19.09.2018

Im Gedenken an eine besondere Frau

Auf den ersten Blick sind es nur Namen: von Firmen, Stiftungen und Privatpersonen. Sie stehen auf 62 kleinen, gebürsteten Aluminiumtafeln, die am Niedergang der ANNELIESE KRAMER befestigt sind. Doch wer sind diese Menschen? Was verbindet sie mit den Seenotrettern? Warum haben sie selbst oder andere in ihrem Namen 5.000 Euro oder mehr für den Seenotrettungskreuzer gespendet? Die Antworten auf diese Fragen lenken den Blick auf unterschiedlichste Lebensgeschichten – wie die von Dr. Hermine Ruschmann.

Blieb ihren Schülerinnen über den Tod hinaus in sehr guter Erinnerung: Oberstudiendirektorin Dr. Hermine Ruschmann.

Einiges entnimmt man bereits dem, was auf der Gedenktafel steht. Dr. Hermine Ruschmann war Oberstudiendirektorin. Die Lehrerin lebte von 1900 bis 1965. Doch wer gedachte ihrer im Jahre 2017, als die ANNELIESE KRAMER in Dienst gestellt wurde? Die Antwort steht in der nächsten Zeile: „Sie war unsere Lehrerin bis zum Abitur 1952.“ Aus Anlass des 65. Jahrestages ihres Schulabschlusses gaben sechs Frauen, die heute zwischen 84 und 86 Jahre alt sind, die Gedenktafel in Auftrag. Für die Spenderinnen war der Seenotrettungskreuzer ein sehr guter Platz, um an ihre außergewöhnliche Lehrerin zu erinnern.

Als Hermine Ruschmann im Jahre 1900 geboren wurde, war das Frauenbild völlig anders als heute: Die Frau hatte damals einzig dem Manne und der Familie zu dienen. Hermines Schwestern kamen diesem Leitbild nach, sie selbst nicht. Sie schaffte es, sich ihr Leben gegen die damals gültigen Regeln einzurichten. Dennoch verlor sie nie den engen Kontakt zu ihrer Familie und blieb ihr in Freud und Leid verbunden.

1918, mit dem Ende des Ersten Weltkriegs, änderten sich die Lebensumstände für alle drastisch. Kaiser, Könige und Fürsten büßten ihre jahrhundertealte, angeblich von Gott verliehene Macht ein. Mutige Menschen versuchten, eine Demokratie in der Gesellschaft zu verankern. Gleichzeitig kam es zu turbulenten wirtschaftlichen Kämpfen, die sich als Spätfolgen des Ersten Weltkrieges weltweit entwickelten. Bekannt-berüchtigt wurde die Hyperinflation im Jahre 1923.

In dieser Zeit des Um- und Aufbruchs studierte Hermine Ruschmann die Fächer Mathematik, Physik, Chemie und Psychologie. 1926 und 1928 legte sie ihre wissenschaftlichen und pädagogischen Examina ab. Ins Berufsleben startete sie als Studienassessorin in Eutin. 1930 kam Dr. Hermine Ruschmann als Studienrätin nach Bremen an die Oberschule für Mädchen an der Karlstraße. Dieser Schule blieb sie 35 schicksalsschwere Jahre hindurch verbunden.

Mit einer Gedenktafel auf dem Seenotrettungskreuzer ANNELIESE KRAMER erinnern Schülerinnen an ihre ehemalige Lehrerin.

1933 begann in Deutschland die Hitler-Diktatur, 1939 der Zweite Weltkrieg, der 1945 mit vielen Millionen Toten in einem Chaos von Zerstörung und menschlichem Leid endete. Auch weite Teile Bremens und die Schule an der Karlstraße sanken in Trümmer. In der Hansestadt endeten die Kämpfe in den letzten Apriltagen 1945.

Dr. Hermine Ruschmann zögerte nicht lange und wendete sich dem Neuanfang zu: Bereits im Februar 1946 wurde sie Fachleiterin für Physik und Chemie am Bremer Studienseminar. 1949 erhielt sie die Ernennung zur Oberstudienrätin. Ab 1957 leitete sie als Oberstudiendirektorin das Gymnasium an der Karlstraße, wie die ehemalige Oberschule nun hieß. Ab 1963 wurden auch Jungen aufgenommen. Mit der ganzen Kraft ihrer Persönlichkeit setzte sie sich für ihre Schülerinnen und Schüler ebenso wie für zahlreiche angehende junge Lehrerinnen ein. Sie pflegte die gute und offene Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen.

Die sechs Spenderinnen wurden 1932 und 1933 geboren. Sie gehörten zu den vom Krieg teils schwer betroffenen Kindern. Ab 1947 erlebten sie mit, wie tatkräftig sich ihre Lehrerin für die geistige und materielle Erneuerung nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzte. Dabei ging es Dr. Hermine Ruschmann nie um Ämter und nie um ihre eigene Person.

Im Mittelpunkt ihres Wesens und Wirkens standen immer die Werte, die Menschen befähigen, friedlich miteinander zu leben und zu arbeiten. Mit Güte und Strenge, mit Ernst und Humor, mit Geduld und ihrem zielgerichteten Einfallsreichtum verdeutlichte sie, wie sehr gemeinsames Lernen Spaß macht, auch in Mathematik, Physik und Chemie – für Mädchen genauso wie für Jungen.Dr. Hermine Ruschmann war selber immer wissbegierig und lockte die Wissbegier bei ihren Schülerinnen und Schülern ebenfalls hervor.

In ihrer etwas nüchternen, aber herzlichen Art lebte sie gleichzeitig vor, dass die menschliche Seite bei allem Tun und Streben nie außer Betracht bleiben kann und darf. Viele ihrer Schülerinnen hielten deshalb auch nach der Schulzeit gern weiterhin Kontakt zu ihr.Dr. Hermine Ruschmann ist eingegliedert in die Kette all derer, die Wissen, Können und menschenfreundliche Gesinnung weiterzureichen bestrebt sind, von Generation zu Generation. All diese Werte kennzeichnen auch die Seenotretter. Und hier schließt sich der Kreis. Die Gedenktafel auf dem Seenotrettungskreuzer ANNELIESE KRAMER wird zukünftig an Dr. Hermine Ruschmann erinnern.

Ihr Name an Bord? Auf Wunsch fährt er auf unserem neuesten Seenotrettungskreuzer mit: Kurs Leben retten. Ab 5.000 Euro nehmen wir Ihren eigenen Namen, den Ihrer Firma oder aber den eines Menschen, den Sie besonders ehren möchten, auf einer Danktafel mit in den Einsatz.

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