Immer im Blick:
alle Neuigkeiten.

09.04.2021

Interview mit Botschafter Wolf-Rüdiger Marunde

Wolf-Rüdiger Marunde sitzt in seinem Atelier in der niedersächsischen Kleinstadt Hitzacker. Seit 1988 wohnt und arbeitet der Cartoonist und Illustrator im Wendland. Normalerweise steht er in der ehemaligen Molkerei mit Elbblick an einer der beiden Staffeleien und malt mit Öl seine satirischen, mit feinem Humor gespickten Cartoons auf Leinwand. Es sind wunderbare Gemälde vornehmlich mit Szenerien des Landlebens, die sich der möglichem Kitschgefahr durch scharfsinnige Pointen entziehen. Im Interview spricht der 67-Jährige über seine Liebe zum Leben in der Provinz, einen der schönsten Orte in seiner Wahlheimat und sein neues Ehrenamt. Wolf-Rüdiger Marunde ist neuer prominenter Botschafter der Seenotretter.

Selbstportrait als Seenotretter-Botschafter: Mit einem Augenzwinkern blickt Wolf-Rüdiger Marunde durch die Cartoonisten-Brille auf sein Ehrenamt. Für die DGzRS hat er sich zum ersten Mal seit seiner Jugend selbst porträtiert – weil die Coronavirus-Pandemie keinen Fototermin erlaubte.

Welche drei Schlagworte fallen Ihnen zu den Seenotrettern ein?
Seemannschaft, Präsenz und Verein. Ich habe größten Respekt vor den Seenotrettern, ihrer Arbeit, ihrem Können auf See. Sie müssen ihre Schiffe selbst unter schwierigsten Bedingungen durch schwere See steuern. Die DGzRS ist eine kleine, aber hochprofessionelle Organisation mit einer großen Aufgabe. Das finde ich bemerkenswert– auch wie aus einem Zusammenschluss kleinerer Vereine ein derart erfolgreicher Seenotrettungsdienst erwachsen ist.

Was ist für Sie der wichtigste Aspekt in der Arbeit der Seenotretter?
Sie helfen Menschen ohne Ansehen von Ursache und Person, das gefällt mir ausgesprochen gut. Egal, was passiert, sie fahren raus, um anderen zu helfen. Deshalb bin ich einfach froh, dass es die Seenotretter gibt. Das ist für alle Seeleute und Wassersportler wie mich ein gutes Gefühl.

Wann sind Sie den Seenotrettern das erste Mal begegnet?
Ich bin in Hamburg geboren und in der Nähe aufgewachsen, schon deshalb sind mir die Sammelschiffchen vertraut. Zumal ich mich schon von klein auf für Schiffe und Häfen, alles Maritime interessiere. Persönlich habe ich die Hilfe der Seenotretter bisher zum Glück noch nie gebraucht, aber vor einigen Jahren habe ich bei einem Segeltörn eine Rettungsaktion der Seenotretter für einen Havaristen über Funk mitbekommen, das fand ich schon beeindruckend. 

Was bedeutet es für Sie, Botschafter der Seenotretter zu sein?
Es ehrt mich, ein kleiner Mithelfer einer großen, von mir sehr geschätzten Organisation sein zu dürfen.

Wie und womit können Sie Ihrer Meinung nach die DGzRS am besten unterstützen?
Es geht in erster Linie darum, für die Arbeit der Seenotretter zu werben, zu Spenden aufzurufen, und das kann ich am besten mit meinen Zeichnungen. Wenn es die Coronavirus-Pandemielage wieder zulässt, möchte ich gerne einige Stationen besuchen und dort mit den Seenotrettern ins Gespräch kommen. Mich interessieren vor allem die stillen Momente, der Alltag an Bord, das Zwischenmenschliche – was es bedeutet, Seenotretter zu sein. Ich möchte versuchen, meine Eindrücke in Bildern festzuhalten, auch mit Humor und vielleicht ein bisschen Selbstironie auf die Seenotretter zu blicken.

Sie sind Cartoonist und Illustrator: Was fasziniert Sie an dem Job?
Alles! Ich freue mich jeden Tag auf meine Arbeit im Atelier, an der Staffelei stehen zu dürfen. Es ist für mich mehr als nur ein toller Job. Ich kann mit der Malerei eine unendlich weite Landschaft erkunden, das hört nie auf. Meine Cartoons sind natürlich in erster Linie Unterhaltung. Aber ich finde es auch sehr reizvoll, mit Humor unseren Alltag zu spiegeln, die Betrachterinnen und Betrachter zum Lachen über sich selbst und vielleicht auch mal zum Nachdenken zu bringen.

Gibt es ein berufliches Erlebnis, an das Sie sich besonders gerne erinnern?
Ich habe in den vergangenen Jahrzehnten so viele schöne Dinge erlebt, dass es das eine Ereignis für mich nicht gibt. Allein wenn ich ein Bild fertiggemalt habe, bin ich erstmal glücklich. Ich kann jeden Tag das tun, was mir am meisten Spaß macht – das ist ein Privileg.

Sie wohnen in einem kleinen Dorf. Was macht für Sie den Reiz des Lebens auf dem Land aus?
Ich mag die Gemeinschaft, das Sozialleben auf dem Dorf. Deswegen war ich in der freiwilligen Feuerwehr aktiv, inzwischen allerdings nur noch in der Altersabteilung. Mir ist wichtig, das Gemüse aus dem eigenen Garten holen zu können. Ich mag es, die Natur um die Ecke zu haben, zu wandern, mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Das liegt sicherlich auch an meiner Kindheit: Ich bin in Harksheide nördlich von Hamburg aufgewachsen. Zu der Zeit war dort alles noch ziemlich ländlich. Hinzu kommt: Die Lebenshaltungskosten sind hier im Wendland sehr viel niedriger als beispielsweise in Hamburg. Das gibt mir die Freiheit, Aufträge auch mal ablehnen zu können.

Was ist Ihr Lieblingsort?
Ich habe nicht den einen Lieblingsort, eher sind es viele. In der Nähe unseres Dorfes liegt beispielsweise der „Schwarze Berg“ – mehr Hügel als Berg. Doch von dort aus hat man einen schönen Blick über die Landschaft. Dort sitzen meine Frau und ich abends gerne und schauen uns den Sonnuntergang an.

Was macht Sie glücklich?
Mein Leben! Ich habe eine wunderbare Frau, tolle Töchter, einen sehr guten Job und ein Riesenmaß an individueller Freiheit.

Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Warum nicht.


Zur Person

„Wallende Wolken und wogende Wasser, betagte Höfe und mürbes Fachwerk, Dörfer im Dämmerschlaf und karge Kleinstadtstraßen: Meine künstlerische Liebe gilt der Provinz. Ich male den Arsch der Welt im schönsten Licht. Gern auch mit einem Hauch von Melancholie“ – mit diesen Worten beschreibt Wolf-Rüdiger Marunde seine Arbeit. 

Der Cartoonist und Illustrator wurde 1954 in Hamburg geboren, ist nördlich der Hansestadt aufgewachsen. Früh entdeckte er sein zeichnerisches Talent, studierte von 1972 bis 1976 Visuelle Kommunikation mit Schwerpunkt Presseillustration an der Hamburger Fachhochschule für Gestaltung. Seine Cartoons und Illustrationen waren unteranderem in den Zeitschriften „Stern“ und „Brigitte“ zu sehen, seit 25 Jahren erscheinen sie vor allem in der „Hörzu“ und erreichen damit Millionen Leserinnen und Leser. Daneben hat er zahlreiche Bücher, Kalender und Postkarten in unterschiedlichen Verlagen veröffentlicht.

Für seine Arbeiten wurde Wolf-Rüdiger Marunde 2002 mit dem Deutschen Karikaturenpreis in Gold, 2015 in Bronze und 2020 erneut in Gold ausgezeichnet. Er lebt und arbeitet seit 1988 im Landkreis Lüchow-Dannenberg.