Vormannswechsel bei den Seenotrettern am Stettiner Haff

Manfred Fastnacht ist seit 30 Jahren Seenotretter in Ueckermünde. Genauso lange leitet er als Vormann die dortige Freiwilligen-Station, die die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) am 4. Mai 1992 gegründet hat. Drei Jahrzehnte später legt der 63-Jährige das verantwortungsvolle Amt in jüngere Hände: Der 32-jährige Christopher Zabel übernimmt seine Position am Stettiner Haff.

Vormann Manfred Fastnacht der DGzRS-Station Ueckermünde überreicht an Bord des Seenotrettungsbootes GERHARD TEN DOORNKAAT den Schlüssel an seinen Nachfolger Christopher Zabel.

Christopher Zabel (r.) ist Nachfolger von Manfred Fastnacht als Vormann der Freiwilligen-Station Ueckermünde. Auf dem Seenotrettungsboot GERHARD TEN DOORNKAAT überreicht ihm sein Vorgänger den Schlüssel für die Station. Foto: Die Seenotretter – DGzRS

Er sagte sofort zu, als die DGzRS ihn damals bat, in Ueckermünde eine Seenotretter-Station mit aufzubauen. „Als Kapitän eines Fahrgastschiffes wusste ich, wie notwendig ein organisierter Such- und Rettungsdienst vor Ort ist. Es gab immer wieder Unfälle, auch Tote“, erinnert sich Fastnacht. Die große Hilfsbereitschaft der Fischer, Segler und Menschen wie ihm reichte allein nicht mehr aus. Gemeinsam mit anderen Engagierten baute er die Station aus dem Nichts auf. Heute gibt es in Ueckermünde eine perfekt funktionierende, eingeschworene Gemeinschaft aus rund 20 Seenotrettern, die nur ein Ziel haben: Menschenleben retten, bei jedem Wetter, rund um die Uhr. Sie leben die zeitlosen Werte der DGzRS: Selbstlosigkeit, Freiwilligkeit, Unabhängigkeit.

Manfred Fastnacht ist Seenotretter mit großer Leidenschaft. „Du begibst dich selbst in Gefahr, um andere zu retten. Trotzdem machst du es immer wieder. Vormann zu sein, macht mir sehr, sehr viel Spaß – es ist eine Berufung für mich, in der ich voll aufgehe“, gesteht er. Deshalb gibt er das Amt auch mit einem „Tropfen im Auge“ ab. Gleichzeitig freut er sich auf mehr Freizeit. Als Vormann war er praktisch rund um die Uhr im Dienst. Als Rettungsmann tritt er künftig in die zweite Reihe zurück.

Gern erinnert sich Manfred Fastnacht an seine Anfänge bei der DGzRS: „Ich habe in keinem Moment einen Unterschied zwischen Ost und West gespürt. Bis heute erlebe ich große Kameradschaft unter den Seenotrettern.“ Freundschaften entstanden, die bis heute halten. Manch Erlebnis mutet in der Rückschau kurios an: So musste ihn anfangs mangels eigenen Telefons gelegentlich die Polizei mit Blaulicht von zu Hause abholen und zum Seenotrettungsboot bringen. „Das erste Mobiltelefon etwas später wog mehrere Kilogramm.“ Viel modernisierte die DGzRS im Laufe der Zeit, nicht zuletzt die Seenotrettungsboote: „Unser erstes, die TRIENTJE, hatte noch nicht mal einen Kartentisch. Auf unserem jüngsten gibt es hochmoderne Touchscreens mit elektronischer Seekarte“, beschreibt der Kapitän mit einem Kfz-Meisterbrief in der Tasche die technische Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte.

Freiheit auf See

Genauso wie sein Nachfolger Christopher Zabel kennt Manfred Fastnacht das Stettiner Haff seit Kindertagen. Beide wissen, wie schnell aus dem spiegelglatt vor ihnen liegenden Küstengewässer in der Nordostecke Deutschlands ein gefährlicher Ort mit weißen Wellenkämmen werden kann. Schon als Jungs waren sie mit dem Boot auf dem Haff unterwegs. „Meine Kindheit spielte sich am Strand oder auf dem Wasser ab“, sagt Fastnacht. Er liebt die Freiheit auf See – und auf dem Hundeschlitten, wenn ihn zehn Huskys übers schwedische Fjell oder das zugefrorene Haff ziehen.

Für Christopher Zabel „ist es die beste Erholung, die es gibt“, wenn er mit seinem Kajütboot übers Haff fährt. Der gelernte Schiffsschlosser wohnt wenige Kilometer von der Rettungsstation entfernt im Haus seiner Großeltern im Fischerdorf Mönkebude. Zu den Seenotrettern kam der gebürtige Ueckermünder 2020 über einen Bekannten. „Ich war sofort begeistert vom Zusammenhalt, von der Technik und natürlich von der Aufgabe. Nach Einsätzen fahre ich mit einem richtig guten Gefühl nach Hause. Wenn ich in die glücklichen Augen der Geretteten blicke und merke, wie sich ihre Anspannung löst, weiß ich genau, warum ich bei jedem Wetter rausfahre.“ In jedem Wort ist zu spüren: Der 32-Jährige ist Seenotretter mit Leib und Seele. Anfang des Jahres hat er seine große Passion zum Beruf gemacht: Seit Februar ist er fest angestellter Rettungsmann auf dem Seenotrettungskreuzer BERTHOLD BEITZ/Station Greifswalder Oie.

Die größere Verantwortung als freiwilliger Vormann in Ueckermünde hat er sehr gern übernommen. Die Station ist ihm sehr ans Herz gewachsen. Alle unterstützen ihn, die jüngeren genauso wie die älteren Seenotretter. „Ich spüre den uneingeschränkten Rückhalt, das große Vertrauen aller. Das ist mir besonders wichtig, vor allem, weil ich ja noch nicht so lange auf der Station dabei bin“, betont Zabel. In den nächsten Wochen und Monaten wird ihm Manfred Fastnacht für einen nahtlosen Übergang verstärkt mit Rat und Tat zur Seite stehen. Und: Vielleicht leitet Zabel wie sein Vorgänger die Station ebenfalls 30 Jahre – sein Alter und sein seemännisches Wissen sind dafür die besten Voraussetzungen.

„Ich war sofort begeistert vom Zusammenhalt, von der Technik und natürlich von der Aufgabe.“

Christopher Zabel, Vormann Station Ueckermünde

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