Teil der großen Seenotretter-Familie | DGzRS Die Seenotretter
11.09.2016

Teil der großen Seenotretter-Familie

Sauerländer Lukas Brand hat als „Seenotretter für einen Tag“ bei der DGzRS angeheuert.

Bei sonnigem Wetter läuft die BERLIN zu einer Kontrollfahrt aus. Lukas Brand (l.) steht neben Vormann Michael Müller auf dem oberen Fahrstand.

Lukas Brand aus Iserlohn ist überglücklich: Am Wochenende 10./11. September 2016 ist der 19-Jährige mit den Menschen zusammen gewesen, deren selbstlosen Einsatz für das Leben anderer er seit seiner Kindheit bewundert. Mit jeder Stunde bei den Seenotrettern wuchs sein Respekt vor ihrer Leistung.

Der Sauerländer erfuhr beim „Überleben-auf-See-Training“ am eigenen Leib, was die Seenotretter im Extremfall leisten müssen. Und in Laboe an Bord des Seenotrettungskreuzers BERLIN erlebte er für 24 Stunden den Alltag der Besatzung. Der Gymnasiast ist der Gewinner des Online-Wettbewerbs „Werde Seenotretter für einen Tag“ der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS).

Um bestmöglich auf seine Aufgaben an Bord der BERLIN vorbereitet zu sein, absolvierte Lukas Brand zunächst ein anspruchsvolles „Überleben-auf-See-Training“. Dafür stellte die Firma OffTEC den Seenotrettern ihr modernes Ausbildungszentrum in Enge-Sande zur Verfügung. Bei mehr als zwei Metern Seegang, Sturm und Dunkelheit trieb er im Überlebensanzug gemeinsam mit erfahrenen Seenotrettern im Wasser, lernte den Umgang mit der Rettungsweste und musste eine Rettungsinsel besteigen.

Großer Teamgeist

„Den größten Respekt hatte ich vor dem simulierten Sprung von Bord aus großer Höhe ins Wasser“, sagte der 19-Jährige nach dem Training. Doch der sportliche Gymnasiast meisterte auch diese Herausforderung. „Am meisten beeindruckt hat mich der große Teamgeist der Seenotretter. Alle haben auf mich geachtet, zu jedem Zeitpunkt des Trainings habe ich mich sicher und gut aufgehoben gefühlt.“

Der freiwillige Seenotarzt Markus Stumm (l.) und Arbeitssicherheit-Fachkraft André Rick aus der DGzRS-Zentrale haben Lukas Brand in ihre Mitte genommen.

Wenige Stunden später heuerte Brand auf der DGzRS-Station Laboe an. Vormann Michael Müller und seine Crew begrüßten den Sauerländer, dem die anstrengenden und erlebnisreichen Trainingsstunden sichtlich ins Gesicht geschrieben waren. Er freute sich auf seine Kammer an Bord der BERLIN – auch wenn es für ihn die erste Nacht überhaupt auf einem Schiff war. „Ich habe es mir nicht so wackelig vorgestellt. Dennoch habe ich sehr gut geschlafen“, berichtete Brand am nächsten Morgen.

Wie bei Seenotrettern üblich, liefen bei ihm ebenfalls die Funkempfänger die ganze Nacht lang mit. In dem viel befahrenen Revier der Kieler Förde ist es auf dem international einheitlichen Not- und Anrufkanal 16 nie lange ganz still. „Ich bin ein paar Mal in der Nacht von Funksprüchen aufgewacht und dachte: ‚Sind wir gemeint?‘.“

Aufregende Stunden an Bord

Nach dem Aufstehen gegen 6.30 Uhr forderte ihn die Männer-WG auf See für die Bordroutine: Frühstück machen und „Rein Schiff“ standen an, bevor es mit der BERLIN zur Kontrollfahrt auf die Ostsee hinausging. Dort bediente Brand bei einer Übung die Feuerlöschmonitore und bei einem Schleppmanöver durfte er sogar das Tochterboot STEPPKE steuern. „Das war aufregend“, sagte der 19-Jährige begeistert als die BERLIN wieder im Hafen von Laboe lag.

„Meine Erwartungen sind übertroffen worden: Ich habe mich sofort als Teil der großen Seenotretter-Familie gefühlt. Ich war nicht nur dabei, sondern mittendrin und werde die Stunden als ‚Seenotretter für einen Tag‘ nie vergessen“, so Brand.

Wettbewerbsgewinner Lukas Brand (vorne, 2. v. r.) mit seiner Lehrgangsgruppe vor Trainingsbeginn im Ausbildungszentrum von OffTEC

Zwischen Ende Mai und Anfang August hatten sich rund 500 Frauen und Männer beim Wettbewerb „Werde Seenotretter für einen Tag“ um den Platz auf der BERLIN beworben. Sie mobilisierten Freunde und Bekannte, um Stimmen zu sammeln. Brand nutzte alle sozialen Netzwerke und begeisterte seine Mitstreiter beim katholischen Kolpingwerk, in dem er sich engagiert. „Ich war manchmal schon penetrant“, sagte er mit einem Schmunzeln. Am Ende gehörte er mit 718 Stimmen zu den zehn erstplatzierten Bewerbern, unter denen der Gewinner ausgelost wurde.

Über die Seenotretter

Die DGzRS ist zuständig für den maritimen Such- und Rettungsdienst in den deutschen Gebieten von Nord- und Ostsee. Zur Erfüllung ihrer Aufgaben hält sie rund 60 Seenotrettungskreuzer und -boote auf 54 Stationen zwischen Borkum im Westen und Usedom im Osten einsatzbereit – rund um die Uhr, bei jedem Wetter. 180 fest angestellte und rund 800 freiwillige Seenotretter fahren Jahr für Jahr mehr als 2.000 Einsätze. Die gesamte unabhängige und eigenverantwortliche Arbeit der Seenotretter wird ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen finanziert, ohne Steuergelder. Seit Gründung der DGzRS 1865 haben ihre Besatzungen rund 82.000 Menschen aus Seenot gerettet oder drohenden Gefahren befreit. Schirmherr des Rettungswerkes ist der Bundespräsident.

Hinweis für Redaktionen:
Bildergalerien mit weiteren Fotos vom Abschlusswochenende unseres Wettbewerbs „Werde Seenotretter für einen Tag“ finden Sie auf unserer Website. Jedes der dort veröffentlichten Motive können wir gern in druckfähiger Auflösung liefern. Eine E-Mail an info@seenotretter.de genügt.

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