Tragisches Segelunglück vor Spanien – Familie sammelt Geld für die Seenotretter

Ein mehrmonatiger Segeltörn vom Mittelmeer über den Atlantik bis zur Ostsee ist Michael Eckerts Herzensprojekt. Doch dann geschieht das Unbegreifliche: Auf der Fahrt von A Coruña nach Bilbao verletzt sich der Unternehmer an Bord so schwer, dass ihm die Ärzte im Krankenhaus nicht mehr helfen können. Bei seiner Trauerfeier sammelt seine Familie mehr als 19.000 Euro für die Seenotretter.

Eine Person sitzt seitlich auf einer silbernen Metallbank im Außenbereich. Neben der Person steckt an der Rückenlehne ein bunter Blumenkranz. Im Hintergrund befindet sich ein modernes Gebäude.

Im Hafen von A Coruña: Eine Bank erinnert an Michael Eckert. Für seinen jüngeren Bruder Holger war er Vorbild, Mutmacher und enger Vertrauter, privat wie beruflich.

Foto: Privat

Holger Eckert sitzt auf einer stählernen Bank im Hafen von A Coruña. An der Rückenlehne ist eine Tafel mit spanischer Inschrift und eingravierter Segelszenerie angebracht. Ein kleiner farbenfroher Blumenkranz hängt daran. Der 55-Jährige schaut gedankenverloren auf die sanft schaukelnden Boote in der Marina. Über ihm spannt sich an diesem 16. März ein wolkenloser Himmel, die Sonne wärmt sein Gesicht. Es wirkt, als wolle die Natur ihn trösten. Denn genau dort, im äußersten Nordwesten Spaniens, hat sein Bruder Michael etwas mehr als sechs Monate zuvor zum letzten Mal die Festmacherleinen seiner Segelyacht „Charisma Nova“ gelöst. 

Am Morgen des 2. Septembers nimmt Michael Eckert gemeinsam mit seinen zwei erfahrenen Mitseglern Kurs auf Bilbao. Bereits seit zehn Wochen sind sie unterwegs, die Abläufe an Bord haben sich seit dem Start im türkischen Marmaris eingespielt. Jeder Handgriff sitzt. Die See im Golf von Biskaya ist leicht aufgewühlt, es nieselt. Doch bald brechen erste Sonnenstrahlen durch die Wolken, der Wind frischt auf. Die Stimmung ist gelöst. Alles scheint perfekt zusammenzupassen – das Boot, die Besatzung, die bevorstehende nächste Etappe. Für den anspruchsvollen Törn von der Türkei über das Mittelmeer, den Atlantik und der Nordsee bis zur Ostsee nach Polen ist die Yacht bestens ausgerüstet, alles ist sorgfältig geplant. 

„Für meinen Bruder war es ein ganz besonderer Moment“, sagt Holger Eckert. „Die Reise war sein Herzensprojekt. Sie hat ihn erfüllt, er war so glücklich.“ Michael Eckert hat allerdings auch großen Respekt vor der herausfordernden, mehrmonatigen Fahrt. Der anstehende Schlag soll sie ins rund 300 Seemeilen entfernte Bilbao bringen. Von dort soll es weiter nach Norden gehen, an die französische Atlantikküste. Doch das Schiff schafft es nicht bis in die größte Stadt des Baskenlandes. 

Auf der „Charisma Nova“ ist mittlerweile das Großsegel gesetzt und gesichert, um ein unkontrolliertes Umschlagen durch Wellen oder Böen zu verhindern. Die Yacht läuft Vorwindkurs. Dann, aus dem Nichts, geschieht das Unfassbare: „Mein Bruder stand entspannt seitlich neben dem Steuerstand, als der Bullenstander ohne erkennbare Ursache riss“, berichtet Holger Eckert. „Der Baum schlug ungehindert um. Die Großschot traf ihn dabei mit voller Wucht und wirft ihn auf das Deck.“ Die Mitsegler leisten sofort Erste Hilfe, alarmieren die spanische Schwesterorganisation Sociedad de Salvamento y Seguridad Marítima (SASEMAR) der Seenotretter. Ein Rettungshubschrauber bringt ihn ins Krankenhaus. Alles läuft absolut professionell ab. Doch Michael Eckert ist zu schwer verletzt: Wenig später stirbt er – im Alter von nur 59 Jahren. Er kommt bei dem ums Leben, was er am meisten liebte: dem Segeln.

Eine Person steht an Deck eines Segelboots auf offener See, neben einem gehissten weißen Segel. Die See ist ruhig, der Himmel leicht bedeckt.
Leidenschaft Segeln: Michael Eckert liebte das Meer. Sein Bruder Holger beschreibt ihn als offenen, optimistischen Familienmenschen mit ansteckender Lebensfreude. | Foto: Privat

Ein Verlust, der alles verändert 

Ein Schock, alle sind fassungslos: „Der augenblickliche Schmerz hat jeden in der Familie völlig unvorbereitet getroffen“, erinnert sich Holger Eckert. Für ihn beginnt eine bleierne Zeit: Es ist wie ein schlimmer Traum, „aus dem ich nicht aufwachen konnte“. Trotz der tiefen seelischen Erschütterung, der unvorstellbaren Trauer muss er funktionieren. Gemeinsam mit der Familie sind wichtige Entscheidungen zu treffen. Das Unternehmen Kälte Eckert in Markgröningen nordwestlich von Stuttgart muss weiterlaufen. Der Geschäftsführer ist verantwortlich für die Beschäftigten des mittelständischen Kälte-Klima-Anlagenbauers.

Von 2001 bis 2024 leiteten die beiden Brüder den Betrieb gemeinsam. Dann zog sich Michael Eckert aus dem operativen Geschäft zurück, um sich mehr seiner Segelleidenschaft widmen zu können. „Mein Bruder liebte den Freiraum, die Freiheit, auch mal das Unkonventionelle“, sagt Holger Eckert. „Gleichzeitig übernahm er gern Verantwortung – beim Segeln lässt sich dies alles miteinander verbinden.“

Nach dem Unfalltod rückt die Familie noch enger zusammen. Allen ist schnell klar: Der schmerzliche Verlust wird so erträglicher. „Es hat uns sehr geholfen, unsere Gefühle voreinander offen zu zeigen, miteinander zu sprechen, uns zu umarmen, die Trauer gemeinsam anzunehmen“, berichtet Holger Eckert. Enge Freunde stehen ihnen bei. Die starke Gemeinschaft gibt Halt. Ebenso die „wunderbaren Erinnerungen an tolle gemeinsame Zeiten“ und die Gedanken an den stets zuversichtlichen, lebensfrohen Charakter des Verstorbenen.

Spenden als Vermächtnis 

Auch im Unternehmen und in der Öffentlichkeit geht die Familie offen mit dem alles verändernden Einschnitt um. Die Belegschaft wird sofort über den dramatischen Segelunfall informiert: „Niemand sollte auf Gerüchte oder Halbwissen angewiesen sein, sondern alle sollten genau wissen, was passiert ist“, erläutert Holger Eckert. Bewusst verzichtet die Familie auf formelle Trauerrituale oder festgelegte Gedenkzeiten im Arbeitsalltag. Stattdessen entsteht Raum für Gespräche, für Stille, für persönliche Erinnerungen. „Jeder konnte auf seine eigene Weise trauern – es gab kein Müssen, kein ‚Funktionieren‘“, sagt der Firmenchef. 

Auf der Trauerfeier lässt die Familie ebenfalls Nähe und Offenheit zu. Ganz im Sinne des Verstorbenen bittet sie die Gäste, anstelle von Kränzen und Blumen mit einer Spende zugunsten der Seenotretter ihre Verbundenheit auszudrücken. Als passionierter Segler und Förderer wusste Michael Eckert, welches Engagement und welche Leistung hinter der Arbeit der DGzRS steht. Mehr als 19.300 Euro kommen zusammen. „Das hat uns tief berührt“, betont Holger Eckert. 

Der Tod seines Bruders hinterlässt eine große Leere, „die sich nicht füllen lässt – weder in unserer Familie noch in meinem Herzen“. Und doch lebt Michael Eckert weiter: in den Gedanken der Hinterbliebenen, in allem, was er aufgebaut hat – und an besonderen Orten. Einer davon ist die von Holger Eckert aufgestellte Erinnerungsbank im Hafen von A Coruña. „Dort kann ich an ihn denken“, sagt der 55-Jährige. „Mich mit ihm austauschen, ihm nah sein.“

Sie möchten auch mit einem Spendenaufruf im Sinne des Verstorbenen die Verbundenheit zu den Seenotrettern auf ganz besondere Weise deutlich machen?

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AKTUELLE DANKMELDUNGEN

Blick vom Vorderdeck einer Segelyacht über eine helle Deckfläche auf zwei Personen, die an Bord stehen; im Hintergrund ist eine Uferlandschaft mit dort liegenden Booten zu sehen.  . Zur Seite: Wie der Vater so der Sohn

Tradition des Engagements für Seenotretter lebt in nächster Generation weiter.

Porträtaufnahme einer älteren Dame mit hellgrauem Haar. Sie trägt eine weiße Bluse, eine helle Jacke und Perlenohrringe. Der Hintergrund ist neutral und unscharf.. Zur Seite: Für immer ein Küstenkind

Familie erfüllt unter großer Anteilnahme zwei letzte Wünsche.

Sieben Personen stehen an Deck eines Seenotrettungskreuzers der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Hinter ihnen ist der rot-weiße Aufbau des Schiffs mit Radaranlage, Antennen zu sehen. Im Hintergrund liegen Wasser, Ufer und Gebäude unter bewölktem Himmel. Alle Personen blicken lächeln in die Kamera.. Zur Seite: Null Unfälle, doppelte Wirkung: Spende für die Seenotretter

Weltweit tätiger Pharma-Dienstleister imitiert erfolgreiche Spendenaktion.

Eine junge Seenotretterin steuert von einem Außenfahrstand ein Tochterboot. Sie blickt nach hinten und spricht dabei in einen Funkhörer.

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