02.05.2018

Ein Sammelschiffchen in Österreichs Alpen

Es hat seinen Liegeplatz 1.250 Meter über dem Meer: eines der wohl am höchsten stationierten Sammelschiffchen der Seenotretter. In der Hecherhütte im österreichischen Skigebiet Saalbach-Hinterglemm steht es auf dem Tresen. Hüttenwirt Lutz Kirnbauer hat es dort vor Anker gelegt. Das ist fast 15 Jahre her.

Jarmila Kirnbauer sammelt in der Tradition ihres verstorbenen Mannes auf 1.250 Meter Höhe für die Seenotretter.

„Sein Herz schlug nur für das Meer“, sagt seine Frau Jarmila, die er erst als 46-Jähriger kennenlernte. Im Traumpanorama der Hütte sehnte sich Lutz immer nach der Seefahrt, nach Hamburg, seiner großen Liebe. Nur die Liebe zu Jarmila war noch größer und hielt ihn in den Bergen. Der Oberösterreicher Lutz Kirnbauer war seinen Freunden bekannt als Weltenbummler und Lebenskünstler.

Als 23-Jährigen verschlug es ihn in die norddeutsche Hafenstadt. Gut zwei Jahrzehnte trieb es ihn über die Meere und durch die Häfen der Welt, als Steward auf Frachtschiffen, auf Luxusdampfern, sogar auf einer Bohrinsel arbeitete er. Er wusste, wie hart die See zuschlagen kann: Als Seenotretter fuhr er selbst jahrelang im französischen Brest raus, um Menschen zu helfen, „zwei Mal wäre er dabei selbst fast untergegangen“, sagt Jarmila. Schließlich betrieb Lutz eine Hafenkneipe in Hamburg.

Jahrzehnte später, auf seiner Hecherhütte in Österreich, saß Lutz an langen, verrauchten Winterabenden mit Gästen bei einem Whiskey an der Bar und erzählte Seemannsgeschichten. Die Gäste liebten sie. „Nach so einem Abend war das Sammelschiffchen immer schwer beladen“, erinnert sich Jarmila. 1.000 Euro und mehr kamen so in jedem Jahr an Spenden für die DGzRS zusammen.

Geschichten sind verstummt

Doch die Geschichten sind verstummt: Am 24. September vergangenen Jahres verstarb Lutz Kirnbauer im Alter von 72 Jahren. Statt Blumenschmuck spendeten die Gäste an die Seenotretter, rund 700 Euro waren es am Ende für die DGzRS. Im Juni, neun Monate nach seinem Tod, wird Jarmila seine Asche der Nordsee übergeben: „Auch dabei sammeln wir für die Seenotretter.“

„Jetzt, da Lutz seine Geschichten nicht mehr erzählen kann, wird das Sammelschiffchen vielleicht nicht mehr so gut befüllt“, fürchtet Jarmila Kirnbauer. Aber es wird seinen Platz behalten, dort oben, auf der österreichischen Hecherhütte, 1.250 Metern über dem Meer, und es erinnert an einen treuen Freund der Seenotretter.

Sie wollen die Seenotretter auch unterstützen? Dann spenden Sie online oder per Überweisung auf unser Spendenkonto: Sparkasse Bremen, BIC: SBREDE22, IBAN: DE36 2905 0101 0001 0720 16.

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