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11.09.2021

Neuer Seenotrettungskreuzer der DGzRS für den Darß auf den Namen NIS RANDERS getauft

Namengebung erinnert an Inbegriff des Seenotretters aus Ballade – Spezialschiff durch freiwillige Zuwendungen aus ganzem Land finanziert – Videobotschaft von Elke Büdenbender zur Taufe

„Sagt Mutter, ’s ist Uwe!“ Die Schlusszeile der Ballade „Nis Randers“ ist vielen Menschen aller Generationen im ganzen Land aus der Schule vertraut. Die Seenotretter sind nun zum zweiten Mal in ihrer fast 160-jährigen Geschichte wieder unter diesem Namen im Einsatz. Der jüngste Seenotrettungskreuzer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) wurde am Samstag, 11. September 2021, auf seiner Bauwerft in Berne/Unterweser NIS RANDERS getauft. Das Tochterboot erhielt – passender könnte es nicht sein – den Namen UWE.

NIS RANDERS steht wie kaum ein zweiter Name für die freiwillige, selbstlose Bereitschaft der Seenotretter zum gemeinschaftlichen, oft gefahrvollen Einsatz auf Nord- und Ostsee“, sagte Gerhard Harder, ehrenamtlicher Vorsitzer der Seenotretter, zur Taufe auf der Werft Fr. Fassmer. Die bekannte Ballade von Otto Ernst erschien 1901, als die DGzRS noch mit Ruderrettungsbooten im Einsatz war. Nis Randers gilt als Inbegriff des Seenotretters: Ungeachtet der Gefahr für das eigene Leben, retten er und seine Mannschaft einen Mann aus dem Mast eines im Gewittersturm gestrandeten Schiffes.

Entgegen ihrer Tradition hatte die DGzRS den Namen des 28 Meter langen und rund 4.000 PS starken Spezialschiffes frühzeitig bekanntgegeben, um möglichst viele Menschen für das Projekt zu begeistern – mit großem Erfolg: Der neue Seenotrettungskreuzer und sein Tochterboot mit den internen Bezeichnungen SK 42 und TB 46 wurden, wie die gesamte Arbeit der DGzRS, ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen finanziert.

„Ohne Deine Spende geht’s nicht“

Viele Spenden aus dem ganzen Land geben den Seenotrettern Sicherheit bei ihren oft gefahrvollen Einsätzen. „Beides beeindruckt mich gleichermaßen: die selbstlose Einsatzbereitschaft der Besatzungen ebenso wie die große Verbundenheit der Spenderinnen und Spender mit der herausfordernden Aufgabe. Für mich sind alle gleichermaßen Seenotretter, egal ob an Land oder an Bord“, würdigt Elke Büdenbender, Ehefrau des Schirmherrn der DGzRS, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, das gemeinschaftliche Bürgerengagement. In einer Videobotschaft wandte sie sich an die Gäste. Sehr gern hätte sie die NIS RANDERS getauft, konnte den Termin aber nicht persönlich wahrnehmen.

Diese ehrenvolle Aufgabe übernahm stattdessen per Losentscheid Ute Wienand stellvertretend für alle Spenderinnen und Spender aus dem ganzen Land, die sich an der Finanzierung des Neubaus beteiligt haben. Die Förderin aus Westerburg im Westerwald stammt aus einer Binnenschifferfamilie und ist den Seenotrettern seit vielen Jahren verbunden. „Nis Randers’ Geschichte beeindruckt mich, er ist ein Vorbild“, sagte sie anlässlich der Taufe. Mit den Worten „Ich taufe Dich auf den Namen NIS RANDERS und wünsche Dir und Deiner Besatzung allzeit gute Fahrt und stets eine sichere Heimkehr“ übergab sie den Neubau seiner Bestimmung. Allein rund 140 Menschen haben ihre Verbundenheit mit den Seenotrettern durch außergewöhnliche Zuwendungen für die NIS RANDERS zum Ausdruck gebracht. Ihre Namen fahren an Bord auf einer Danktafel bei jedem Einsatz mit.

Mit ihrer Grußbotschaft knüpfte Elke Büdenbender an die anerkennenden Worte ihres Mannes an. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte 2017, der Tradition seiner Vorgänger im Amt folgend, die Schirmherrschaft über die DGzRS übernommen: „Mich beeindruckt besonders, dass die große Mehrzahl der DGzRS-Besatzungen bei jedem Wetter, zu jeder Zeit freiwillig rausfährt, um Menschen aus Seenot zu retten – heute genauso wie schon ihre Väter, Großväter und Urgroßväter“, sagte Steinmeier. Schon damals hatte er die Werte der Seenotretter gewürdigt, die sich seit Nis Randers’ Zeiten nicht geändert haben.

Weil Uwe gerettet wurde, wird UWE retten

Nach einem Namen für das Tochterboot der NIS RANDERS brauchten die Seenotretter nicht lange zu suchen. Schnell wurden sie in der Ballade selbst fündig: Nis’ Mutter will ihn nicht rausfahren lassen, weil schon ihr Mann und ihr Sohn Momme auf See geblieben sind und ihr Sohn Uwe verschollen ist. Nis antwortet knapp: „Und seine Mutter?“ Die Seenotretter rudern hinaus, überstehen alle Gefahren – und retten den verschollenen Uwe.

Rosa Käb taufte das Tochterboot der neuen NIS RANDERS auf den Namen UWE. Die Zehnjährige besucht die 4. Klasse der Rostock Grundschule St. Georg. Diese Schule hatte im vergangenen Jahr mit einem sehr erfolgreichen Spendenlauf zur Finanzierung des neuen Seenotrettungskreuzers beigetragen. 8.000 Euro waren zusammengekommen. Die Besatzung der NIS RANDERS hatte sich eine Taufpatin aus dem Kreis der Kinder gewünscht.

Den ersten Seenotrettungskreuzer mit Namen NIS RANDERS hatte die DGzRS 1990 zu ihrem 125-jährigen Bestehen in Dienst gestellt. Nach fast 30 Einsatzjahren auf Nord- und Ostsee war er 2020 außer Dienst gegangen.

Gebaut für Einsätze unter extremen Bedingungen

Die für den Darß vorgesehene neue NIS RANDERS ist der sechste Seenotrettungskreuzer der 28-Meter-Klasse und der erste dieses Typs, der in Mecklenburg-Vorpommern stationiert wird. Einsatzgebiete dieser besonders leistungsfähigen Spezialschiffe sind das Küstenvorfeld ebenso wie die hohe See – bei jedem Wetter und auch unter extremen Bedingungen. Wie alle Rettungseinheiten der DGzRS werden sie vollständig aus Aluminium im bewährten Netzspantensystem als Selbstaufrichter gebaut.

Zwei je 1.440 kW/1.958 PS starke Maschinen beschleunigen den 120 Tonnen verdrängenden Neubau auf bis zu 24 Knoten (ca. 46 km/h). Gefahren wird er von einer vierköpfigen Besatzung. Besondere Merkmale sind eine umfassende Ausrüstung zur medizinischen Erstversorgung an Bord, eine Feuerlöschpumpe mit ferngelenktem Monitor zur Bekämpfung von Bränden auf See und die Fähigkeit, sich im Falle des Durchkenterns innerhalb weniger Sekunden wieder aufzurichten. In der Heckwanne führen die 28-Meter-Einheiten jeweils ein gut acht Meter langes Tochterboot mit sich, das auf See unabhängig vom Mutterschiff agieren kann.

THEO FISCHER künftig Springer

Die bisher am Darßer Ort stationierte THEO FISCHER mit Tochterboot STRÖPER kommt künftig als Seenotrettungskreuzer ohne feste Station immer dort zum Einsatz, wo andere Rettungseinheiten vertreten werden müssen, zum Beispiel während einer Werftzeit.

Darßer Ort gehört zu den ältesten Stationen der Seenotretter. Schon 1854, elf Jahre vor Gründung der DGzRS, wird für diesen exponierten Punkt der Küste ein Rettungsboot der königlichen Regierung erwähnt, besetzt von einer Mannschaft aus dem nahen Prerow. Rettungserfolge sind nicht überliefert. Das ändert sich mit Übernahme der Station durch die DGzRS 1867/68. Vor Darßer Ort liegt einer der größten Schiffsfriedhöfe der Ostsee.

Der Station im dortigen Nothafen, dem einzigen Hafen an einem langen Küstenabschnitt ab Warnemünde Richtung Osten, kommt eine wichtige Bedeutung zu. Sie liegt in unmittelbarer Nähe zum Seeschifffahrtsweg Kadetrinne, einem Nadelöhr für die Großschifffahrt. Das Einsatzspektrum umfasst alle denkbaren Notfälle auf See für Berufs- und Freizeitschifffahrt.

Da der Nothafen in der Kernzone des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft liegt, ist der genehmigte Inselhafen im nahen Prerow als Alternative vorgesehen. Er soll in wenigen Jahren errichtet sein. Die NIS RANDERS wird dann dort ihren ständigen Liegeplatz haben.