Udo König sammelt für die Seenotretter ausländische Münzen und Scheine. Diese tauscht er in Spenden-Euros um – den zusammengekommenen Betrag erhöht der Lions Club Jever jedes Jahr auf eine runde Summe.
Foto: David Hecker
Mal mogelt sich ein mexikanischer Peso, mal eine dänische Krone und mal ein Taiwan-Dollar zwischen die ganzen Euros im Sammelschiffchen. Doch wohin damit? Banken tauschen kleinste Mengen an Fremdwährung nicht um. Einfach ungenutzt zur Seite legen kommt für die rein spendenfinanzierten Seenotretter auch nicht infrage. Zum Glück gibt es in Udo König jemanden, der seit mehr als 30 Jahren aus jedem chinesischen Renminbi, jeder indischen Rupie und jedem polnischen Złoty, die im Schiffchen landen, wertvolle Spenden-Euros macht. In dieser Zeit hat der mittlerweile 87-jährige Maschinenbauingenieur aus Jever mehr als 30.000 Kilogramm ausländische Geldstücke und -noten in rund 80.000 Euro verwandelt. Deswegen haben ihm seine Freunde mit einem Augenzwinkern den Titel „Herr der Fremdwährungen“ verliehen.
Angefangen hat alles 1995: Damals übernimmt Udo König beim Lions-Club Jever den Posten desjenigen, der sich um dessen soziale Projekte kümmert. Er überlegt, wofür sich der Serviceclub einsetzen könnte. Der gebürtige Hamburger erinnert sich an die Aktion seines zu dieser Zeit bereits verstorbenen Club-Kollegen Johann Janssen: „Er war Kapitän bei der Marine in Wilhelmshaven. Dort sammelte er von 1985 bis 1989 von den weltweit reisenden Matrosen, Bootsleuten und Offizieren fremde Münzen, tauschte die gängigsten um und spendete das Geld an die DGzRS.“
Gewichtige Spendenaktion
Obwohl Udo König selbst keinerlei Verbindung zur DGzRS hat, beschließt er, daran anzuknüpfen: „Es ist einfach eine gute Sache, die Seenotretter machen so viel – gerade das Unglück der ALFRIED KRUPP hat mich damals sehr beschäftigt.“ Er führt die Idee jedoch nicht einfach fort, sondern weitet sie noch aus: Der Jeveraner bestellt rund 100 Spendendosen, beklebt sie mit Logos des Lions-Clubs und der DGzRS, versieht sie mit einem Hinweis auf den Zweck. Anschließend verteilt er sie vor allem in Bankfilialen und leert sie mehrmals im Jahr. Bald landet zusätzlich das ausländische Hart- und Papiergeld aus den Sammelschiffchen der Seenotretter bei ihm in Friesland.
Mit der Zeit verschwinden zwar fast alle seiner eigenen Spendendosen wieder, weil sie nicht mehr ins Erscheinungsbild einheitlich gestalteter Zweigstellen passen. Doch in den Schiffchen der DGzRS liegen weiterhin reichlich fremde Münzen und Scheine – jedes Jahr durchschnittlich neun bis zehn Säcke, jeder einzelne meist mehr als zehn Kilo schwer. Einige mehr sind es sogar 2002, als der Euro in vielen europäischen Ländern die nationale Währung als Bargeld ablöst. Viele Menschen haben aus ihren Urlauben vor allem nicht genutzte Lira, Franc und Peseta in ihren Portemonnaies und wollen sie loswerden. „Damals stapelten sich die Säcke regelrecht“, erinnert sich Udo König.
Mit eigenem Leben verbunden
Das Geld schickt er anfangs an ein auf den Umtausch ausländischer Währungen spezialisiertes Unternehmen in Großbritannien, heute arbeitet Udo König mit einer Firma in Aachen zusammen. Diese schickt ihm jedes Mal eine detaillierte Liste mit Beträgen und Herkunftsländern. Daher weiß er: Am häufigsten sind Schweizer Franken, dänische und norwegische Kronen, aber auch Kleingeld aus den europäischen Nachbarländern wie Polen, Tschechien und Schweden sowie manch weitgereiste Münzen und Noten aus Neuseeland, Japan und Mexiko sind dabei. „Es ist fast alles vertreten“, sagt er und lächelt. Bei manchen Fundstücken muss allerdings auch das Fachunternehmen passen: Entweder sie sind nicht mehr gültig, oder es handelt sich wie bei Medaillen nicht um offizielle Zahlungsmittel. Trotzdem bringen auch sie noch so manchen Spenden-Euro: „Für das Altmetall bekomme ich den Gegenwert überwiesen“, freut er sich.
Allein im vergangenen Jahr erbrachte Udo Königs Währungstausch insgesamt 2.543 Euro – den Betrag erhöhte der Lions-Club Jever auf 3.000 Euro. „Wir runden die Summe immer auf, das ist gesetzt“ – genauso wie sein Engagement für die Seenotretter. „Es ist eine tolle Aufgabe für eine wichtige Sache mit schönen Erlebnissen, die fest mit meinem Leben verbunden ist.“ Solange seine Gesundheit mitmacht, wird er weiterhin Pfund, Dollar und Kronen für den guten Zweck sammeln, verspricht der 87-Jährige.
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