11.10.2019

Neues Seenotrettungsboot der DGzRS-Station Horumersiel heißt WOLFGANG PAUL LORENZ

Nachlass ermöglicht Bau jüngster Rettungseinheit auf Nord- und Ostsee

Mit einem hellen Knall ist die Sektflasche am Bug des neuen Seenotrettungsbootes WOLFGANG PAUL LORENZ der Freiwilligen-Station Horumersiel zerplatzt. Die jüngste Rettungseinheit der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) hat am Samstag, 12. Oktober 2019, im Hafen Wangersiel ihren Namen erhalten. Benannt ist das moderne Spezialschiff nach einem Spender, der die Seenotretter in seinem Nachlass bedacht hatte.

„Die WOLFGANG PAUL LORENZ ist ein Seenotrettungsboot der neuesten Generation. Sie ist ausgesprochen seetüchtig und hat ganz hervorragende Fahreigenschaften“, beschreibt der freiwillige Vormann Günter Ihnken seine ersten Erfahrungen. Der Neubau ist mit modernster Technik ausgestattet und mit 380 PS deutlich leistungsstärker als sein Vorgänger.

Das 10,1-Meter-Seenotrettungsboot ist rund zwei Meter länger und einen halben Meter breiter als die bisher in Horumersiel stationierte BALTRUM: „Wir können Schiffbrüchige, Erkrankte und Verletzte jetzt viel besser transportieren und an Bord medizinisch versorgen“, betont Ihnken. Mitte September hatten er und seine Freiwilligen-Crew den Neubau von der Bauwerft Tamsen Maritim in Rostock an die Jade überführt. An der Warnow war SRB 75 – so seine interne Bezeichnung – im Ende Oktober 2018 auf Kiel gelegt worden.

Gemeinsame Liebe zum Wasser

Ursula Lorenz wünschte dem neuen Seenotrettungsboot zur Taufe „allzeit gute Fahrt und der Besatzung stets eine sichere Heimkehr“. Die Taufe war für sie ein sehr emotionales Erlebnis. „Mein Mann wäre über diesen Tag sehr glücklich“, sagte Ursula Lorenz, „und das bin ich auch. Er fühlte sich der DGzRS zeitlebens eng verbunden. Ihm lag sehr viel daran, den Neubau eines Seenotrettungsbootes zu ermöglichen.“

Wolfgang Paul Lorenz bedachte die Seenotretter in seinem Nachlass. Auf diese Weise bleibt er ihnen verbunden. „Für sein außerordentliches Engagement sind wir sehr dankbar, denn dieser Nachlass versetzt uns in die Lage, den Neubau zu finanzieren“, erläuterte Gerhard Harder, ehrenamtlicher Vorsitzer der Seenotretter, bei der Taufe. „Das Boot nach Wolfgang Paul Lorenz zu benennen, ist für uns eine ehrenvolle Verpflichtung, der wir sehr gern nachkommen.“

Turnusgemäße Modernisierung der Rettungsflotte

Das neue 10,1-Meter-Seenotrettungsboot WOLFGANG PAUL LORENZ hat auf der Freiwilligen-Station Horumersiel die 1994 in Dienst gestellte und seit 2004 in Horumersiel stationierte BALTRUM abgelöst. Diese 8,5 Meter lange Einheit wird von der DGzRS außer Dienst gestellt. Das Boot wird allerdings im Seenotrettungsdienst bleiben und in Kürze an die Dansk Søredningsselskab, einen Freiwilligen-Seenotrettungsdienst in Dänemark, übergeben werden.

Die Eckdaten des Neubaus:
Länge über Alles: 10,1 Meter • Breite über Alles: 3,61 Meter • Tiefgang: 0,96 Meter
Verdrängung: 8 Tonnen • Geschwindigkeit: 18 Knoten (ca. 33 km/h) • Besatzung: Freiwillige
Antrieb: ein Propeller, 380 PS

Wie alle Einheiten der Seenotretter sind die neuen Seenotrettungsboote als Selbstaufrichter konstruiert und vollständig aus Aluminium im bewährten Netzspantensystem gebaut. Sie zeichnen sich durch hohe Seetüchtigkeit aus. In Grundsee und Brandung besitzen sie gute See-Eigenschaften, manövrieren einwandfrei, überstehen heftige Grundstöße und sind in der Lage, dank des rundumlaufenden Fendersystems auch bei höheren Fahrtstufen und unter erschwerten Bedingungen bei Havaristen längsseits zu gehen.

Bei der Konstruktion wurden umfassende Sicherheitskriterien berücksichtigt. Die Neubauten sind mit modernster Navigationstechnik, leistungsstarken Schlepp- und Lenzgeschirren sowie einer umfangreichen Ausrüstung zur medizinischen Erstversorgung ausgestattet.

Lange Tradition der Seenotretter in Horumersiel

Horumersiel zählt zu den ältesten Stationen der Seenotretter. Bereits 1866, ein Jahr nach Gründung der DGzRS, wurde in Horumersiel ein erstes Ruderrettungsboot stationiert. 1909 geht ein besonders schwerer Einsatz der Horumersieler in die Geschichte ein: Bei der „Todesfahrt“ des Ruderrettungsbootes VEGESACK verloren sechs Schiffbrüchige und ein Seenotretter ihr Leben. Ein ähnliches Ruderrettungsboot, die AUGUST GRASSOW, ist heute im 1975 im Zuge der Erneuerung des Hafens Wangersiel errichteten Stationsgebäudes originalgetreu restauriert erhalten. Eigner ist der eigenständige Verein Historische Seenotrettung Horumersiel e. V. Heute engagieren sich auf der DGzRS-Station Horumersiel 15 freiwillige Seenotretter um Vormann Günter Ihnken.

Über die Seenotretter

Die DGzRS ist zuständig für den maritimen Such- und Rettungsdienst in den deutschen Gebieten von Nord- und Ostsee. Zur Erfüllung ihrer Aufgaben hält sie rund 60 Seenotrettungskreuzer und -boote auf 54 Stationen zwischen Borkum im Westen und Usedom im Osten einsatzbereit – rund um die Uhr, bei jedem Wetter. Jahr für Jahr fahren die Seenotretter mehr als 2.000 Einsätze, koordiniert von der SEENOTLEITUNG BREMEN der DGzRS (MRCC = Maritime Rescue Co-ordination Centre). Die gesamte unabhängige und eigenverantwortliche Arbeit der Seenotretter wird ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen finanziert, ohne Steuergelder. Seit Gründung der DGzRS 1865 haben ihre Besatzungen mehr als 85.000 Menschen aus Seenot gerettet oder drohenden Gefahren befreit. Schirmherr der Seenotretter ist der Bundespräsident.


04.10.2019

Ein Schiff wird kommen

Die freiwilligen Seenotretter der Station Horumersiel haben ihr neues Seenotrettungsboot SRB 75 von seiner Bauwerft Tamsen Maritim in Rostock zu seinem endgültigen Liegeplatz im Hafen Wangersiel überführt. Auf seinem Weg von der Ostsee in die Nordsee passierte das noch ungetaufte Spezialschiff der DGzRS unter anderem den „Kleiderbügel“ der Fehmarnsund-Brücke und den Nord-Ostsee-Kanal.

Wie alle Rettungseinheiten der DGzRS wird auch SRB 75 ausschließlich durch Spenden und freiwillige Zuwendungen finanziert. Das Seenotrettungsboot ist für die Freiwilligen-Station Horumersiel vorgesehen und wird dort das Seenotrettungsboot BALTRUM ersetzen, das außer Dienst gestellt wird. Die Taufe, bei der das Seenotrettungsboot seinen endgültigen Namen erhält, findet am Samstag, 12. Oktober, im Hafen Wangersiel statt.


30.08.2019

Volle Kraft voraus beim Pfahlzugtest

Nach Monaten in der lauten und von Kunstlicht ausgefüllten Werfthalle darf SRB 75 endlich nach draußen. Noch ist es zwar die Ostsee, dennoch fühlt sich das neue Seenotrettungsboot in seinem Element sichtlich wohler als lediglich mit Luft unterm Kiel. Bevor es in wenigen Wochen durch die Wellen der Nordsee pflügen darf, stehen zwei wichtige Prüfungen auf seiner Werftliste: Pfahlzugtest und Krängungsversuch. (Fotos: Tamsen Maritim)


29.04.2019

„Ein bisschen Farbe auflegen“

Aufrauen, grundieren und lackieren: Diese drei Arbeitsschritte erledigen die Schiffbauer zurzeit auf der Werft Tamsen Maritim beim neuen Seenotrettungsboot für die Freiwilligen-Station Horumersiel. Am Ende wird SRB 75 in den typischen Seenotretter-Farben „leuchten“. (Fotos: Tamsen Maritim)


10.01.2019

„Plattenbau“ in der Werfthalle

Das filigrane Netzspantengerüst ist mittlerweile fertig zusammengesetzt. Im Moment beplanken die Werftarbeiter es mit präzise vorgeschnittenen Aluminiumplatten. Wie alle Einheiten der Seenotretter entsteht auch der Rumpf von SRB 75 zunächst kieloben. Vorteil: Die Schiffbauer müssen nicht kopfüber arbeiten, sondern können die schweren Metallteile für die Außenhaut in entspannter Arbeitshaltung „von oben nach unten“ auflegen. (Fotos: Tamsen Maritim)


Werft-Tagebuch
SRB 75

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