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11.12.2019

Seenotretter legen eigenes Trainingsschiff auf Kiel

DGzRS intensiviert Qualifizierung ihrer Besatzungen auf Nord- und Ostsee

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) hat am Mittwoch, 11. Dezember 2019, erstmals ein eigenes Trainingsschiff für die Seenotretter an Nord- und Ostsee auf Kiel gelegt. Die etwa 22 Meter lange Einheit entsteht auf der Schiffswerft Hermann Barthel in Derben an der Elbe. Die Indienststellung ist für 2021 vorgesehen.

Einer Schiffbautradition folgend, legte Larissa Buck, Leiterin der Seenotretter-Akademie, eine Zwei-Hongkong-Dollar-Münze in eine Sektion des Neubaus ein. Das Geldstück soll den Schiffbauern, aber auch Schiffsführung und Besatzung Sicherheit, Glück und Gesundheit verheißen. Es wird jede Reise des Trainingsschiffes mitfahren. „Die Münze war seit meinem ersten Landgang auf meiner ersten Seereise 2006 in mein Seetagebuch eingeklebt. Ich bin damals wohlbehalten zurückgekommen. Und ich bin sicher, dass die Münze auch unserem ebenfalls reisenden Trainingsschiff Glück bringen wird“, sagte Larissa Buck anlässlich der Kiellegung in Derben.

Mit dem Neubau intensiviert die DGzRS die dezentrale Aus- und Fortbildung der Seenotretter auf den Stationen zwischen Borkum im Westen und Ueckermünde im Osten erfolgen. Zusammen mit den Rettungseinheiten vor Ort sollen vorrangig Standards wie Sicherheit und Seemannschaft, Längsseitsgehen, Schleppen, Manövrieren, technische Navigation wie Radarausbildung, Kollisions-/Begegnungsfahrten, aber auch die Abbergung Verletzter aus Schiffsinnenräumen trainiert werden. „Wir bereiten uns damit auch darauf vor, künftig verstärkt eigenes Personal selbst auszubilden und zu trainieren, da es immer weniger deutsche Seeleute gibt“, sagt Marco Behns, Leiter des Rettungsdienstes der DGzRS.

Platz für drei Besatzungsmitglieder und acht Trainees

Das Trainingsschiff der Seenotretter wird deshalb ausdrücklich keine leistungsstarke, schnelle Rettungseinheit, sondern ein konventioneller Verdränger mit Stahlrumpf. Das etwa 22 Meter lange, sechs Meter breite, 1,60 Meter tiefgehende und elf Knoten laufende Schiff wird von zwei Cummins-Motoren angetrieben. Sie sind baugleich mit denen der neueren Seenotrettungsboote der DGzRS. Das ermöglicht auch die technische Aus- und Fortbildung der Seenotretter.

Drei Besatzungsmitglieder werden das Trainingsschiff fahren. Acht Trainees beziehungsweise Freiwillige können an Bord untergebracht und auch an entsprechend ausgerüsteten technischen Navigationsplätzen geschult werden. Das Trainingsschiff komplettiert die DGzRS-Trainingsflotte. Zu ihr gehören auch zwei spezielle Trainingsboote aus der 9,5-/10,1-Meter-Seenotrettungsboot-Klasse. Außerdem wird die DGzRS künftig ihren größten Seenotrettungskreuzer HERMANN MARWEDE verstärkt zur Aus- und Fortbildung nutzen.
Gebaut wird das neue Trainingsschiff auf der Schiffswerft Hermann Barthel in Derben an der Elbe. Die Werft in Sachsen-Anhalt, gelegen zwischen Magdeburg und Brandenburg an der Havel, hat große Erfahrung im Bau ähnlicher Fahrzeuge. Finanziert wird der Neubau vollständig aus einer Erbschaft, wofür die Seenotretter außerordentlich dankbar sind.

Dem Training ihrer Besatzungen widmet sich die DGzRS seit jeher mit besonderer Aufmerksamkeit. Seit Jahresbeginn bündelt die Seenotretter-Akademie alle Maßnahmen: (erste) Qualifizierung zum Seenotretter, ständige Weiterbildung, regelmäßiges Training, an Bord, an Land und virtuell, für fest angestellte wie freiwillige Besatzungsmitglieder. Zur Akademie gehören das bereits 1996 gegründete Trainingszentrum Neustadt in Holstein und externe Einrichtungen, die Trainingsflotte, das Simulatorzentrum in der DGzRS-Zentrale sowie eine elektronische Lernplattform.

Über die Seenotretter

Die vor mehr als 154 Jahren gegründete DGzRS ist zuständig für den maritimen Such- und Rettungsdienst in den deutschen Gebieten von Nord- und Ostsee. Zur Erfüllung ihrer Aufgaben hält sie rund 60 Seenotrettungskreuzer und -boote auf 55 Stationen zwischen Borkum im Westen und Usedom im Osten einsatzbereit – rund um die Uhr, bei jedem Wetter. Jahr für Jahr fahren die Seenotretter mehr als 2.000 Einsätze, koordiniert von der SEENOTLEITUNG BREMEN der DGzRS (MRCC = Maritime Rescue Co-ordination Centre). Die gesamte unabhängige und eigenverantwortliche Arbeit der Seenotretter wird ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen finanziert, ohne Steuergelder. Seit Gründung der DGzRS 1865 haben ihre Besatzungen mehr als 85.000 Menschen aus Seenot gerettet oder drohenden Gefahren befreit. Schirmherr der Seenotretter ist der Bundespräsident.

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