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11.11.2014

Geburtshelfer im Wattenmeer

Retter im Porträt: Björn Westermann ist freiwilliger Seenotretter auf Juist.

„Als Besatzung können wir uns blind aufeinander verlassen.“ Björn Westermann ist Freiwilliger auf dem Seenotrettungsboot WOLTERA. Er hat schon manche extreme Situation auf See erlebt.

„Groß geworden bin ich im Watt mit Paddeln, bevor der Opti das erste Segel bekommen hat“, erinnert sich Björn Westermann (40). Die Welt der Seegatten und Sandbänke, der engen Priele und kleinen Häfen der südlichen Nordsee ist das Revier des Juisters, seit er denken kann. Egal, ob mit dem eigenen Boot, mit dem Kitesegel oder an Bord des Seenotrettungsbootes WOLTERA: „So oft es geht, bin ich auf dem Wasser.“ Wen es wie ihn rauszieht, den zieht er raus, wenn es hart auf hart kommt: Für Fischer, Fährleute und Freizeitskipper ist der freiwillige Seenotretter im Einsatz – bei jedem Wetter, rund um die Uhr. Er kennt die ostfriesische Inselwelt wie seine Westentasche.

Und das ist nicht zuletzt Opas Verdienst: Der Großvater war Kap Hoornier, kannte die Weltmeere und vermittelte seinem Enkel früh ein Gespür für die Gefahren der See. Zwar wurde Björn Westermann Bankkaufmann, doch seine Liebe gehört der See. Nach dem Prinzip „Hand gegen Koje“ überquerte er im Segelboot den Atlantik, und zuhause segelte er schon mehr als 150 Regatten.

In die Juister Freiwilligen-Mannschaft der DGzRS führten ihn seine medizinischen Fähigkeiten. Der ausgebildete Rettungssanitäter arbeitete sich schon mit Mitte 20 in die Besonderheiten der Seenotmedizin ein. Die Landrettungsdienst-Erfahrung kommt ihm an Bord der WOLTERA zugute. Denn auf einer Station wie Juist übernehmen die Seenotretter auch dringende Krankentransporte ans Festland, wenn keine Fähre mehr fährt und Hubschrauber nicht fliegen können.

Westermanns Arbeitgeber, die Bank, stellt ihn für seinen ehrenamtlichen Einsatz problemlos frei. „Wenn mir jemand am Schalter begegnet und mich später auf dem Rettungsboot wiedersieht, hat die Bank auch etwas davon“, sagt Westermann. Die Insulaner sind stolz auf ihre Seenotretter. Zur Rettungsgesellschaft zu gehören, ist nach wie vor etwas Besonderes.

Ungewöhnlicher Einsatz

Seinen wohl schönsten Einsatz erlebte Westermann im Januar 2002. Damals wurde der gebürtige Juister zum Geburtshelfer mitten im Watt zwischen Insel und Festland. Es war ein dringender Schwangerentransport wie schon viele zuvor, doch diesmal wollte das Baby nicht warten. „Auf eine Geburt in der Enge an Bord und bei Seegang kann man sich kaum vorbereiten. Man macht alles ganz intuitiv“, sagt Westermann. Trotz der schwierigen Umstände holte er den kleinen Benjamin mit Hilfe des Vormanns und des begleitenden Vaters gesund auf die Welt. Der Kontakt hält bis heute.

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