Vormann auf Helgoland ist jetzt ein Hamburger

Fast vier Jahrzehnte ist Jörg Rabe (64) Seenotretter auf Helgoland gewesen – davon allein 22 Jahre als Vormann. Kürzlich hat er seinen Ruhestand angetreten – sein Nachfolger ist Thilo Heinze (59). Damit leitet jetzt ein gebürtiger Hamburger die Station der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) auf der einzigen deutschen Hochseeinsel.

Drei Menschen auf der Brücke eines Seenotrettungskreuzers

Prominenter Besuch auf der HERMANN MARWEDE: Thilo Heinze (r.) mit den DGzRS-Botschaftern Anke Harnack und Bernd Flessner

Archivfoto: Die Seenotretter – DGzRS, Jörg Sarbach

Als Jörg Rabe am 1. November 1985 auf dem Seenotrettungskreuzer WILHELM KAISEN steht, ist für ihn ein großer Wunsch in Erfüllung gegangen – er ist Seenotretter. Obwohl er in Fulda zwischen Rhön und Vogelsberg aufwächst, zieht ihn das Meer bereits als Kind magisch an. Bei Familienurlauben in Eckernförde – der Heimat seiner Mutter – ist er oft am Strand, im Hafen oder auf der Ostsee unterwegs; am nahe gelegenen Nord-Ostsee-Kanal schaut er den großen Pötten hinterher.

In den Restaurants und Geschäften sieht er immer wieder die markanten Sammelschiffchen der DGzRS. Er ist neugierig, wie es nur ein Kind sein kann: Mit jedem Satz, den er über die Arbeit der Seenotretter hört, wächst seine Begeisterung für deren uneigennütziges Handeln und für die Technik an Bord. Sie lässt auch nicht nach, als er Teenager wird. Im Gegenteil: Besuche auf der ARWED EMMINGHAUS lassen in ihm den Wunsch reifen, selbst zur See zu fahren und später als Seenotretter in Not geratenen Menschen zu helfen.

Mit 17 Jahren heuert Jörg Rabe bei der Reederei Hapag-Lloyd an. Auf großer Fahrt sieht er die Welt von Frachtern und Containerschiffen aus: Asien, Australien, Karibik, Europa und Nordamerika. Im Dezember 1978 ist er nördlich der Azoren erstmals bei einem Seenotfall dabei: Mit dem Containerschiff „Düsseldorf Express“ beteiligt er sich an einer der größten und langwierigsten internationalen Rettungsaktionen im Atlantik für den Lashcarrier „München“. Mit dem Kapitänspatent in der Tasche bewirbt er sich schließlich bei der DGzRS. Als er gerade in Japan ist, meldet sie sich bei ihm: Eine Stelle auf der WILHELM KAISEN ist frei geworden, Jörg Rabe sagt sofort zu. Im Laufe der nächsten fast vier Jahrzehnte verwächst er mit Helgoland: „Es ist ein richtiges schönes Miteinander – bis heute.“

Seenotretter-Familie

Der rote Felsen wird zu seiner zweiten Heimat, die Seenotretter seine zweite Familie. Jörg Rabe erlebt lange, mitunter erfolglose Suchen bei Sturm und Orkan, geht bei Einsätzen hin und wieder über seine eigenen Kräfte hinaus, schöpft neue Energie aus geglückten Rettungen. Es ist die einmalige Kombination aus der Hilfe für Menschen in Not und der modernen Technik an Bord, die ihn sagen lässt: „Die DGzRS ist ein toller Arbeitgeber, meine Aufgabe hat mir in all den Jahren immer viel Freude bereitet.“

Jörg Rabes Nachfolger Thilo Heinze ist im Gegensatz zu ihm in einer der bekanntesten Hafenstädte der Welt groß geworden – in Hamburg. Als Junge steht er ungezählte Stunden an den Kaimauern, beobachtet am „Tor zur Welt“ die Frachter, Schlepper und Küstenmotorschiffe. Die geschäftige Atmosphäre fasziniert ihn. Seine ersten Schläge als Segler absolviert er bereits als Siebenjähriger auf der Alster – später wird die Flensburger Förde sein Revier.

Er will als Seemann in die Häfen der mehr als 150 Länder fahren, mit denen Hamburg über den Seeweg verbunden ist. Doch seine Eltern raten ihm ab. Thilo Heinze schließt eine Ausbildung zum Heizungsbauer ab, geht zur Marine und zieht 1983 an die Flensburger Förde. Dort wartet und montiert er viele Jahre lang Heizungen und Lüftungsanlagen ehe er 1997 Hafenmeister in Gelting-Mole wird: „Es war für mich sehr verlockend dichter am Wasser zu sein, mein Hobby zum Beruf zu machen“, begründet er seinen Entschluss.

Dieser führt ihn auch zu den freiwilligen Seenotrettern, damals liegt das Seenotrettungsboot JENS FÜERSCHIPP im Hafen. Bald ist Thilo Heinze selbst an Bord – und im Einsatz. 2003 wird er Vormann, 2008 als Quereinsteiger fest angestellter Seenotretter auf dem auf Helgoland stationierten Seenotrettungskreuzer HERMANN MARWEDE. Fünf Jahre später macht der erfahrene Segler sein nautisches Patent. Wenn er auf dem Felsen ist, vertritt ihn seine Frau Birgit in Gelting – das wird auch künftig so sein. Thilo Heinze engagiert sich mit viel Herzblut rund um die Uhr für das #TeamSeenotretter – „da ist nicht mehr viel Platz im Kopf für andere Dinge“, sagt er mit einem Lächeln.

Seenotretter auf der Brücke eines Seenotrettungskreuzer zeigt auf einen Bildschirm

„Die DGzRS ist ein toller Arbeitgeber, meine Aufgabe hat mir in all den Jahren immer viel Freude bereitet.“

Jörg Rabe, ehemaliger Vormann Station Helgoland

Seenotrettungskreuzer in bewegter See

Fährt von der Station Deutsche Bucht/Helgoland aus in den Einsatz: der Seenotrettungskreuzer HERMANN MARWEDE.

Archivfoto: Die Seenotretter – DGzRS, Helmut Hofer

AKTUELLE NEUIGKEITEN

70 Jahre Seenotrettungskreuzer mit Tochterboot

Technischer Meilenstein bis heute: Wegweisend für die DGzRS
Vor 70 Jahren hat für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) mit dem Seenotrettungskreuzer BREMEN eine neue Ära begonnen: Zum ersten Mal war ein Rettungsschiff als Selbstaufrichter konstruiert und hatte ein Tochterboot „huckepack“ dabei. Beides prägt die hochmoderne Flotte der DGzRS bis heute.

Weiterlesen
Seenotretterin in Uniform schaut durch Fernglas auf hoher See
Das Seenotretter-Logbuch

Unsere Informationen kommen per Funk.
Ihre mit einem Newsletter.

Wir informieren Sie monatlich über Neuigkeiten aus unserer Arbeit. Dazu zählen Einsatzberichte, Veranstaltungstermine und Geschichten aus dem Bordalltag.