Ansicht | DGzRS Die Seenotretter
20.01.2018

Bremer Eiswette 2018: Die „Werser geiht!“

Seit 1829 wird an jedem 6. Januar in Bremen gewettet, ob die Weser „geiht“ oder „steiht“. Ein 99 Pfund schwerer Schneider mit heißem Bügeleisen (und losem Mundwerk) prüft, ob die Weser fließt oder zugefroren ist – früher wichtig für Handel und Schifffahrt.

In diesem Jahr bei der Bremer Eiswette: Seenotrettungskreuzer EUGEN mit Arbeitsboot HUBERTUS

Damals war der Gegenstand der Wette von größter Bedeutung. War die Weser zugefroren, gab es keine Schifffahrt auf dem Fluß. Die Kaufleute wetteten jedes Jahr, ob die Weser am 6.1. zugefroren sei. Die Verlierer der Wette zahlten das zwei Wochen später stattfindende Festessen.

Schon lange friert die Weser nicht mehr zu, und inzwischen entscheidet das Los über „Gewinner“ und „Verlierer“, doch die alten Rituale sind geblieben und sorgen jedes Jahr für viel Begeisterung beim zahlreich erscheinenden Publikum: Eiswett-Präsidium, „Novizen“ der Bremer Kaufmannschaft, „Medicus publicus“ und „Notarius publicus“ mit langen Lockenperücken, der „Secretarius“ sowie unter anderen auch die heiligen drei Könige haben jeweils fest zugewiesene Rollen. Der politische Spott auf die Bremer Politik ist in erster Linie Aufgabe des Schneiders, der von Peter Lüchinger meisterhaft in Szene gesetzt wird. Eigentlich sollte er mit seinem heißen Bügeleisen die Festigkeit des Eises prüfen, doch hinter dem Zeremoniell fließt für alle deutlich sichtbar auch in diesem Jahr das Wasser der Weser.

Für die Seenotretter ist es Ehrensache, den Schneider mit dem Arbeitsboot eines Seenotrettungskreuzers trockenen Fußes über den Fluß zu setzen. Seit Jahren wird beim Stiftungsfest zwei Wochen nach der Eiswette für die Seenotretter gesammelt. Allein bei den Festen 2016 und 2017 hatten die rund 800 Eiswettgenossen und ihre Gäste jeweils rund 450.000 Euro in die Zahlteller der Tischältesten gelegt – und mit diesen Spenden ein neues Seenotrettungsboot fast vollständig finanziert.

Im August wurde das Seenotrettungsboot feierlich auf den Namen SECRETARIUS getauft. Secretarius Jürgen Albrecht ist seit 2005 für die gesamte Organisation der Eiswette zuständig. Die Spende der Eiswette und ihrer Gäste ist die jährlich größte Einzelspende an die DGzRS. Die Seenotretter drückten ihre große Dankbarkeit nicht zuletzt dadurch aus, dass auch bereits das Tochterboot des Seenotrettungskreuzers HARRO KOEBKE nach einer Rolle der Eiswette NOTARIUS benannt wurde; und der Seenotrettungskreuzer der Station Nordstrand heißt EISWETTE.

In diesem Jahr nahm der Seenotrettungskreuzer EUGEN mit seinem Arbeitsboot HUBERTUS an der Eiswette teil. Die üblicherweise am Dreikönigstag abgehaltene Zeremonie findet stets am Punkendeich in Höhe der Weserfähre statt. Auch in diesem Jahr begleiteten die Seenotretter die Veranstaltung an Land mit einem Infostand.

Nachtrag 20. Januar 2018:

Beim diesjährigen Stiftungsfest spendeten die Eiswettgenossen und ihre Gäste nach Medienberichten die Rekordsumme von 467.760,04 Euro für die Seenotretter. Allen Spendern sagt die DGzRS dafür ganz herzlichen Dank!

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