Kindheitstrauma in positive Energie verwandelt

Rüdiger Müller hat eine Mission: Seit mehr als 33 Jahre sammelt der Gifhorner aussortierte Federdecken und -kissen für den guten Zweck. Kürzlich haben sich die Seenotretter ebenfalls über seine Hilfe gefreut.

Vor einem weißen Transporter mit der Aufschrift „Federbettensammler“ stehen zwei Personen im Schnee. Die Dame links trägt eine rote Schlechtwetterjacke und hält einen Zettel vor sich.  Die andere Person steht daneben, trägt winterliche Kleidung. Beide halten gemeinsam ein DGzRS-Sammelschiffchen in die Kamera. Im Hintergrund sind weitere Fahrzeuge, ein schneebedeckter Straßenrand und eine Reihe kahler Bäume zu sehen.

Spendenübergabe bei Schneefall und kaltem Wind, aber mit einem warmen Herzen: DGzRS-Mitarbeiterin Uta Beetz und Federbettensammler Rüdiger Müller

Foto: Maren Reese-Winne

Als Kind findet Rüdiger Müller Schutz unter einem dicken roten Federbett – seinem einzigen Rückzugsort vor dem gewalttätigen Vater. Unter ihm fühlt sich der Junge sicher und geborgen. Es schenkt ihm Wärme, gibt ihm Kraft, die Schläge mit dem Gürtel und andere Strafen zu überstehen. Als er später sieht, wie Menschen ihre Daunendecken achtlos in den Müll werfen, ist er fassungslos: „Wie kann man etwas wegschmeißen, das einen behütet?“, fragt sich der mittlerweile 60-Jährige noch heute. Für ihn ist damals klar: Sie verdienen etwas Besseres. Es ist der Beginn einer beispielslosen Hilfsaktion. 

Zunächst sammelt Rüdiger Müller die ausrangierten Oberbetten mit Fahrrad und Anhänger ein, später als Erwachsener mit einem kleinen Transporter. Der ehemalige Berufskraftfahrer gründet schließlich einen gemeinnützigen Verein, stellt seine ehrenamtliche Arbeit in den Dienst anderer Menschen – und der Umwelt: Die gesammelten Decken und Kissen werden vollständig recycelt. Ihre wertvollen Füllungen bereiten Fachfirmen auf. Die gereinigten Federn und Daunen verwenden sie für neue Oberbetten und Kissen, bis zu 30 Prozent von ihnen dürfen maximal in den neuen Produkten stecken. Die anderen Bestandteile werden zu Dämmstoff und Naturkalk weiterverarbeitet. Von den Einnahmen deckt der 1,90-Meter-Hüne lediglich die laufenden Kosten für Treibstoff, Versicherung und Autoreparatur. Alles, was übrigbleibt, reicht er selbstlos weiter. 

1993 unterstützt Rüdiger Müller mit seiner ersten Spendenaktion ein leukämiekrankes Mädchen. Mit Erfolg: Dank eines gefundenen Knochenmarkspenders und der finanziellen Hilfe kann die Familie die Behandlung stemmen. Seither hat er genau 411.000 Euro an unterschiedliche gemeinnützige Organisationen weitergegeben – jüngst haben die Seenotretter von seinem guten Herzen profitiert. 

Am 13. Februar überreicht er bei eisigem Ostwind und Schneefall an einem seiner Sammelpunkte in Cuxhaven 500 Euro an DGzRS-Mitarbeiterin Uta Beetz. „In der ARD-Reportagereihe ‚Die Seenotretter‘ habe ich einige Einsätze gesehen. Dass die Besatzungen selbst bei hohen Wellen rausfahren, um andere zu retten, hat mich beeindruckt“, sagt Rüdiger Müller. Früher landete schon mal der ein oder andere Euro im Sammelschiffchen. Heute bringt er das Geld lieber persönlich vorbei. „Und es wird nicht das letzte Mal sein“, verspricht der Gifhorner, bevor er sich wieder auf den Weg zu den nächsten Federbetten macht.

„Dass die Seenotretter selbst bei hohen Wellen rausfahren, um andere zu retten, hat mich beeindruckt.“

Rüdiger Müller

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