Mit Geo- und Kursdreieck | DGzRS Die Seenotretter

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16.10.2017

Mit Geo- und Kursdreieck

Matthias Claussen liebt den Deich, das Meer und die Seefahrt. Kein Wunder – sein Vater war Fischer. Bereits als kleiner Junge im schleswig-holsteinischen Büsum begleitete er seinen Vater auf Fangfahrten. Offenbar hat Matthias Claussen damals mehr die Fische im Netz gezählt, als auf den Kurs zu achten.

Matthias Claussen engagiert sich seit vier Jahren als freiwilliger Seenotretter. Fotos: Martin Stöver

Anstatt Seemann ist er Lehrer geworden. Er unterrichtet Mathematik, Physik und Wirtschaft/Politik an einer Grund- und Gemeinschaftsschule. Dennoch geht er mit dem Kursdreieck mindestens ebenso geübt um wie mit dem Geodreieck. „Die See ist mir nie aus dem Kopf gegangen“, sagt der 37-Jährige
heute. Er hat seine Erfüllung gefunden: als freiwilliger Seenotretter auf der Station Eiderdamm in Schleswig-Holstein.

Im Vorhafen – direkt am Eidersperrwerk – liegt einsatzbereit das Seennotrettungsboot PAUL NEISSE. Gemeinsam mit Vormann Rainer Wallhof und neun Kollegen hat Matthias Claussen das Meer vor der Haustür stets im Blick. „Wenn sich wettermäßig was zusammenbraut, dann geht man abends schon mit dem Telefon ins Bett und wartet auf einen Anruf“, sagt er.

Bei Wind und Wetter ins Boot zu steigen und rauszufahren, das sei überhaupt keine Frage. „Wir hier an der Küste haben den Menschen draußen auf See immer schon geholfen, wenn jemand in Not war. Dass ich jetzt als Freiwilliger bei der DGzRS meinen Teil dazu beitragen kann, ist für mich nicht nur selbstverständlich, sondern auch eine Ehre“, sagt Matthias Claussen. Mit ein Grund, warum er neben der Station Eiderdamm auch noch als Freiwilliger im benachbarten Büsum im Einsatz ist.

Kurs: Menschenleben retten

Der Familienvater lebt rund sechs Kilometer vom Einsatzhafen Eiderdamm entfernt. Kommt ein Notruf, ist er in Windeseile am Hafen. Wenn das 10,1-Meter-Seenotrettungsboot PAUL NEISSE ausläuft, sind Konzentration und Anspannung an Bord groß. „Immerhin geht es im Maximalfall darum, Menschenleben zu retten“, sagt Matthias Claussen.

Mit dem Seenotrettungsboot PAUL NEISSE fährt Matthias Claussen in den Einsatz.

Und sein eigenes Wohl beim Einsatz auf See? Die Familie nimmt es gelassen. „Meine Frau Sina unterstützt mich da voll. Ich bin jetzt seit vier Jahren bei den Seenotrettern, und sie trägt tapfer alles mit.“ Dazu gehören die regelmäßigen Treffen mit der Mannschaft an Bord, die Kontrollfahrten, die Übungen, aber eben auch die Einsätze im Notfall.

Matthias Claussen ist als Mann an Deck für vieles verantwortlich: vom Sichern eines Bootes per Leine, über das Fahren des Bootes bis hin zur medizinischen Erstversorgung Geretteter. Dafür hat er bei der DGzRS einen speziellen Kurs als Rettungshelfer gemacht. Enthalten waren darin auch 40 praktische Stunden als Hospitant in einem Rettungswagen.

Bis zur Hüfte im Wasser

„Ich bin wirklich froh, dass ich diese gute Ausbildung und damit auch Sicherheit habe“, sagt der freiwillige Seenotretter. Er erinnert sich an eine Situation im Herbst 2014, als das Boot zweier Krabbenfischer auf der Binneneider gekentert war. „Die standen bis zur Hüfte auf dem schwimmenden Wrack im Wasser, waren komplett unterkühlt und hatten einen Schock. Einer hatte sich Verbrennungen am Kessel für das Krabbenkochen zugezogen“, erzählt Matthias Claussen. Die routinierte Bergung und Versorgung durch die Mannschaft der PAUL NEISSE hat beiden Männern das Leben gerettet.

Nach jeder Fahrt auf der Nordsee hjeißt es: Festmachen am Liegeplatz in Eiderdamm.

Was sich Matthias Claussen wünscht, ist mehr Selbstfürsorge und Aufmerksamkeit der Menschen auf dem Wasser. Sein extremstes Beispiel: der junge Sportbootführer, der bei aufziehendem Sturm nach Cuxhaven wollte. Er hatte sich weder den Wetterbericht angesehen, noch ein Funkgerät an Bord. Sein Notruf kam per Handy – nur gut eine Meile, bevor er auf der offenen See gar keinen Empfang mehr gehabt hätte. „Dass man sich auf See nicht selber gefährden soll, bringen wir ja selbst schon unseren Kindern bei“, sagt Matthias Claussen.

Dass er sich bei den Seenotrettern engagiert, sorgt bei Freunden und in der Familie für Anerkennung und Aufmerksamkeit. „So eine Hose will ich auch“, hört er oft genug, wenn er sich zu Hause für den Dienst bei der DGzRS umzieht.

„Dann brauche ich mich gar nicht erst umdrehen“, sagt Matthias Claussen und lacht. Warum auch? Er weiß genau, wer hinter ihm steht: sein sechsjähriger Sohn Nils, bekennender DGzRS-Fan, Nachwuchs-Seenotretter und angehender Seefahrer in der Familie Claussen in dritter Generation.