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17.01.2017

Seenotretter mehr als 2.000 Mal auf Nord- und Ostsee im Einsatz

Jahreseinsatzbilanz 2016: Die Besatzungen der DGzRS haben im vergangenen Jahr 680 Menschen aus Seenot gerettet und Gefahr befreit. Die TV-Moderatorin Heike Götz ist neue „Bootschafterin“ der Seenotretter.

Auf Nord- und Ostsee sind die Seenotretter 2016 mehr als 2.000 Mal im Einsatz gewesen. Die Besatzungen haben dabei rund 680 Menschen aus Seenot gerettet oder Gefahr befreit. Neue Seenotretter-„Bootschafterin“ ist TV-Moderatorin Heike Götz.

Auf Nord- und Ostsee sind die Seenotretter im Jahr 2016 mehr als 2.000 Mal im Einsatz gewesen. Die Besatzungen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) haben dabei rund 680 Menschen aus Seenot gerettet oder Gefahr befreit. In einem dreimonatigen Ausbildungs- und Unterstützungseinsatz für ihre griechischen Kollegen in der Ägäis brachten die Seenotretter Anfang des Jahres weitere 1.140 Menschen in Sicherheit. Seit der Gründung 1865 haben die Besatzungen insgesamt mehr als 84.000 Menschen auf See schnelle Hilfe gebracht.

Neue Seenotretter-„Bootschafterin“ ist TV-Moderatorin Heike Götz. Fernsehzuschauern ist sie vor allem als „die Frau mit dem Fahrrad“ aus der NDR-Sendung „Landpartie“ bekannt. Seit 1999 erkundet sie den Norden, trifft seine Menschen, stellt regionale Spezialitäten und ländliche Kultur vor – und bereits mehrfach auch die Seenotretter. „Die gute Atmosphäre und die Sachkenntnis der Mannschaften beeindrucken mich immer sehr“, sagt sie anerkennend.

Steht sie am Nordseedeich oder Ostseestrand, gehen ihre Gedanken oft zu den Seenotrettern: „Vor mir hohe Wellen mit Schaumkronen und ein eisig kalter Wind – wie gut, dass ich dann in eine warme gemütliche Stube gehen kann. Und noch viel besser, zu wissen, dass es Männer und Frauen gibt, die genau jetzt rausfahren würden, um Menschen aus Seenot zu retten. Danke, dass Ihr da seid!“

Heike Götz folgt als „Bootschafterin“ auf Schauspieler Markus Knüfken. Er warb im vergangenen Jahr auf vielfältige Weise für die ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen finanzierte Arbeit der Seenotretter. Knüfken zeigte in den Medien und auf Veranstaltungen „Flagge“, darunter auf dem Unesco-Welterbe Zollverein in seiner nordrhein-westfälischen Heimatstadt Essen.

„Landpartie“-Moderatorin Heike Götz ist neue Seenotretter-„Bootschafterin“. Auf der Außenelbe vor Cuxhaven hat sie bei einer Rettungsübung mit angepackt.

Umfangreiches Neubauprogramm

Mit einem umfangreichen Neubau- und Umstationierungskonzept bereiten sich die Seenotretter auf die Herausforderungen der nächsten Jahre vor. Die Rettungseinheiten sind etwa 30 Jahre im harten Einsatz auf Nord- und Ostsee. Rein rechnerisch ergibt sich daraus der Bedarf, jährlich durchschnittlich zwei in Dienst zu stellen.

Vor mehr als 25 Jahren jedoch standen die Seenotretter vor einer historischen Aufgabe: Nach der Wiedervereinigung galt es, die Technik in Mecklenburg-Vorpommern schnell zu modernisieren. Dies gelang innerhalb von nur vier Jahren, nicht zuletzt dank großartiger Unterstützung der treuen Freunde und Förderer.

Zwischen 1990 und 1994 wurden 24 Neubauten in Dienst gestellt. Spätestens Anfang des kommenden Jahrzehnts müssen sie ersetzt werden. „Zweckgebundene Erbschaften versetzen uns in die Lage, für einige dieser Boote schon jetzt moderne Nachfolger zu bauen. Viele werden die Namen ihrer Spender tragen“, erläutert Geschäftsführer Nicolaus Stadeler.

Derzeit sind 14 Rettungseinheiten kurz vor Indienststellung, im Bau oder beauftragt. Ein Höhepunkt des vergangenen Jahres war die Taufe des neuen Seenotrettungskreuzers BERLIN am 17. Dezember 2016 in Bremen durch Schauspielerin und Sängerin Meret Becker. Die offizielle Indienststellung der BERLIN auf der Station Laboe ist für den 4. Februar 2017 vorgesehen.

Sicher auf See

Der beste Einsatz ist der, den die Seenotretter erst gar nicht zu fahren brauchen. Unter dem Präventionsmotto „Sicher auf See“ wendet sich die DGzRS künftig verstärkt an Wassersportler – Segler, Motorbootfahrer, aber auch Trendsportler gleichermaßen. Die erfolgreiche gleichnamige Broschüre der Seenotretter gibt es, erweitert um viele Zusatzinformationen und Links, auch als spezielle Internetseite.

Ein wesentlicher Bestandteil ist die neue Sicherheits-App „SafeTrx“ der Seenotretter. Sie zeichnet über das Mobiltelefon die Route des Wassersportlers auf und ermöglicht der SEENOTLEITUNG BREMEN im Notfall den direkten Zugriff auf den aktuellen Standort. Die Seenotretter werden „SafeTrx“ auf der weltgrößten Wassersportmesse „boot“ in Düsseldorf (21. bis 29. Januar 2016) erstmals der breiten Öffentlichkeit vorstellen.

Tag der Seenotretter 2017

Spendern, Freunden und allen Interessierten bieten die Seenotretter auch 2017 wieder die Gelegenheit, sich vor Ort ein Bild von der Einsatzbereitschaft ihrer Besatzungen und der Leistungsfähigkeit ihrer Rettungseinheiten zu machen. Erneut findet am letzten Sonntag im Juli, somit am 30. Juli 2017, der „Tag der Seenotretter“ auf vielen Stationen an Nord- und Ostsee statt.

Einsatzzahlen im Detail

Im Jahr 2016 haben die Besatzungen der 59 Seenotrettungskreuzer und -boote in Nord- und Ostsee bei insgesamt 2.019 Einsätzen (2015: 2.091 Einsätze)

In vielen Fällen griffen die Seenotretter frühzeitig ein und begrenzten so Schäden bereits im Vorfeld. Zudem sind sie 2.843 Mal in ihren Revieren zwischen Borkum im Westen und Ueckermünde im Osten auf Kontrollfahrt gegangen.

Darüber hinaus war die SEENOTLEITUNG BREMEN (Maritime Rescue Co-ordination Centre, MRCC BREMEN) in 231 Seenotfällen international im Interesse der deutschen Schifffahrt unterstützend oder initiativ tätig.

Einschließlich aller Such- und Rettungsaktionen sowie Kontrollfahrten haben allein die 20 Seenot-kreuzer (die 39 Seenotrettungsboote nicht mitgerechnet) im vergangenen Jahr 71.986  Seemeilen (ca. 133.318 Kilometer) in Nord- und Ostsee zurückgelegt. Das entspricht mehr als drei Erdumrundungen.
Seit Gründung der DGzRS am 29. Mai 1865 bis Ende 2016 haben ihre Besatzungen insgesamt 84.037 Menschen aus Seenot gerettet oder Gefahrensituationen auf See befreit.

Einsatzzahlen für die einzelnen Küsten

Die Einsatzzahlen verteilen sich auf die einzelnen Küsten wie folgt (Vorjahreszahlen in Klammern):

Niedersächsische Nordseeküste
Die Besatzungen der an der niedersächsischen Küste stationierten Seenotrettungskreuzer und -boote haben bei 600 (582) Einsätzen zwei (vier) Menschen aus Seenot gerettet und 105 (60) weitere aus Gefahrensituationen befreit.

Schleswig-Holsteinische Nordseeküste
Die Stationen an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste registrierten 219 (255) Einsätze. Die dortigen Mannschaften retteten 3 (2) Menschen aus Seenot und befreiten weitere 74 (21) aus Gefahrensituationen.

Schleswig-Holsteinische Ostseeküste
An der Ostseeküste Schleswig-Holsteins waren die Seenotretter 663 (725) Mal im Einsatz. Sie retteten 28 (40) Menschen aus Seenot und befreiten weitere 285 (253) aus Gefahrensituationen.

Mecklenburg-Vorpommersche Ostseeküste
In Mecklenburg-Vorpommern waren die Seenotretter zu 537 (529) Einsatzfahrten unterwegs. Sie retteten 23 (11) Menschen aus Seenot und befreiten weitere 157 (149) aus Gefahrensituationen.

Ausbildungs- und Unterstützungseinsatz für griechische Seenotretter in der Ägäis

Drei Monate lang, von Anfang März bis Anfang Juni 2016, waren deutsche Seenotretter mit einem Seenotrettungskreuzer in der Ägäis im Einsatz, um ihre griechischen Kollegen des Hellenic Rescue Teams (HRT) auszubilden und zu unterstützen. Dabei wurden vor Lesbos 1.138 Menschen aus Gefahr befreit. Darunter waren 202 oft kleinste Kinder.

Mehrere nordeuropäische Seenotrettungsgesellschaften hatten gemeinsam auf eine konkrete Bitte der für den griechischen Such- und Rettungsdienst zuständigen Hellenic Coast Guard (HCG) reagiert. Bei der Rettung täglich Hunderter Flüchtlinge, unterwegs mit seeuntüchtigen Schlauchbooten von der türkischen Westküste auf die vorgelagerten griechischen Inseln, waren HCG und HRT mit ihren Ressourcen am Ende.

Unter dem Dach der International Maritime Rescue Federation (IMRF) und dem Motto „Members assisting Members“ leisteten die deutschen Seenotretter Hilfe zur Selbsthilfe, um die Rettungskräfte in der Ägäis nachhaltig zu stärken. An der Mission waren 53 Seenotretter der DGzRS beteiligt, unterstützt von 23 Rettungsschwimmern der DLRG. Diese nahmen auf Bitten der DGzRS an dem Einsatz teil.
Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen UNHCR verlieh HRT im September 2016 den Nansen Refugee Award. Der Einsatz der griechischen Seenotretter und ihrer internationalen Partner zeuge von bemerkenswerter Solidarität und Menschlichkeit, hieß es zur Begründung.
 
Aus der Rettungsflotte

Derzeit sind folgende 14 Rettungseinheiten kurz vor Indienststellung, im Bau oder beauftragt:

Schauspielerin Meret Becker hat eines der beiden 28-Meter-Schiffe am 17. Dezember 2016 in Bremen auf den Namen BERLIN getauft. Die offizielle Indienststellung in Laboe ist für den 4. Februar 2017 vorgesehen. Die andere 28-Meter-Einheit löst im Frühsommer in Cuxhaven die HERMANN HELMS ab, die nach 32 Einsatzjahren außer Dienst gestellt wird.

Die nächste 20-Meter-Einheit ersetzt auf Wunsch des Spenders Ende 2017 auf der Greifswalder Oie die EUGEN, die dann nach Norderney verlegt wird. Die bisher dort stationierte BERNHARD GRUBEN soll in Hooksiel die dann rund 29 Jahre alte VORMANN STEFFENS ersetzen.

Die Stationierung des zweiten 20-Meter-Kreuzers ist für 2018 in dem im Ausbau befindlichen Hafen Olpenitz an der Schleimündung vorgesehen. Er ist als Ersatz für die seit 1990 im nahen Maasholm liegende NIS RANDERS vorgesehen. Die DGzRS teilt ihre dortige Doppelstation. Das ebenfalls in Maasholm liegende Seenotrettungsboot, das hauptsächlich Einsätze im Nahbereich und schleiaufwärts fährt, liegt auch künftig im dortigen Fischereihafen. Der Seenotrettungskreuzer hingegen verliert im viel befahrenen Revierteil zwischen Maasholm und Schleimünde bisher wertvolle Zeit, da er nur mit stark reduzierter Geschwindigkeit auslaufen kann. Der Liegeplatz in Olpenitz ist deshalb rettungsdienstlich von Vorteil.

Die ersten beiden neuen 10,1-Meter-Seenotrettungsboote sollen im Frühjahr und Sommer 2017 auf Juist und Langeoog stationiert werden. Die Vorgänger, WOLTERA und CASPER OTTEN, wechseln dann voraussichtlich nach Gelting und Lauterbach. Dort lösen sie Anfang der 1990er Jahre gebaute 8,5-Meter-Boote ab, die außer Dienst gehen. Über die Stationierung der weiteren Boote entscheidet die DGzRS nach und nach.