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15.01.2018

Seenotretter mehr als 2.050 Mal auf Nord- und Ostsee im Einsatz

Auf Nord- und Ostsee sind die Seenotretter im Jahr 2017 mehr als 2.050 Mal im Einsatz gewesen. Die Besatzungen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) haben dabei rund 500 Menschen aus Seenot gerettet oder Gefahr befreit. Seit der Gründung vor 153 Jahren haben sie insgesamt mehr als 84.500 Menschen auf See schnelle Hilfe gebracht. Mit einem umfangreichen Neubau- und Umstationierungsprogramm bereiten sich die Seenotretter auf die Herausforderungen der Zukunft vor. Im abgelaufenen Jahr wurden sechs neue Rettungseinheiten in Dienst gestellt, fünf weitere folgen in diesem Jahr.

Unter Seenotrettern: „Bootschafter“ Till Demtrøder (M.) zwischen den Rettungsmännern Dominik Holtmeier (l.) und Sven Wittko. Gleich brechen sie mit dem Seenotrettungskreuzer HERMANN MARWEDE zu einer Kontroll- und Übungsfahrt auf.

Neuer Seenotretter-„Bootschafter“ im Jahr 2018 ist der Schauspieler Till Demtrøder, ein echtes Nordlicht, das auch im Segelboot auf Nord- und Ostsee zu Hause ist. Einem breiten Publikum ist der „waschechte“ Hamburger unter anderem durch seine langjährige Rolle als Zivilfahnder Henning Schulz in der ARD-Erfolgsserie „Großstadtrevier“ bekannt geworden. Große Beliebtheit errang er zudem als Old Shatterhand in der Inszenierung „Der Schatz im Silbersee“ bei den Karl-May-Spielen Bad Segeberg.

„Ich kenne die Seenotretter seit Kindesbeinen. Ich war immer schon fasziniert von dem Tochterboot, das hinten rausfährt. Das geht jedem kleinen Jungen und auch vielen Männern noch so“, erzählt Demtrøder mit Begeisterung in der Stimme, die vielen Menschen auch aus Hörbüchern und Filmsynchronisationen vertraut ist. Ihn beeindruckt die Organisations- und Finanzierungsform der DGzRS: „Ich war völlig erstaunt, als ich erfahren habe, dass die Seenotretter ohne jegliche staatliche Hilfe auskommen. Das war mir lange überhaupt nicht klar. Es hat meinen Respekt noch mal vergrößert.“

Till Demtrøder folgt als „Bootschafter“ auf TV-Moderatorin Heike Götz. Sie drehte 2017 für die NDR-Sendung „Landpartie“ unter anderem mit den Seenotrettern der Stationen Bremerhaven und Fedderwardersiel. Nicht zuletzt taufte sie am 8. November in Warnemünde die NIMANOA. Das Seenotrettungsboot für die Station Damp ist Teil eines umfangreichen Neubau- und Umstationierungsprogramms, mit dem sich die Seenotretter auf die Herausforderungen der nächsten Jahre vorbereiten.


Im Wasser: Schauspieler Till Demtrøder mimt einen Schiffbrüchigen. Mit dem Tochterboot VERENA holen die Seenotretter ihren neuen „Bootschafter“ wieder aus der kalten Nordsee.

Aus der Rettungsflotte

Etwa 30 Jahre sind die Rettungseinheiten der DGzRS im harten Einsatz auf Nord- und Ostsee. Rein rechnerisch ergibt sich daraus der Bedarf, jährlich durchschnittlich zwei neue in Dienst zu stellen. Vor mehr als 25 Jahren standen die Seenotretter vor der historischen Aufgabe, nach der Wiedervereinigung die veraltete Technik in Mecklenburg-Vorpommern schnell zu modernisieren. 24 Neubauten der Jahre 1990 bis 1994 müssen spätestens Anfang des kommenden Jahrzehnts ersetzt werden. „Zweckgebundene Erbschaften versetzen uns in die Lage, für einige dieser Boote schon jetzt moderne Nachfolger zu bauen“, erläutert DGzRS-Geschäftsführer Nicolaus Stadeler.

2017 sind sechs neue Rettungseinheiten in Dienst gestellt worden, zwei Seenotrettungskreuzer und vier Seenotrettungsboote. In der Folge hat die DGzRS einige Einheiten umstationiert sowie ältere außer Dienst gestellt und verkauft. Für 2018 sind fünf Indienststellungen geplant. Weitere Neubauten sind im Bau beziehungsweise in Auftrag gegeben.

Zusammen mit einer finnischen Spezialwerft hat die DGzRS erstmals ein Vollkunststoffboot entwickelt, als eigenständige Einheit für Freiwilligen-Stationen. Wie alle Rettungseinheiten der DGzRS wurde auch dieses 8,9 Meter lange Seenotrettungsboot als Selbstaufrichter konstruiert. 2018 werden die Seenotretter den Prototyp intensiv erproben. Mittelfristig ist denkbar, dass er auf einzelnen Stationen eingesetzt wird, auf denen seine Vorteile zur Geltung kommen.

Sicher auf See

Der beste Einsatz ist der, den die Seenotretter erst gar nicht zu fahren brauchen. Unter dem Präventionsmotto „Sicher auf See“ wendet sich die DGzRS verstärkt an Wassersportler – Segler, Motorbootfahrer, aber auch Trendsportler gleichermaßen. Die neue kostenlose Sicherheits-App „SafeTrx“ der Seenotretter wurde 2017 insgesamt mehr als 10.000 Mal aus dem Apple AppStore und dem Google PlayStore heruntergeladen.

„SafeTrx“ zeichnet über das Mobiltelefon die Route des Wassersportlers auf und ermöglicht der SEENOTLEITUNG BREMEN der DGzRS im Notfall den direkten Zugriff auf den aktuellen Standort. Mit Hilfe der App konnten bereits aufwendige Rettungsaktionen vermieden werden. Alle Präventionsinformationen haben die Seenotretter auf ihrer speziellen Internetseite zusammengestellt.

Spendern, Freunden und allen Interessierten bieten die Seenotretter auch 2018 wieder die Gelegenheit, sich vor Ort ein Bild von der Einsatzbereitschaft ihrer Besatzungen und der Leistungsfähigkeit ihrer Rettungseinheiten zu machen. Zum 20. Mal findet am letzten Sonntag im Juli, somit am 29. Juli 2018, der „Tag der Seenotretter“ auf vielen Stationen an Nord- und Ostsee statt.

Einsatzzahlen im Detail

Im Jahr 2017 haben die Besatzungen der 59 Seenotrettungskreuzer und -boote in Nord- und Ostsee bei insgesamt 2.056 Einsätzen (2016: 2.019 Einsätze)

In vielen Fällen griffen die Seenotretter frühzeitig ein und begrenzten so Schäden bereits im Vorfeld. Zudem sind sie 2.633 Mal in ihren Revieren zwischen Borkum im Westen und Ueckermünde im Osten auf Kontrollfahrt gegangen. Darüber hinaus war die SEENOTLEITUNG BREMEN (Maritime Rescue Co-ordination Centre, MRCC BREMEN) in 201 Seenotfällen international im Interesse der deutschen Schifffahrt unterstützend oder initiativ tätig.

Einschließlich aller Such- und Rettungsaktionen sowie Kontrollfahrten haben allein die 20 Seenotkreuzer (die 39 Seenotrettungsboote nicht mitgerechnet) im vergangenen Jahr 68.644  Seemeilen (ca. 127.129 Kilometer) in Nord- und Ostsee zurückgelegt. Das entspricht mehr als drei Erdumrundungen.

Seit Gründung der DGzRS am 29. Mai 1865 bis Ende 2017 haben ihre Besatzungen insgesamt 84.527 Menschen aus Seenot gerettet oder Gefahrensituationen auf See befreit. Das entspricht in etwa der gesamten Bevölkerung der Städte Gießen (Hessen), Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg), Lünen (Nordrhein-Westfalen) oder Flensburg (Schleswig-Holstein).
 
Einsatzzahlen für die einzelnen Küsten

Die Einsatzzahlen verteilen sich auf die einzelnen Küsten wie folgt (Vorjahreszahlen in Klammern):

 
Aus der Rettungsflotte

2017 sind sechs neue Rettungseinheiten in Dienst gestellt worden:

2018 werden ein weiterer 20-Meter-Seenotrettungskreuzer mit Arbeitsboot für die Schleimündung und drei weitere 10,1-Meter-Seenotrettungsboote für Timmendorf/Poel, Gelting und die Ausbildungsstation Neustadt i. H. abgeliefert. Drei weitere Seenotrettungsboote sind im Bau beziehungsweise beauftragt. Aufträge für weitere Neubauten will die DGzRS in diesem Jahr erteilen.

Mit der Modernisierung der Rettungsflotte sind Traditionsnamen verschwunden und umfangreiche Umstationierungen verbunden. Außer Dienst gestellt wurden unter anderem die bekannten Seenotrettungskreuzer HERMANN HELMS und VORMANN STEFFENS nach rund 32 beziehungsweise fast 29 Einsatzjahren.

Die Station Norderney hat die bisher auf der Greifswalder Oie stationierte EUGEN erhalten. Die BERNHARD GRUBEN wiederum wurde von Norderney nach Hooksiel verlegt, um die VORMANN STEFFENS zu ersetzen. Die bisher auf Langeoog stationierte CASPER OTTEN wiederum ist nun in Lauterbach/Rügen stationiert. Die aus der Rettungsflotte ausgeschiedenen Einheiten wurden verkauft beziehungsweise ins Ausland abgegeben.

Zusammen mit einer finnischen Spezialwerft hat die DGzRS erstmals ein Vollkunststoffboot als eigenständige Einheit für Freiwilligen-Stationen entwickelt. Das 8,9 Meter lange, drei Meter breite Boot ist robust, einfach zu handhaben und leicht instand zu halten. Manövrierfähigkeit, Schleppverhalten und Stabilität des bis zu 40 Knoten (rund 75 km/h) schnellen Bootes sind außerordentlich gut, Sog und Wellenschlag gering. Der Kenterversuch im Dezember 2017 war erfolgreich.

2018 werden die Seenotretter den Prototyp intensiv erproben. Er soll im Laufe des Jahres die WUPPERTAL in Maasholm ersetzen. Mittelfristig ist denkbar, weitere dieser Einheiten auf einzelnen Stationen einsetzen, auf denen die Vorteile dieses Typs zur Geltung kommen.

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