und loslegen – auch das verbindet mich mit den Seenotrettern“, sagt die Familienmutter.

Geboren in Kiel, aufgewachsen in Wilhelmshaven, Studium zunächst in Hamburg – Sonja Smaczny ist im Norden groß geworden, obwohl ihre Familie aus Marburg stammt. Ihr Vater fuhr zur See. In ihren Kindertagen waren weder das Meer noch die bekannten Sammelschiffchen der Seenotretter weit weg. „Da wurde ganz selbstverständlich Geld reingesteckt, zum Beispiel in Gaststätten, in denen wir essen waren“, erinnert sie sich. Mehr als 15.000 der wohl bekanntesten Sammeldosen Deutschlands werben heute zwischen Waterkant und Alpenrand um Spenden für die Seenotretter – und sind das bekannteste Symbol für ihre Unabhängigkeit.

Von der Kinderhand, die einst Geld in die Sammelschiffchen steckte, bis zu ihrer heutigen regelmäßigen Abbuchung vom eigenen Konto: Weg und Wirkung ihrer Spende konnte Sonja Smaczny schon immer leicht nachvollziehen. „Vor zwei Jahren waren wir bei der Taufe des Seenotrettungsbootes PETER HABIG in Wilhelmshaven. Das war ein toller Tag. Wir sind mit den Kindern hingefahren. Vorher hatten wir den Bau schon im Internet verfolgt. So haben wir die Entstehung des Bootes begleitet, bis zur Taufe direkt vor Ort.

Frau schleift einen Holzstuhl

„Ich liebe das sehr an den Seenotrettern: Was bei der DGzRS mit Spenden passiert, ist wortwörtlich greifbar. Mehr Transparenz geht nicht.“

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Sturm auf der Ostsee, Menschen in Seenot: Oliver fährt raus, um Leben zu retten. Sonja macht es möglich – mit ihrer Spende, regelmäßig und uneigennützig. Beide sind #Seenotretter!

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Diese Transparenz nutzt sie auch ständig in den sozialen Medien. „Ich finde es immer sehr spannend zu lesen, welche Kreuzer gerade wo unterwegs sind. Auch mein Papa erzählt mir das oft, er ist seit Jahrzehnten ebenfalls Spender und hat viele Kontakte an der Küste. Die Spenderinnen und Spender haben bei den Seenotrettern einen ganz besonderen Stellenwert. Die DGzRS ermöglicht den direkten Kontakt nicht nur, sondern sie sucht ihn. Da ist eine große Wertschätzung zu spüren, eine sehr persönliche Atmosphäre. Ich hatte mal einen Job in einer Firma, in der wir unsere getrunkenen Kaffees aufschreiben mussten. Einmal im Jahr kam die Abrechnung: Für 35 Euro Kaffee getrunken? Bitte an eine Organisation deiner Wahl spenden und die Spendenquittung vorlegen. Das waren bei mir immer die Seenotretter.“

Durch sie bleibt für Sonja Smaczny auch der Kontakt zur Küste erhalten, obwohl ihr Lebensweg sie weit davon weggeführt hat. Nach dem Vordiplom in allgemeiner Phonetik in Hamburg studierte sie klinische Linguistik in Bielefeld. „Hamburg hat mich ein wenig überfordert. Man kann in Hamburg einfach zu viel feiern oder in Sankt-Peter-Ording surfen. Mir fiel es echt schwer, da auch noch ein Studium zu regeln“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Mit ihrer Ausbildung hätte sie auch bei einem Lexikon-Verlag landen können oder bei der Polizei Erpresser-Anrufe analysieren. Stattdessen ging sie ins Gesundheitswesen und arbeitete als Sprachtherapeutin in einer Tagesklinik.

Eine ältere Dame schleift einen Holzstuhl
Ein Pinsel, der in einen Farbeimer getaucht wurde

Zusätzlich hatte sie immer auch Nebenjobs. Dadurch landete sie schließlich in Herford. „Ich habe immer im Veranstaltungsbereich gejobbt, später sogar auch noch Veranstaltungstechnik gelernt und dann Stadtmarketing in Herford gearbeitet. Es ist ein zauberhaftes mittelalterliches Städtchen mit schönem grünen Innenstadtkern und zwei Flüssen, die durchfließen.“ Wasser lässt Sonja Smaczny nicht los. „In Herford taugt es zum Paddeln und Schwimmen, das ist schon toll. Aber es ist etwas ganz anderes als Surfen auf dem Meer.“ Was sie heute noch im Urlaub macht.

Für die Gefahren der See hat Sonja Smaczny seit jeher ein gutes Gespür. „Meine Eltern haben uns Kindern den Respekt vor dem Meer und den Gezeiten von klein auf eingebläut.“ Diese Einstellung zu den Naturgewalten hat sie bei den Seenotrettern wiedergefunden: „In Gesprächen mit ihnen ist immer zu spüren: Die Achtung vor der See fährt bei jedem Einsatz mit, das Bewusstsein, dass niemand sonst noch den Hafen verlässt. Die Seenotretter fahren eben raus, wenn andere reinkommen. Am meisten beeindruckt mich, dass sie im Einsatz nicht die Orientierung verlieren in diesen Wellenbergen. Und wenn ich mir vorstelle, dass die Mannschaften nahe am Wasser arbeiten – so groß sind ja ihre Schiffe nicht – dann wirken die Wellen noch enormer.

„Die Seenotrettungskreuzer sind kleine Punkte und sollen einzelne Menschen finden, also noch kleinere Punkte. In total bewegter See. Alles schwankt, das Boot, die Schiffbrüchigen, einfach irre.“

Sonja Smaczny weiß nur zu gut, dass es keinen Sturm braucht, um auf See in Gefahr zu sein. „Menschen können auch an einem ruhigen Sommertag in Seenot geraten.“ Zwar war sie selbst bisher noch nicht auf die Seenotretter angewiesen – aber ihr Mann. „Er und sein Kumpel sind aus der Flensburger Förde rausgesegelt und auf Grund gelaufen.“ Ein Fall für die freiwilligen Seenotretter aus Langballigau. „Mein Mann wusste schon sehr gut, was zu tun ist. Wir haben großen, gesunden Respekt vor der See. Das ist vielleicht eine der wichtigsten Sicherheitsmaßnahmen.“

Nicht weniger als die Einstellung der Seenotretter zu ihrer Aufgabe begeistert Sonja Smaczny ihre Technik. „Die Seenotrettungskreuzer sind faszinierend, was die leisten können, wie die immer weiterentwickelt werden, wie viel Power da drinsteckt. Ebenso faszinierend ist es, die alten Boote anzugucken, die mit Pferden an den Strand gezogen und anschließend gerudert wurden. Auch für die Kinder. Im alten Rettungsschuppen auf Norderney laufen Filme, und man sieht, wie es aus Sicht der Retter ist, wenn der Kreuzer rausfährt und durch die Wellen sticht. Ganz ehrlich: Letztendlich sind das auch heute noch Nussschalen im Vergleich zu den Ozeanriesen.“

Egal ob Sturm oder schönes Wetter: Ohne Zusammenhalt an Bord wäre kein Einsatz möglich. Aber auch die große Gemeinschaft aus den Seenotrettern an Bord und den Spendern, sozusagen den Seenotrettern an Land, begeistert Sonja Smaczny. „Ich finde es faszinierend, dass die DGzRS so viel Ausstrahlung hat, dass Menschen auch wirklich große Summen spenden, um diese Gesellschaft am Laufen zu halten, damit zum Beispiel Überlebensanzüge und andere wichtige Ausrüstung, ja letztlich Schiffe gekauft und unterhalten werden können. Es ist sensationell, wie professionell die DGzRS unterwegs ist und das Ganze auf reiner Spendenbasis umsetzt.“

Über eine gemeinnützige Organisation, die ihr Vertrauen verdient, hat sie klare Vorstellungen: „Mir ist wichtig, dass sie nicht zu groß ist und eine schlanke Verwaltung hat. Bei den Seenotrettern weiß ich: Meine Spende kommt wirklich an. Das kann ich sehen und begreifen, auch ganz wortwörtlich. Durch meine Spende bin ich ein Teil einer großen Gemeinschaft, egal ob bei Veranstaltungen, die wir besucht haben, oder in den viele Gesprächen mit den Mannschaften.

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