Prototyp für neue Seenotrettungskreuzer-Klasse in Auftrag gegeben

Die Seenotretter haben den Bau eines Prototyps für eine neue Seenotrettungskreuzer-Klasse zum Einsatz in Nord- und Ostsee in Auftrag gegeben. Das gut 26 Meter lange Spezialschiff wird nach neuesten Erkenntnissen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) gebaut. Der hochmoderne Neubau soll im Laufe des Jahres 2028 abgeliefert und in Dienst gestellt werden. Die Seenotretter werden ihn auf „auf Herz und Nieren“ erproben, bevor die DGzRS über Folgeneubauten entscheidet. Bereits vertraglich vereinbart ist mit der Bauwerft, der SET Schiffbau- und Entwicklungsgesellschaft Tangermünde, eine Option auf ein Schwesterschiff.

Seitenansicht einer technischen Zeichnung eines Seenotrettungskreuzers der DGzRS in Rot‑Weiß mit SAR-Schriftzug, erhöhtem Steuerhaus, Antennenmast und einem achtern gelagerten Tochterboot auf weißem Hintergrund.

Erste, unverbindliche Visualisierung eines neuen Seenotrettungskreuzer-Typs für die DGzRS

Grafik: HB Hunte Engineering GmbH/Marigraph GmbH

Basierend auf Einsatzerkenntnissen mit den im Dienst befindlichen Seenotrettungskreuzern, haben erfahrene Vor- und Rettungsleute sowie Inspektoren der DGzRS die Details des neuen Seenotrettungskreuzer-Typs in bewährter Netzspanten-Aluminiumbauweise festgelegt. Gemeinsam mit dem Oldenburger Ingenieurbüro HB Hunte Engineering wurden im umfangreichen Entwicklungsprozess auch alle Linien des Rumpfes optimiert. 

Der neue 26,1-Meter-Seenotrettungskreuzer erhält einen Deltarumpf mit breitester Stelle am Heck und schlankem Wulstbug. Dieser verlängert die Wasserlinie, verbessert die Wasserverdrängung und reduziert Spritzwasser. Im Versuchstank der Hamburgischen Schiffbau-Versuchsanstalt (HSVA) haben umfangreiche Tests am Modell stattgefunden, mit sehr guten Ergebnissen. 

Das Hauptdeck steigt Richtung Bug leicht an, ohne Stufe. Mehr Platz auf dem Vorschiff und hinter dem Aufbau erleichtern die Rettungsarbeiten und die Zusammenarbeit mit Hubschraubern. Eine weitere augenfällige Neuerung ist ein vollständig abgetrennter und auch getrennt zu betretender Behandlungsraum für Schiffbrüchige und Verletzte. 

Der Neubau wird eine neunköpfige Stammbesatzung haben, von der je vier Seenotretter ständig auf Wache sind. Er erhält kein Wohndeck, aber zwei Doppelkammern mit Behelfskojen sowie Messe und Pantry, zum Beispiel für kurzzeitige Übernachtungen in anderen Häfen und beim Liegen auf Seeposition. Dadurch bleibt an Bord viel Platz, der neu aufgeteilt werden kann. 

Auf dem Brückendeck sind ein Außenfahrstand zum Manövrieren unter besonderen Bedingungen und zwei Innenfahrstände vorgesehen. Klappbare Spezialsitze mit Bedienelementen ermöglichen es dem Vormann, von derselben Position aus im Stehen oder Sitzen zu fahren. Spezialsicherheitsglas, seitliche Fußraumfenster und Außenkameras für ein ständiges virtuelles Gesamtbild aus der Vogelperspektive sorgen für beste Rundum- und Übersicht. Die achteren Brückenplätze (Maschinist und Einsatzleiter vor Ort = On-Scene Co-ordinator, OSC) werden etwas erhöht gebaut, damit die gesamte Besatzung beste Sicht auf die See hat. 

Das Tochterboot mit Aluminiumrumpf wird dem neuen 8,4-Meter-Seenotrettungsboot ähneln. Es wird erstmals jetgetrieben sein. Im Vergleich zur auf Spezialtrailern eingesetzten 8,4-Meter-Klasse sind zusätzlich ein überdachter Außenfahrstand und Crewsicherungen auf dem Achterdeck vorgesehen. Die Rettung Schiffbrüchiger unmittelbar aus dem Wasser erfolgt über eine Bergungsplattform am Heck.

Vorläufige Hauptdaten

  Seenotrettungskreuzer Tochterboot
Länge 26,12 Meter 8,00 Meter
Breite 6,70 Meter 2,80 Meter
Tiefgang 1,70 Meter 0,60 Meter
Verdrängung 100 Tonnen 4,6 Tonnen
Leistung 2 x 1.655 PS = 3.310 PS 425 PS
Geschwindigkeit 23 Knoten 32 Knoten

Am Dienstag, 14. April 2026, hat die DGzRS den Bauauftrag für SK 43 mit TB 47 samt einer Option auf SK 44 mit TB 48 (DGzRS-interne Bezeichnungen) mit der zur Heinrich-Rönner-Gruppe gehörenden SET Schiffbau- und Entwicklungsgesellschaft Tangermünde unterzeichnet. Überzeugt hat die Werft mit ihrer Expertise im Aluminiumschiffbau. Sie hat große Erfahrung im Bau von Spezial-, Behörden und Forschungsschiffen für Nord- und Ostsee sowie von Weser-, Elb- und Hafenfähren. 

Wie die gesamte satzungsgemäße Arbeit der DGzRS, werden auch die Neubauten ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen vieler Menschen aus dem ganzen Land finanziert, ohne jegliche staatlich-öffentliche Mittel zu beanspruchen. Wer sich auf besondere Weise für die Seenotretter engagieren möchte, kann dafür sorgen, dass der eigene Name bei jedem Einsatz an Bord mitfährt.

Drei Personen stehen nebeneinander vor einer hellen Fotowand mit wiederholten Logos und Sammelschiffchen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Zwei der Personen halten blaue Mappen mit dem DGzRS-Emblem in den Händen. Alle drei tragen formelle Kleidung.
DGzRS-Vorsitzer Ingo Kramer (M.) und sein Stellvertreter Lars Carstensen (l.) mit SET-Werftgeschäftsführer Olaf Deter bei der Vertragsunterzeichnung am 14. April 2026 in der Zentrale der Seenotretter in Bremen

AKTUELLE NEUIGKEITEN

Qual steigt von einem brennendem Boot auf. Ein rot-weißer Seenotrettungskreuzer löscht es.. Zur Seite: ARD-Serie „Die Seenotretter“ geht in dritte Staffel

Sechs weitere Folgen über die Arbeit der DGzRS werden voraussichtlich Ende 2026 in der ARD-Mediathek zu sehen sein. Die Dreharbeiten laufen bereits.

Ein Seenotretter wirft einem anderen auf einem Schiff von einem Seenotrettungskreuzer aus eine Leine zu. Zur Seite: Großübung der Seenotretter vor Wilhelmshaven erfolgreich abgeschlossen

Mit einer realitätsnahen Großübung hat die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) vom 23. bis 25. April 2025 die Einsatzbereitschaft ihrer Besatzungen unter Beweis gestellt. Bei der SAREx Wilhelmshaven 2026 (Search and Rescue Exercise) trainierten rund 140 Seenotretter und weitere Einsatzkräfte die Rettung von Menschen aus Seenot unter anspruchsvollen Bedingungen.

Mehrere Seenotrettungsboote und ein Seenotrettungskreuzer liegen auf offener See längsseits eines größeren Schiffes, während darüber ein Hubschrauber schwebt. Der Himmel ist bewölkt.. Zur Seite: Seenotretter trainieren vor Wilhelmshaven den Ernstfall

Schiffbrüchige suchen und retten, Verletzte versorgen und Havaristen schleppen: Das sind einige der Herausforderungen für die Seenotretter bei der SAREx Wilhelmshaven 2026 (SAREx = Search and Rescue Exercise, Such- und Rettungsübung).

Eine junge Seenotretterin steuert von einem Außenfahrstand ein Tochterboot. Sie blickt nach hinten und spricht dabei in einen Funkhörer.

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