Friesin mit großem Herz für Watt und Seenotretter

Wer mit Wattführerin Sesle Jacobs vor der Küste, den Halligen und den Inseln Nordfrieslands unterwegs ist, lernt viel über den einmaligen Naturraum zwischen Deich und offener See. Und wer für küstennahe Wanderungen keine geeigneten Schuhe hat, kann sich bei ihr Gummistiefel leihen – kostenlos, aber Jacobs bittet ihre Gäste um eine Spende ins Sammelschiffchen.

Zwei Personen stehen auf einer grasbewachsenen Fläche an der Nordseeküste und halten gemeinsam ein Sammelschiffchen der Seenotretter in den Händen. Im Hintergrund befindet sich ein auf Stelzen gebautes Gebäude mit der Aufschrift „Toiletten“, dahinter sind Wattlandschaft und Meer zu sehen. Der Himmel ist überwiegend bewölkt, und ein einfacher Zaun sowie Holzpfähle strukturieren das Gelände. Die Personen tragen wetterfeste Kleidung; eine Person steht barfuß im Gras.

Eine Leihgebühr verlangt Sesle Jacobs (r.) für die Gummistiefel nicht, stattdessen bittet sie um eine Spende für die Seenotretter.

Foto: Die Seenotretter – DGzRS

„Die Seenotretter sind meine Schutzengel“, sagt Sesle Jacobs. Wenn auf ihren Wanderungen etwas Unvorhergesehenes passieren sollte, weiß die Wattführerin, auf wen sie sich verlassen kann: die Mannschaften der DGzRS. Von gemeinsamen Übungen kennt die Friesin deren Arbeit aus eigener Anschauung. Deshalb muss sie nicht lange überlegen, wer in der Region von ihrem Gummistiefelverleih profitieren soll: Statt selbst die Hand aufzuhalten, bittet sie die Gäste, das Sammelschiffchen zu füllen. „Damit möchte ich den Seenotrettern etwas zurückgeben. Die Teilnehmer reagieren sehr positiv darauf.“ 

Die Gummistiefel gibt Sesle Jacobs lediglich für kurze, küstennahe Touren vor St. Peter-Ording und in der Husumer Bucht heraus. Sie dienen vor allem als Kälteschutz. Zwar sei es auf den Strecken meist über Sand- und Mischwatt mit wenigen Muscheln eine „typisch friesische Erfahrung, barfuß über den Meeresboden zu laufen“, sagt sie, „doch das Wetter kann auch nordisch frisch und schnell zum Kältetest werden“. Für längere Wanderungen, etwa von Föhr nach Amrum, sind Gummistiefel indes untauglich. Sie sitzen zu locker und können im Schlickwatt leicht vom Fuß rutschen oder beim Durchwaten von Prielen volllaufen. Besser geeignet sind Neoprenschuhe, die zusätzlich vor scharfkantigen Muscheln schützen. 

Ihre Leidenschaft für das Watt entdeckt Sesle Jacobs vor einigen Jahren bei einer Wattwanderung: „Danach hatte mein Sohn viele Fragen, die ich ihm nicht alle beantworten konnte.“ Sie fühlt sich herausgefordert – „angeknipst“, wie sie es ausdrückt. Die heute 51-Jährige liest sich ein, erweitert Stück für Stück ihr Wissen über Tiere und Pflanzen, Dünen und Salzwiesen, Priele und die Kräfte des Wassers. Bald ist die Friesin staatlich geprüfte Wattführerin – seit fünf Jahren bietet sie als Nationalpark-Partnerin und Mitglied im Fachverband „De Wattenlöpers“ eigene Touren an. „Es macht mir unheimlich viel Spaß, die Menschen ein Stück mit meiner Begeisterung für die einmalige Naturlandschaft anzustecken.“ 

Sesle Jacobs versteht sich auch als Botschafterin ihrer Heimat. Sie möchte Urlaubern wie Einheimischen die einzigartige Natur, die friesische Kultur und Sprache näherbringen. Aufgewachsen ist sie auf Föhr, lediglich einen Steinwurf vom Ufer entfernt – in der Ferne verschmelzen an manchen Tagen das Watt und die See mit dem Himmel. Ihre Familie ist tief in der Region verwurzelt – manche waren Deichbauermeister, Seefahrer oder Strandvogte. Heute lebt sie mit Mann und zwei Kindern in Husum direkt am Deich – „und wir alle sind seesüchtig“. Daher passt ihr Engagement für die Seenotretter einfach perfekt.

Mehrere schwarze Gummistiefel stehen im Vordergrund auf einer Wiese. Dahinter befindet sich ein Hinweisschild zu Wattwanderungen („Wattfriesin“) sowie ein auf Stelzen gebautes Toilettenhäuschen mit Treppe. Im Hintergrund erstreckt sich eine flache Küstenlandschaft unter teilweise bewölktem Himmel.
Für ihre kurzen, küstennahen Touren vor St. Peter-Ording und in der Husumer Bucht leiht die Wattführerin ihren Gästen Gummistiefel. | Foto: Die Seenotretter – DGzRS

„Die Seenotretter sind meine Schutzengel“

Wattführerin Sesle Jacobs

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