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02.05.2019

Ein Professor als Vormann

An seinem Büroschild steht „Prof. Dr. Joachim Venghaus“, doch an Bord der HERTHA JEEP nennen ihn alle nur Jo. Dort doziert er nicht, sondern packt als Freiwilliger kräftig mit an, wenn es draußen auf der Ostsee zu Notfällen kommt. Zum 1. Mai haben die Stralsunder Seenotretter den Professor für Technische Mechanik, Maschinendynamik und Elektrotechnik zu ihrem neuen freiwilligen Vormann gewählt.

Joachim Venghaus hält seit Mai das Ruder der Freiwilligen-Station Stralsund in Händen.

Joachim Venghaus folgt auf Ulf Braum, der aus gesundheitlichen Gründen das Ehrenamt in andere Hände legen musste. „Ich möchte die Truppe zusammenhalten und zwischen den verschiedenen Eigenschaften, manchmal auch Eigenarten von Menschen vermitteln“, nennt Joachim Venghaus zwei seiner Aufgaben als Vormann. Besonders wichtig ist ihm die ausgezeichnete Ausbildung seiner Mannschaft: „Menschen, die in Seenot geraten, brauchen Seenotretter, die wissen, was sie tun. So soll das bleiben, auch mit unseren Neuzugängen auf der Station, die wir zum Glück haben.“ Er selbst hat das Seenotretter-Handwerk noch von Braums Vorgänger Günter Towara gelernt. Der versierte Seemann hat ihn „an die Hand genommen“ und brachte ihm in kürzester Zeit viel bei. „Ich war einer seiner letzten Schüler“, sagt Venghaus.

Aufgewachsen ist Joachim Venghaus in Bamberg, Hunderte von Kilometern entfernt von der Ostseeküste. Im tiefsten Oberfranken lernte er 1968 die Seenotretter als Zehnjähriger über das DGzRS-Jahrbuch seines Vaters kennen – und lieben. Doch wer dem heute 61-Jährigen damals gesagt hätte, er werde fünf Jahrzehnte später Vormann sein, der hätte in ein ungläubig dreinblickendes Gesicht geschaut.

Mit der See kam der Familienvater erstmals 1984 als Student an der Technischen Universität Clausthal im Oberharz über einen Hochschullehrer in Berührung. Seitdem ist Joachim Venghaus als Chartersegler regelmäßig vor allem auf der Ostsee unterwegs, die seit 1992 endlich täglich zum Greifen nahe ist. Er folgte dem Ruf der Hochschule Stralsund und zog mit seiner Familie in die Hansestadt am Strelasund. Während er im Sommer selbst segelte, half er im Winter anderen Wassersportlern beim Erwerb von Segelscheinen und Funkzeugnissen.

Obwohl die Seenotretter nun in der Nähe waren, dauerte es noch 15 Jahre bis er 2017 bei ihnen „anheuerte“. „Ich habe mich nie getraut, zur Station zu gehen und zu fragen, ob sie Leute brauchen. ‚Auf einen dahergelaufenen Gelegenheitssegler warten die bestimmt nicht‘, dachte ich“, erinnert sich Joachim Venghaus. Ein Zufall führte beide Seiten schließlich zusammen: Im Oktober 2017 war er als Crewmitglied an Bord einer Segelyacht, mit der die Seenotretter verschiedene Manöver übten. „Wir kamen schnell ins Gespräch, kurze Zeit später gehörte ich zu den freiwilligen Seenotrettern in Stralsund“, erzählt er. Dann ging alles ganz schnell: Rettungsmann ab Januar 2018, Bootsführer ab Mai 2018, Ausbildungswart ab Juli 2018 und ab Mai 2019 schließlich freiwilliger Vormann.

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