19.07.2019

24 Geldscheine für die Seenotretter

Schuld ist ihr Bruder. Als Lea Bödecker ihren Abschluss als Schiffsmechanikerin in der Tasche hatte, erzählte er ihr von einem Brauch: Ihr erstes Gehalt müsse sie „versaufen“, das sei eine alte Tradition. Für die 22-Jährige kam das nicht infrage. Statt es für Alkohol auszugeben, investierte sie es lieber in ihre Zukunft – und in die Zukunft der Seenotretter. Eine Hälfte legte Lea Bödecker für ihr Studium beiseite und die andere Hälfte, immerhin stolze 1.200 Euro, spendete sie an die DGzRS.

Seenotretter statt Party: Lea Bödecker spendet die Hälfte ihres ersten Gehaltes an die DGzRS.

Statt mit dem Geld etwas Materielles zu kaufen, habe ich mich entschieden, jemandem damit zu helfen, der mir im Notfall auch hilft“, erzählt die Schiffsmechanikerin Lea Bödecker. „Wir Seeleute haben einen riskanten Beruf. Es ist beruhigend zu wissen, dass jemand da ist, um zu helfen, wenn wir uns nicht mehr selbst helfen können.“ Sie bewundert die Arbeit und den Mut der Seenotretter, den sie brauchen, um selbst bei schwerstem Wetter rauszufahren und unter großer eigener Gefahr Menschen aus Seenot zu retten.

Die 1.200 Euro überwies Lea Bödecker nicht einfach auf das Spendenkonto, sondern brachte sie persönlich zur Zentrale der Seenotretter in Bremen. Mit einem Geldbündel in der Hand stand die 22-Jährige vor der überraschten DGzRS-Mitarbeiterin Britta Zehrfeld und überreichte ihr 50-Euro-Scheine – insgesamt 24 Stück. Lea Bödecker mag es eben lieber persönlich und handfest. Schließlich muss sie als Schiffsmechanikerin kräftig anpacken und ist Teil einer eingeschworenen Gemeinschaft.

Ihr Handwerk lernte die 22-Jährige bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) auf sechs Fischereischutzbooten und Fischereiforschungsschiffen von der Pike auf. Sie fühlt sich wohl in dem Job und in der nach wie vor von Männern dominierten Seefahrt. Typische Mädchensachen waren noch nie ihr Ding: Als Kind spielte sie lieber mit den Jungs, in der Schule fand sie Fächer wie Physik und Mathematik besonders spannend. „Ich wollte schon als Teenager einen technischen Beruf lernen, weil mich diese Inhalte am meisten interessierten und mir am meisten Spaß machten.“ Nach mehreren Praktika, unter anderem bei der Deutschen Marine, entschied sie sich, zur See zu fahren.

Rau, aber herzlich

„Der Ton an Bord ist manchmal schon rauer. Als Frau muss man ein dickes Fell haben und auch mal kontern können“, sagt Lea Bödecker und grinst. Frotzeleien gehören auf See einfach dazu – genauso wie der Respekt vor den anderen Besatzungsmitgliedern. Dieser schlägt der 22-Jährigen von ihren meist männlichen Kollegen ebenfalls entgegen, sobald sie sehen, was die junge Frau leistet und welches handwerkliche Können sie besitzt.

Auch wenn Lea Bödecker es liebt, mit schwerem Werkzeug in der Hand das Salzwasser in der Luft zu riechen und den Seewind im Gesicht zu spüren, wie zurzeit auf dem Fischereischutzboot „Seeadler“, weiß sie noch nicht, ob sie ihr ganzes Leben zur See fahren wird. Auf die Praxis an Bord könnte die Theorie im Hörsaal einer Hochschule folgen. Dennoch kann sie sich vorstellen, die DGzRS weiterhin zu unterstützen: „Wenn es hart auf hart kommt, sind die Seenotretter für die Kollegen an Bord die letzte Rettung. Und ich möchte meinen Teil dazu beitragen, den Besatzungen da draußen zu helfen.“

Sie wollen die Seenotretter auch unterstützen? Dann spenden Sie online oder per Überweisung auf unser Spendenkonto: Sparkasse Bremen, BIC: SBREDE22, IBAN: DE36 2905 0101 0001 0720 16. Seenotretter statt Party: Lea Bödecker spendet die Hälfte ihres ersten Gehaltes an die DGzRS.

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