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07.07.2010

„Entweder wi halen all – orrer wi bliewen all!“

Der Prerower Vormann Johann Niemann rettete über 70 Menschen aus Seenot

Unerschrockenheit, großen Mut und selbstloses Handeln verbinden viele Menschen im Ostseebad Prerow noch heute mit Johann Niemann (1866-1963). Der langjährige Vormann der Seenotrettungsstation hat in seiner Zeit über 70 Menschen das Leben gerettet – und dabei oft genug sich selbst in Gefahr begeben. Schon zu Lebzeiten galt er als einer der verdienstvollsten Prerower Bürger. Niemanns Mut und Einsatzbereitschaft erfuhren jetzt eine besondere Würdigung: Auf dem Prerower Seemannsfriedhof erinnert seit dem 5. Juli 2010 eine Gedenktafel an Vormann Niemann.


Die Menschen auf dem Darß erzählen sich bis heute eine für Niemanns Mut und Einsatzbereitschaft besonders bezeichnende wahre Begebenheit: Einmal – wieder einmal – havarierte am Darßer Nordstrand bei heftigem Sturm ein Schiff. Niemann, der nicht zu Haus war, als die Mannschaft alarmiert wurde, kam erst an den Strand, als sie schon mit den Geretteten zurückgekehrt war, und fragte: „Sünd dat all?“ Seine Männer antworteten, das seien alle bis auf einen, den man bei dem immer stärker werdenden Sturm unmöglich noch abbergen könne. Niemann erwiderte nur: „Entweder wi halen all – orrer wi bliewen all!“ Widerspruchslos bestieg die Mannschaft mit ihm gemeinsam das Rettungsboot, fuhr zu dem Unglücksschiff und rettete tatsächlich auch noch den letzten Schiffbrüchigen.


Von 1913 bis 1948 war Johann Niemann Vormann in Prerow. Noch als 70-Jähriger rettete er 1936 bei einem der letzten Einsätze der DGzRS mit einem Ruderrettungsboot zehn polnische und drei holländische Seeleute. Dafür erhielt er die Prinz-Heinrich-Medaille, die die DGzRS seinerzeit jährlich für die jeweils schwerste Rettungsfahrt vergab. Zwei Jahre später war mit der Indienststellung des Motorrettungsbootes LOTSENKOMMANDEUR LEPPERT auch in Prerow die Zeit der Ruderrettungsboote vorbei.


Wie damals ist das Seegebiet um den Darßer Ort mit seinen Untiefen für die Schifffahrt noch heute ein gefährliches Revier. Lange Zeit führte die Station Prerow mit der Anzahl der Geretteten die Statistik aller deutschen Seenotrettungsstationen an. Viele Seeleute ließen über die Jahrhunderte bei Strandungen vor dem Darß ihr Leben.

Als Johann Niemann am 9. September 1866 in Prerow geboren wurde, war die erst gut ein Jahr zuvor gegründete DGzRS noch jung. Wie fast alle Männer vom Darß ging Niemann zeitig zur See, fuhr zunächst als Schiffsjunge, Matrose und dann als Steuermann. 1894 legte er sein Kapitänspatent ab und fuhr über zehn Jahre als Kapitän auf großen Segelschiffen um die Welt. 1906 nahm Kapitän Niemann seinen Abschied von der aktiven Seefahrt. Als freiwilliger Seenotretter fuhr er jedoch immer wieder oft gerade dann hinaus, wenn andere Schiffe schützende Häfen anliefen.


„Der Wille ist die Seele der Tat.“ Dieser Satz, eingraviert auf der Prinz-Heinrich-Medaille, ist nun auch auf dem Gedenkstein an Johann Niemanns Grab zu lesen, den Niemanns Enkel Kapitän Harald Boos am 5. Juli 2010 enthüllte. Der ebenfalls langjährige Prerower Vormann Hellmuth Kleist berichtete aus diesem Anlass aus der Stationsgeschichte. Niemanns Kameraden hatten ihren ehemaligen Vormann 1963, nachdem er im Alter von 96 Jahren gestorben war, mit allen seemännischen Ehren auf dem Seemannsfriedhof in Prerow zu Grabe getragen. Seine Lebensgefährtin und ihre Schwester sind heute neben ihm bestattet.


Das Darßmuseum in Prerow erzählt die Geschichte der Seenotrettung auf der Halbinsel. Dort ausgestellt sind auch die Medaillen und Auszeichnungen, die Vormann Niemann für seine mutigen Rettungstaten erhalten hat. Die DGzRS dankt dem Förderverein des Museums und dem Prerower Gemeindekirchenrat für die gebührenfreie Nutzung der Grabstelle. Seit Bestehen des Rettungswerkes haben sich Behörden, Öffentlichkeit und viele einzelne Menschen gerade in dieser Region stets zu den Seenotrettern bekannt und sie nach Kräften unterstützt.

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