Immer im Blick:
alle Neuigkeiten.

30.05.2017

Goodbye, HERMANN HELMS!

Seenotrettungskreuzer geht nach 32 Einsatzjahren außer Dienst. Die öffentliche Taufe des Nachfolgers ist am 10. Juni im Cuxhavener Fährhafen.

Dauerbrenner: 32 Einsatzjahre hat die HERMANN HELMS auf dem Kiel.

Auf einer der einsatzreichsten Stationen der Seenotretter an Nord- und Ostsee geht eine Ära zu Ende: 32 Jahre lang sorgte der Seenotrettungskreuzer HERMANN HELMS für Sicherheit in der viel befahrenen Elbmündung. Nun stationiert die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) einen hochmodernen Nachfolger an einer der am stärksten frequentierten Seeschifffahrtsstraßen der Welt mit rund 100.000 Schiffsbewegungen pro Jahr. Zur Taufe am Samstag, 10. Juni 2017, sind alle Freunde und Förderer der Seenotretter herzlich willkommen.

Noch trägt der 28-Meter-Neubau lediglich eine Nummer: SK 37. Zwei zusammen fast 4.000 PS starke Maschinen werden den äußerst seetüchtigen Selbstaufrichter auf 24 Knoten (45 km/h) beschleunigen. An Bord sind modernste Kommunikations- und Navigationsmittel, Feuerlösch- und Fremdlenzeinrichtungen.

In der gezeitengeprägten, navigatorisch anspruchsvollen Elbmündung trifft sich der Verkehr nach Hamburg und zum Nord-Ostsee-Kanal. Das Scharhörnriff und die Untiefe Großer Vogelsand sind seit alters her bekannt als Schiffsfriedhöfe. Aus dem Mahlsand der Nordsee konnten viele Schiffe nicht mehr befreit werden. Noch heute sind einige Wracks sichtbar und künden als stumme Mahnmale von den Gefahren.

Mehr als 2.500 Einsätze

Das Einsatzspektrum der Cuxhavener Seenotretter ist breit gefächert: Es umfasst alle denkbaren Notfälle auf See – vom Ozeanriesen bis zum Wattwanderer. Mehr als 2.500 Einsätze und mehrere tausend Kontrollfahrten legte die HERMANN HELMS seit ihrer Indienststellung 1985 zurück. Gemessen an den gefahrenen Seemeilen umrundete sie zwei Mal die Erde.

Vormann Holger Wolpers und seine acht fest angestellten Kollegen sind Jahr für Jahr zwischen 80 und 100 Mal im Einsatz. Jeweils vier Mann sind in 14-tägigen Törns an Bord, außerdem gehören neun Freiwillige zur Station.

Noch auf Probe: Seenotrettungskreuzer SK 37 bei einer Testfahrt vor Helgoland

Cuxhaven gehört zu den ältesten Stationen der Seenotretter. Bereits 1866 gab es dort das erste Ruderrettungsboot. Stets sicherten besonders leistungsfähige Rettungseinheiten die Elbmündung, darunter ab 1914 eines der ersten deutschen Motorrettungsboote CARL LAEISZ, später das Doppelschrauben-Motorrettungsboot RICHARD C. KROGMANN sowie schließlich die Seenotrettungskreuzer RUHR-STAHL, ARWED EMMINGHAUS, HERMANN HELMS und nun SK 37.

Den endgültigen Namen von SK 37 geben die Seenotretter entsprechend ihrer Tradition erst bei der Taufe am Samstag, 10. Juni 2017, 15 Uhr, bekannt. Dazu erwarten sie Hunderte Zuschauern, von Freunden und Förderern. Das Rahmenprogramm beginnt bereits um 11 Uhr. Es ist zugleich die Gelegenheit, Abschied zu nehmen von einem der bekanntesten Seenotrettungskreuzer. Anschließend wird die HERMANN HELMS verkauft. Thank you, farewell and goodbye!


HERMANN HELMS auf Kontrollfahrt vor Cuxhaven


Noch auf Probe: Seenotrettungskreuzer SK 37 bei einer Testfahrt vor Helgoland

Aus dem Logbuch der HERMAN HELMS

8./9. November 1989: Nach der Kollision der England-Fähre mit einem Containerfrachter klafft ein großes Loch in der Bordwand der „Hamburg“.
1. September 1995: Löscheinsatz der HERMANN HELMS am brennenden Küstenmotorschiff „Swantje“ Foto: Michael Rauhe
27. Mai 2000: Nur noch die Bugspitze ragt aus dem Wasser, als die HERMANN HELMS die beiden Fischer von ihrem sinkenden Kutter rettet.
1. Dezember 2011: Die HERMANN HELMS unter Führung von Vormann Hanno Renner (l.) nähert sich mit Feuerwehrleuten dem ägyptischen Frachter „Abu Rdees“. An Bord brennt es.

Über die Seenotretter

Die DGzRS ist zuständig für den maritimen Such- und Rettungsdienst in den deutschen Gebieten von Nord- und Ostsee. Zur Erfüllung ihrer Aufgaben hält sie rund 60 Seenotrettungskreuzer und -boote auf 54 Stationen zwischen Borkum im Westen und Usedom im Osten einsatzbereit – rund um die Uhr, bei jedem Wetter. Jahr für Jahr fahren die Seenotretter mehr als 2.000 Einsätze, koordiniert von der SEENOTLEITUNG BREMEN der DGzRS (MRCC = Maritime Rescue Co-ordination Centre).

Die gesamte unabhängige und eigenverantwortliche Arbeit der Seenotretter wird ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen finanziert, ohne Steuergelder. Seit Gründung der DGzRS 1865 haben ihre Besatzungen mehr als 84.000 Menschen aus Seenot gerettet oder drohenden Gefahren befreit. Schirmherr der Seenotretter ist der Bundespräsident.