21.10.2015

Neuer Seenotrettungskreuzer BERLIN auf Kiel gelegt

Von Laboe aus sind die Seenotretter auch künftig unter dem Namen der Hauptstadt im Einsatz – Neubau wird ausschließlich durch Spenden finanziert.

Unter den Augen von Vormann Michael Müller (v. l.) legen die 470er-Seglerinnen Marlene Steinherr und Annika Bochmann die Gedenkmedaille in eine der ersten Sektionen der neuen BERLIN ein.

Die Seenotretter haben eine neue BERLIN auf Kiel gelegt. Der zweite Seenotrettungskreuzer der 28-Meter-Klasse der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) ist für Laboe an der Kieler Förde bestimmt. Nach seiner Ablieferung zum Jahreswechsel 2016/2017 übernimmt er den Namen seines Vorgängers.

Damit würdigt die DGzRS die Verbundenheit der Berliner zu den Seenotrettern an der Küste. Mit der ungewöhnlich frühzeitigen Bekanntgabe des Namens bittet sie um Spenden für den Neubau. Tatkräftige Unterstützung aus Berlin gab es bereits zur Kiellegung am Mittwoch, 21. Oktober 2015, im Betriebsteil Bardenfleth der Fassmer-Werft.

Zwei 470er-Seglerinnen des Berliner Vereins Seglerhaus am Wannsee 1867 haben, einer Tradition folgend, eine Gedenkmedaille des Landes Berlin in den Neubau mit der internen Bezeichnung SK 36 (Tochterboot TB 40) eingelegt. Steuerfrau Annika Bochmann und Vorschoterin Marlene Steinherr wünschten damit Schiffbauern und Seenotrettern Sicherheit, Glück und Gesundheit. Die beiden Sportlerinnen sind auf gutem Weg, ein Olympiaticket für Rio de Janeiro 2016 zu lösen.

Gedenkmedaille des Landes Berlin fährt bei jedem Einsatz mit

„Schon als Kinder sind wir mit unseren Eltern gesegelt und haben uns immer sehr sicher gefühlt, wenn wir die Seenotretter gesehen haben“, sagt Annika Bochmann. Und Marlene Steinherr ergänzt: „Auch heute ist es ein gutes Gefühl, wenn wir auf der Kieler Förde trainieren und die BERLIN sehen. Wir freuen uns auf den neuen Seenotrettungskreuzer mit dem gleichen Namen.“

Ein Schiffbauer verschweißt die Einlegestelle.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller hatte kürzlich bei einem Bremen-Besuch die Gedenkmedaille an seinen Namensvetter, den Vormann der BERLIN Michael Müller, übergeben. Er sagte die Patenschaft seines Landes zum Laboer Seenotrettungskreuzer auch für den Neubau zu: „Ich freue mich, dass die deutsche Hauptstadt ihre patenschaftliche Verbundenheit und ihren Respekt vor der Arbeit und für das bürgerschaftliche Engagement zum Ausdruck bringen kann.“

Vormann Michael Müller zeigte den beiden Seglerinnen bei der Kiellegung den richtigen Platz für die Medaille: Während früher ein Geldstück unter dem Kiel lag und während der Bauzeit plattgedrückt wurde, findet bei heutiger Bauweise „kieloben“ die Gedenkmedaille Platz am Hauptspant nahe des Maschinenraum-Frontschotts, um bei jedem Einsatz mitzufahren.

Spendenaktion in Berlin für 2016 geplant

Den Namen einer neuen Rettungseinheit geben die Seenotretter traditionell erst bei der Taufe bekannt. In diesem Fall machen sie jedoch eine Ausnahme: „Wir wünschen uns möglichst breite Unterstützung der Bevölkerung insbesondere aus Berlin, um den Neubau zu finanzieren“, begründet Michael Schroiff, stellvertretender DGzRS-Vorsitzer.. „Ab 5.000 Euro können Spender sogar einen Wunschnamen auf einer Danktafel an Bord bei jedem Einsatz mitfahren lassen.

Mehr als 13.000 Berliner unterstützen die Seenotretter mit regelmäßigen Spenden, und rund 400 Sammelschiffchen haben ihren „Liegeplatz“ in der Bundeshauptstadt. Dafür sind die Seenotretter sehr dankbar. Viele Berliner sind zudem Wassersportler auf der Kieler Förde oder verbringen an den Stränden im Revier der BERLIN ihren Urlaub.

Seglerinnen und Seenotretter: die Besatzung der BERLIN mit Annika Bochmann (l.) und Marlene Steinherr

Völlig neu konstruierte Schiffsklasse

Das Typschiff der neuen, 24 Knoten (ca. 45 km/h) schnellen und fast 4.000 PS starken 28-Meter-Klasse mit Tochterboot hatten die Seenotretter zum 150-jährigen Bestehen Ende Mai 2015 auf den Namen ERNST MEIER-HEDDE getauft und auf Amrum stationiert. Ein dritter Seenotrettungskreuzer dieser Klasse wird im Frühjahr 2017 abgeliefert. Der völlig neu konstruierte Schiffstyp ist als leistungsfähiger Nachfolger für die bewährte 27,5-Meter-Klasse vorgesehen.

Wie alle Rettungseinheiten der DGzRS werden Seenotrettungskreuzer und Tochterboot im bewährten Netzspantensystem vollständig aus Aluminium gebaut, als Selbstaufrichter konstruiert und ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen finanziert. Im Werft-Tagebuch der Seenotretter ist zu sehen, wie die neue BERLIN entsteht.

Die derzeitige BERLIN war 1985 als Typschiff der 27,5-Meter-Klasse in Anwesenheit des Bundespräsidenten und ehemaligen Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Richard von Weizsäcker, getauft worden. Der Schirmherr der Seenotretter bezeichnete die DGzRS seinerzeit in einer viel beachteten Rede als „Verbindung aus Bürgersinn und Bürgermut“.

Auch die allererste BERLIN war in ihrer Zeit ein modernes Einsatzmittel der Seenotretter. 1873 zeigte die DGzRS das speziell konstruierte Ruderrettungsboot auf der Weltausstellung in Wien. Von 1876 bis 1897 war es auf der Seenotretter-Station Wilhelmshaven stationiert. Bereits ihr Bau war seinerzeit nur möglich dank großzügiger Unterstützung aus Berlin.

Über die Seenotretter

Die DGzRS ist zuständig für den maritimen Such- und Rettungsdienst in den deutschen Gebieten von Nord- und Ostsee. Zur Erfüllung ihrer Aufgaben hält sie rund 60 Seenotrettungskreuzer und -boote auf 54 Stationen zwischen Borkum im Westen und Usedom im Osten einsatzbereit – rund um die Uhr, bei jedem Wetter. Jahr für Jahr fahren die Seenotretter mehr als 2.000 Einsätze, koordiniert von der SEENOTLEITUNG BREMEN der DGzRS (MRCC = Maritime Rescue Co-ordination Centre).

Die gesamte unabhängige und eigenverantwortliche Arbeit der Seenotretter wird ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen finanziert, ohne Steuergelder. Seit Gründung der DGzRS 1865 haben ihre Besatzungen rund 82.000 Menschen aus Seenot gerettet oder drohenden Gefahren befreit. Schirmherr der Seenotretter ist der Bundespräsident.

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