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08.04.2018

Neues Seenotrettungsboot für Wangerooge auf den Namen FRITZ THIEME getauft

Namhafte Erbschaft ermöglicht Bau jüngster Rettungseinheit auf Nord- und Ostsee

SRB 68 heißt jetzt FRITZ THIEME

Gut zehn Meter lang, weniger als einen Meter Tiefgang und äußerst seetüchtig – dies sind einige markante Merkmale des neuen Seenotrettungsbootes der Station Wangerooge. Die jüngste Rettungseinheit der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) wurde am Sonntag, 8. April 2018, unter großer Anteilnahme der Inselbevölkerung am Wangerooger Westanleger getauft. Zudem waren zahlreiche Gäste sowie Freunde und Förderer der Seenotretter eigens vom Festland zur Taufe angereist.

Dagmar Irmler taufte den Neubau mit der internen Bezeichnung SRB 68 auf den Namen FRITZ THIEME. Sie wünschte „allzeit gute Fahrt und der Besatzung stets eine sichere Heimkehr“. Die 66-Jährige war in den letzten Jahren die Frau an der Seite des promovierten Physikers, der mit seinem Nachlass den Neubau ermöglichte.

Selbstlos, idealistisch und verantwortungsbewusst – diese Wesenszüge haben Professor Fritz Thieme zeitlebens sehr viel bedeutet. Er fand sie bei den Seenotrettern. Das verbindet – über den Tod hinaus. Wann immer es Thiemes knapp bemessene Zeit als weltweit angesehener Wissenschaftler mit einem Lehrstuhl für physikalische Chemie an der Universität Hamburg zuließ, kam er nach Helgoland, um aufzutanken.

Und um Freundschaft zu schließen mit den Seenotrettern. „Die Besuche bei uns an Bord haben ihm viel bedeutet, und auch wir waren sehr froh, in ihm einen so großen Förderer unserer Arbeit zu wissen“, sagt Jörg Rabe, Vormann des auf Helgoland stationierten Seenotrettungskreuzers HERMANN MARWEDE.

Thieme hatte keine Kinder. Er setzte „seine“ Seenotretter als Erben ein. Mit seinem Nachlass bleibt er ihnen verbunden. „Für sein außerordentliches Engagement sind wir sehr dankbar, denn dieser Nachlass versetzt uns in die Lage, den Neubau vollständig zu finanzieren“, erläuterte Gerhard Harder, ehrenamtlicher Vorsitzer der Seenotretter, bei der Taufe. „Das Boot nach Fritz Thieme zu benennen, ist für uns eine ehrenvolle Verpflichtung, der wir sehr gern nachkommen.“

Turnusgemäße Modernisierung der Rettungsflotte

Das neue 10,1-Meter-Seenotrettungsboot FRITZ THIEME hat auf der Freiwilligen-Station Wangerooge die 1999 in Dienst gestellte WILMA SIKORSKI ersetzt. Diese 9,5 Meter lange Einheit löste in Norddeich die 1993 gebaute, 8,5 Meter lange CASSEN KNIGGE ab, die wiederum außer Dienst gestellt und an Uruguays Seenotrettungsgesellschaft ADES abgegeben wurde.

Bei der FRITZ THIEME handelt sich um einen modifizierten Typ dieser Klasse, der besonders durch zwei Spanten mehr in der Länge die Unterbringung und Behandlungsmöglichkeiten an Bord für Schiffbrüchige, Erkrankte und Verletzte verbessert. Mit lediglich 96 Zentimetern Tiefgang kann das Boot auch im anspruchsvollen Tidenrevier mit vielen Sandbänken und Flachs rund um die Insel seine vielfältigen Aufgaben erfüllen.

Der Neubau ist einer von insgesamt zehn des gleichen Typs – das derzeit letzte soll 2020 seinen Dienst aufnehmen. Gefahren werden alle von Freiwilligen-Besatzungen. Mehr als 800 der rund 1.000 Seenotretter an Nord- und Ostseeküste sind freiwillige Seenotretter. Die Eckdaten der neuen Seenotrettungsboote:

Länge über Alles: 10,1 Meter • Breite über Alles: 3,61 Meter • Tiefgang: 0,96 Meter
Verdrängung: 8 Tonnen • Geschwindigkeit: 18 Knoten (ca. 33 km/h) • Besatzung: Freiwillige
Antrieb: ein Propeller, 380 PS

Wie alle Einheiten der Seenotretter sind die neuen Seenotrettungsboote als Selbstaufrichter konstruiert und vollständig aus Aluminium im bewährten Netzspantensystem gebaut. Sie zeichnen sich durch hohe Seetüchtigkeit aus. In Grundsee und Brandung besitzen sie gute See-Eigenschaften, manövrieren einwandfrei, überstehen heftige Grundstöße und sind in der Lage, dank des rundumlaufenden Fendersystems auch bei höheren Fahrtstufen und unter erschwerten Bedingungen bei Havaristen längsseits zu gehen.

Bei der Konstruktion wurden umfassende Sicherheitskriterien berücksichtigt. Die Neubauten sind mit modernster Navigationstechnik, leistungsstarken Schlepp- und Lenzgeschirren sowie einer umfangreichen Ausrüstung zur medizinischen Erstversorgung ausgestattet.

Wangerooge zählt zu den ältesten Stationen der Seenotretter. Bereits 1863, zwei Jahre vor Gründung der DGzRS, hatte der Bremische Verein zur Rettung Schiffbrüchiger, einer ihrer regionalen Vorläufer, auf der Insel das erste Ruderrettungsboot stationiert.

Über die Seenotretter

Die DGzRS ist zuständig für den maritimen Such- und Rettungsdienst in den deutschen Gebieten von Nord- und Ostsee. Zur Erfüllung ihrer Aufgaben hält sie rund 60 Seenot¬rettungskreuzer und -boote auf 54 Stationen zwischen Borkum im Westen und Usedom im Osten einsatzbereit – rund um die Uhr, bei jedem Wetter. Jahr für Jahr fahren die Seenotretter mehr als 2.000 Einsätze, koordiniert von der SEENOTLEITUNG BREMEN der DGzRS (MRCC = Maritime Rescue Co-ordination Centre). Die gesamte unabhängige und eigenverantwortliche Arbeit der Seenotretter wird ausschließlich durch freiwillige Zu¬wendungen finanziert, ohne Steuergelder. Seit Gründung der DGzRS 1865 haben ihre Besatzungen mehr als 84.500 Menschen aus Seenot gerettet oder drohenden Gefahren befreit. Schirmherr der Seenotretter ist der Bundespräsident.

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