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18.11.2014

„Seenotretter zu sein, gehört zu meinem Leben dazu“

Retter im Porträt: Günter Ihnken ist freiwilliger Vormann in Horumersiel.

„Bei Nordwestwind und ablaufendem Wasser steht hier eine himmelhohe See.“ Vormann Günter Ihnken ist seit Jahrzehnten freiwilliger Seenotretter. Sein Revier kennt er wie seine Westentasche.

Der feuchte Wattboden vor Horumersiel glitzert im Morgenlicht. Günter Ihnkens Augen schweifen unter dem Schirm der von Sonne und Salzwasser ausgeblichenen blauen Mütze mit DGzRS-Schriftzug bis zum Horizont. Der erfahrene Vormann weiß, dass die Idylle an der Nordseeküste trügerisch ist. Die Landschaft seines Reviers ist ständig in Bewegung. Wo heute auch bei Ebbe noch genug Wasser ist, kann schon morgen eine Sandbank sein – bei Flut nicht zu erahnen und selbst auf elektronischen Seekarten nicht so rasch verzeichnet, wie die Naturgewalten Tatsachen schaffen. Selbst erfahrene Seeleute sind dann schnell auf die Hilfe der freiwilligen Seenotretter angewiesen.

Günter Ihnken ist am und mit dem Meer groß geworden. Wind und Wellen haben den 61-Jährigen schon als Kind geprägt. Sein Onkel, ein Sielwärter, nahm ihn damals mit zum trutzigen Schöpfwerk, das das flache Land gemeinsam mit dem Deich vor dem Blanken Hans schützt. „Die Gefahren der See waren mir schon früh bewusst“, erinnert er sich.

Das Rettungsboot CARL BEHNK faszinierte den Jungen. Ihnken sah der Freiwilligen-Besatzung oft hinterher, wenn sie den Sielhafen verließ. Er malte sich aus, welche Gefahren die Seenotretter zu überstehen hatten, wie sie nötigenfalls nicht zögerten, das eigene Leben einzusetzen, um das anderer zu retten. Er hörte die Geschichten im Dorf. Und er wollte einer dieser Männer sein.
Mit 15 Jahren stand er wieder einmal am Hafen, als der Alarm kam. Seenotretter Rolf Zeh fehlte noch ein Rettungsmann, um auslaufen zu können. Per Handschlag verpflichtete er Ihnken. Nach diesem ersten Einsatz für ein in Not geratenes Motorboot wurde Ihnken festes Mannschaftsmitglied – und 2004, zwei Rettungsboot-Generationen weiter, Zehs Nachfolger als Vormann.

„Todesfahrt der VEGESACK“

Als Berufsfischer hat Ihnken (61) auf seinem Kutter am eigenen Leib erfahren, wie unbarmherzig die See sein kann: „Bei Nordwestwind und ablaufendem Wasser steht hier eine himmelhohe See.“ Angst hat er als Seenotretter dennoch nie gehabt, auch nicht, als seine Besatzung und er vor ein paar Jahren mit dem nur 8,5 Meter langen Rettungsboot BALTRUM eine 23-Meter-Tjalk auf den Haken nahmen und die Schleppleine zu dem Plattbodenschiff im Sturm in der berüchtigten Blauen Balje brach.

Die „Todesfahrt der VEGESACK“, wie ein Einsatz Horumersieler Seenotretter von 1909 in die Geschichte der DGzRS eingegangen ist, erfolgte ebenfalls für eine solche Tjalk. Ein Rettungsmann und zwei Schiffbrüchige verloren seinerzeit ihr Leben. „Man ist schon froh, wenn man wieder sicher nach Hause kommt“, kommentiert Ihnken die Analogie ohne viele Worte.

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