10.03.2021

Ship-Spotter mit Spenden-Mission

Felix Röben aus Vegesack liebt Schiffe. Er liebt es, wenn sich die großen Pötte auf der Weser majestätisch langsam am Stadtgarten im Bremer Norden vorbeischieben. Dort steht der elfjährige Gymnasiast, schaut ihnen hinterher und fotografiert sie. Seine Aufnahmen behält er nicht für sich: Er lädt sie ins Internet hoch und verkauft seit einigen Monaten sogar Postkarten mit seinen Motiven für den guten Zweck. Die Seenotretter bekommen 50 Cent für jede Karte, die einen neuen Besitzer findet.

Großes Containerschiff inmitten eines großen Flusses

Die Vegesacker Kurve

Wer Felix besucht, muss damit rechnen, dass der Elfjährige bald losmuss – Schiffe gucken. Dann hat er gerade auf der Website „Marine Traffic“, auf der Nutzer Schiffsbewegungen in Echtzeit verfolgen können, wieder einen großen Pott entdeckt, der gleich auf der Weser am Vegesacker Stadtgarten vorbeikommt. In so einem Moment schwingt er sich auf sein Fahrrad und radelt schnell hinunter zur Weserpromenade. Dort an der Wasserkante blickt der Schüler gespannt in die Richtung, aus der das Schiff kommt. Griffbereit in seiner Tasche: die Spiegelreflexkamera seines Vaters. Auf den Auslöser drückt er erst dann, wenn das Motiv perfekt in der „Vegesacker Kurve“ liegt. Klick: Ein weiterer Pott für seine Sammlung ist im Kasten.

Als Felix vor etwa dreieinhalb Jahren anfing, Schiffe auf der Weser zu fotografieren, wollte er diese für ihn besonderen Momente einfach für sich festhalten. „Ich mag es, wenn sich die großen Schiffe langsam an mir vorbeischieben“, fasst er den Reiz seines ungewöhnlichen Hobbys in Worte. Und ein bisschen Sehnsucht, mal an Bord solch dicker Pötte mitfahren zu dürfen, spielte ebenfalls eine Rolle, gibt der Elfjährige zu. „Ich fahre sehr gerne mit Booten“, sagt er und lächelt. Der 55 Meter lange Ausflugsdampfer „Oceana“ ist im Moment sein absoluter Favorit, weil er darauf in seinem Heimatrevier unterwegs sein kann – doch größer dürfen die Schiffe gerne sein.

Aufstehen, wenn sich andere noch einmal umdrehen

So groß wie die Schiffe, mit denen der Bruder seines Opas als Kapitän auf großer Fahrt im Indischen Ozean Fracht von Asien nach Australien transportierte. Auch Felix’ Großvater selbst ist zur See gefahren. „Mein Opa hat mit mir manchmal in Fotoalben geblättert und mir Geschichten von Bord erzählt“, erinnert er sich. Die Tagebücher seines Großonkels hat seine Mutter zu einem Buch verarbeitet, das Felix natürlich gelesen hat. Vielleicht rührt seine Leidenschaft für Schiffe auch von dieser Familiengeschichte her.

Zuerst knipste Felix mit dem Smartphone seiner Mutter, später mit dem eigenen Handy. Als er irgendwann den Fotoapparat seines Vaters mitnehmen durfte, waren seine Aufnahmen bereits so gut, dass er sich traute, sie auf der Website "Marine Traffic" zu veröffentlichen – mehr als 150 Stück hat der Schüler mittlerweile hochgeladen. Und sie kommen an: Manche seiner Motive haben die anderen Ship-Spotter mit fünf von fünf Sternen bewertet: „Darüber habe ich mich sehr gefreut“, sagt der Elfjährige stolz.

Eine solche Auszeichnung durch Gleichgesinnte, spornt Felix zusätzlich an. Sie ist nichts, womit er vor seinen Freunden prahlen würde, dazu ist er zu bescheiden. Der Schüler will einfach nur Fotos von Schiffen machen – auch wenn er dafür schon mal in aller Frühe aufstehen muss. An manchen Wochenenden startet der Elfjährige bereits in den Tag, wenn andere in seinem Alter sich noch einmal umdrehen. Gegen 6 Uhr fährt er dann gemeinsam mit seiner Mutter nach Cuxhaven oder Bremerhaven, weil er dort die wirklich dicken Pötte vor die Linse bekommt. So wie den fast 400 Meter langen Containerriesen „HMM Gdansk“ – seinem bisher größten Fang.

Diesen hat Felix allerdings nicht als Motiv für seine Postkarten ausgewählt, die er seit September zugunsten der Seenotretter verkauft. Auf ihnen sind ausschließlich Aufnahmen von Schiffen vor dem Vegesacker Stadtgarten zu sehen, schließlich kommt er von dort. Es ist sein Zuhause. Dort spielt er mit seinen Freunden Fußball, lacht mit seiner Familie und büffelt für die Schule. Im Bremer Norden fühlt er sich wohl, wie auf der Vorderseite einiger Postkarten zu lesen ist: „Große Pötte, große Liebe: Mein Vegesack“ oder „Vegesack – der schönste Teil Bremens“. Diese selbst ausgedachten Sprüche stehen am unteren Kartenrand.

Seine Mutter Heike Röben erinnert sich noch ganz genau daran, als Felix im Spätsommer zu ihr sagte: ‚Mama, ich habe eine Geschäftsidee.‘ „Da war ich ganz gerührt“, erzählt sie und lächelt. Seitdem unterstützt sie das Engagement ihres Sohnes, genauso wie dieser mit dem Verkauf der Postkarten die Seenotretter unterstützt. Von jeder verkauften Karte, die es für 1,50 Euro in der Vegesacker Buchhandlung „Otto & Sohn“ oder bei ihm persönlich gibt, erhalten sie 50 Cent – bisher sind rund 70 Euro zusammengekommen.

Die Seenotretter kennt Felix durch die Sammelschiffchen, die er oft in Vegesacker Geschäften sieht und immer mal wieder mit seinem Taschengeld belädt. „Ich finde es gut, dass auch dank meiner Spende Schiffe gebaut werden können, mit denen anderen Menschen geholfen wird“, sagt er. Er selbst möchte später ebenfalls Seeleuten helfen – als Lotse. „In dem Job kann ich auf mehr Schiffen mitfahren als ich es als Kapitän könnte – und ihnen außerdem sagen, wo es längsgeht“, sagt er mit einem Schmunzeln. Bis es so weit ist, fotografiert er weiter vom Stadtgarten in Bremen-Vegesack aus vorbeifahrende Schiffe für seine Sammlung.

Wer eine oder mehrere Postkarten direkt bei Felix bestellen möchte, kann ihm eine Nachricht über seine Facebook-Seite www.facebook.com/Shipspotterfelix schicken.

Sie wollen die Seenotretter auch unterstützen? Dann spenden Sie online oder per Überweisung auf unser Spendenkonto: Sparkasse Bremen, BIC: SBREDE22, IBAN: DE36 2905 0101 0001 0720 16. 

Kleiner Junge mit grünen Tshirt macht Fortos von einem großen Containerschiff, das frontal vor ihm im Wasser steht
Mit der Kamera seines Vaters fotografiert Felix Röben die großen Pötte, die am Vegesacker Stadtgarten vorbeifahren.

„Was bei der DGzRS mit Spenden passiert, ist wortwörtlich greifbar. Mehr Transparenz geht nicht. Das liebe ich sehr an den Seenotrettern.“

Sonja Smaczny, DIY-Expertin und Spenderin

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